Bio Natur - Der Weblog

10.10.2009

Paradiesische Zustände

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:45

Wenn ich es recht bedenke, geschieht es unserer Fauna und Flora ganz recht ! Dieser vollkommene Blödsinn mit dem Umweltschutz muß jetzt einfach ein Ende haben. Dieser Schwachsinn mit dem Schutz bedrohter oder sogar kurz vor und vielfach schon nach vom Aussterben stehender Tierarten kann so nicht weitergehen.

Wie Sie ja bereits wissen, bin ich ein tief religiöser Mensch. Naja, zumindest war ich es einmal, also vielleicht nicht auf längere Sicht, aber immerhin kurzfristig, sehr kurzfristig. Dieses Bekenntnis meiner Hochachtung für die Kirche können Sie aber auch gerne unter http://weblog.bio-natur.at/2009/10/06/franzvonassisikirchevatikan/ selbst nachlesen. Also, ganz ehrlich, wir könnten es noch so schön haben. Alle miteinander könnten wir im Paradies leben, glücklich bis an unser irdisches Leben Ende. Keiner von uns müsste Lotto spielen, Sozialhilfe wäre ein Privileg derjenigen, die sich einmal so richtig schlecht fühlen  möchten, die Armutsgrenze wäre ein fiktives Konstrukt, sozusagen der Bunjeesprung für den an Langeweile leidenden Adam. Die an Lethargie vor sich hin siechende Eva dürfte zweimal im Jahr eine kleine Autobombe zünden, selbstredend ohne Tote oder Verletzte, schließlich befinden wir uns in der Ursuppe paradiesischen Zusammenlebens.

Es gibt jedoch eben dieses kleine Problem: Wir befinden uns in einem Wäre-Hätte-Sollte-Paradies. Also in einem Paradies des Konjunktivs, einem unerfüllbaren Wünsch-Dir-was der Neuzeit. Und wer ist schuld an dieser ganzen Misere ? Wer hat uns da reingeritten ? Wem haben wir zu verdanken, daß wir jedes Wochenende zwanghaft Lotto spielen müssen mit dieser idiotischen Idee, daß nur sechs Richtige halbwegs den uns zustehenden Lebensstandard verheißen ? Ich sage Ihnen was, im Paradies hätte jeder schon mit einer richtigen Zahl ausgesorgt gehabt, ach was sage ich, mit gar keiner Zahl.

Aber nein, es gab Neider. Bösartige Wesen, welche uns diesen Erfolg einfach nicht gegönnt haben. Ein einziger Baum, wahrscheinlich sowieso ungespritzt, also ohne diese herrlichen Pestizide, ein einziger Apfel, ich bin mir sicher, wurmstichig, weil ja ungespritzt, haben genügt, den Schranken herunterzulassen, das Tor zuzumachen, den Schlüssel umzudrehen. Und dann diese Schlange dazu. Bei dieser Art Lebewesen sehe ich schon auf den ersten Blick: So was kann einfach nur kriechen, hat nicht einmal den Anstand, dem Menschen auf zwei Füßen in die Augen zu schauen. Nein, nein, alles außer dem Menschen gehört ausgerottet.

Wenn ich schon an Äpfel denke ! Hängen faul irgendwo in der Sonne herum, arbeiten den ganzen Tag nichts und lassen sich auch noch tragen. Und dann dieses schleimige Wesen, diese Schlange, ein Kaltblüter, typisch, muß sich wie der Apfel erst mal stundenlang faul in die Sonne legen, um überhaupt irgendwas leisten zu können. Ich verstehe all diejenigen, welche zum Entschluss gekommen sind, daß nur eine Erde ohne Bäume, naturnahe Wiesen und wilde Tiere ein guter Planet ist. Wer will schon mit sowas unter einem Dach leben ? Ich sicherlich nicht. Aber trotzdem bin ich froh, daß es den Apfel und die Schlange gab, welche uns aus dem Paradies vertrieben haben. Stellen Sie sich einmal vor, wir hätten keine Schuldigen gefunden. Dann müssten wir zugeben, daß wir für unseren heutigen Ist-Zustand selbst verantwortlich sind. Und wer will schon Verantwortung übernehmen.

So, jetzt muß ich aber aufhören, mir fällt ein, ich habe noch nicht Lotto gespielt. Und ich habe das Gefühl, dieses Mal kommen meine sechs richtigen Zahlen. Und dann kaufe ich ein neues Paradies. Aber nicht für uns, sondern für all die Äpfel, Schlangen, Würmer und Bäume und was da sonst noch kreucht und fleucht. Wäre gut  möglich, daß die mit unserer Erbsünde gar nichts zu tun haben wollen.

      

Trockengebiete

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:25

Die Gesellschaft lehrt uns viele Dinge, während wir langsam unseren Kinderschuhen entwachsen. Je mehr zwischenmenschliche Knotenpunkte wir knüpfen, je größer unser eigenes soziales Netzwerk wird, desto höher werden die Anforderungen, welche an uns als funktionierendes Zahnrad des großen Getriebes mit dem schönen Namen soziales Umfeld gestellt werden. Und spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem uns unsere Windeln abgeschnallt werden, werden uns die ersten Restriktionen und Konventionen auf unsere zarten Kinderkörper gegurtet. Kaum wird uns gesagt, daß wir gefälligst unsere körperlichen Exkremente selbständig zu entsorgen haben, wird uns gleichzeitig aufgetragen, uns mit den widerlichen, allgegenwärtig durch Raum und Zeit wabernden Ausdünstungen und den an allen Ecken und Enden abgelagerten Abfällen menschlichen Handelns auseinanderzusetzen.

Es wäre eigentlich zum Weinen. Doch wir haben, wieder einmal rein statistisch gesehen und auf Hochrechnungen gestützt, nur etwa 80 Liter Tränenflüssigkeit zur Verfügung, welche wir für diese verschwenderische Tätigkeit zur Verfügung haben. Der normale Mensch, doch zeigen Sie mir bitte einen dieser Sorte, Sie natürlich ausgeschlossen, schließlich will ich Sie als Stammleser behalten bzw. als Neuleser gewinnen, auf den das Prädikat “normal” zutrifft, dieser Durchschnitts-Tränenvergiesser muß also haushalten mit seinem Tränenvorrat.

Und da kommen wir zu unserem Dilemma der menschlichen Trockengebiete. Erwachsene Menschen haben ihre Tränen in kindlichem Eifer fast immer zur Gänze vergossen. Unser kindliches Gemüt vergiesst zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten, Anlässen und Gelegenheiten salzige, wässrige Lösungen, welche über rosafarbene, kindliche, unschuldige Wangen kullern. Es vergiesst und vergisst. Wir, die mitleidlose Welt der Tränenlosen, diese dürre Welt der ausgeweinten, ja abgeweinten dunklen Augenhöhlen haben die Verpflichtung, diese gemachte Erfahrung unserer Folgegenerationen schonungslos beizubringen.

Gnadenlos wird uns beigebracht: “Echte Männer müssen hart sein !” “Ein Mann weint nicht!” “Frauen müssen ihren Mann stehen !” Was ist nun aber die Konklusion dieser drei Sätze ? Richtig: “Echte Frauen weinen auch nicht !” Wir haben uns unser eigenes Wasser abgegraben, in unserem kindlichen Eifer sind wir zu verschwenderisch mit unseren 80 Litern körperlichem Salzwasser umgegangen. Wir selbst haben dafür Sorge getragen, daß die Tränen der Erleichterung, die Tränen der Freude, die Tränen des Leids, die Tränen des Schmerzes, die Tränen der Wut, die Tränen der Enttäuschung, die Tränen der Liebe, ja selbst die Krokodilstränen des Mitleids versiegt sind.

Wir alle miteinander haben den Gang herausgenommen, fahren im Leerlauf ohne den Bremskraftverstärker “Ich möchte am liebsten weinen, kann aber nicht !” den gesellschaftlichen Abgrund hinab. Der Fahrtwind bläst uns auf unserem abschüssigen Weg scharf entgegen, trocknet die letzten Reste in unseren beiden salzverkrusteten Wüsten, läßt uns unseren Nächsten nur noch unscharf erkennen. Presswehen aus Mitleid erschüttern uns, Amplituden aus Welthunger, Krisenherden und Umweltkatastrophen lösen Kontraktionen in unserer verinnerlichten Seelensteppe aus und zerren und ziehen an unserem Gewissen.

80 Liter Tränen sind geflossen, eisige Stille hat sich in uns breit gemacht, 80 Liter Persönlichkeit sind verbraucht. 80 Liter, buchstäblich den Bach hinunter gegangen.

              

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