Warmduscher 2


Ich habe heute wieder einmal geduscht. Glauben Sie aber bitte jetzt nicht, daß es besonderer Erwähnung bedarf, daß auch ich dusche. Nein, ich dusche eigentlich relativ oft, nicht zu oft, nicht zu wenig, ich denke, ich bin ein sogenannter Durchschnittsduscher. Zumindest habe ich in den Weiten des Internets eine Statistik gefunden, wie oft der Durchschnitts-Deutsche dieser Beschäftigung täglich nachgeht. Und was für Deutschland gilt, sollte doch auch für Österreich eine gewisse Gültigkeit haben, also rein statistisch gesehen natürlich. Wie gesagt, so ca. 70 % der Deutschen duschen also täglich, ergo schließe ich daraus, daß auch um die 70 % der Österreicher sich dieser alltäglichen Form der Körperpflege hingeben. Ich habe also, wie schon erwähnt, geduscht, nicht zu heiß, auch nicht zu kalt, eben gerade richtig, also schön warm. Wer jetzt einwirft, dann handelt es ja in meinem Fall um den klassischen Warmduscher, o.k, die Freude sei Ihnen gegönnt, ich kann es nicht abstreiten, ich bin kein echter Mann, welcher sich bei minus 12 Grad Außentemperatur auch noch mit knapp über der Gefriergrenze temperierten Wasser dem täglichen Ritual körperlicher Reinigung hingibt. Wenn ich in Ihren Augen also der klassische durchschnittliche österreichische Warmduscher bin, gut, so sei es, kein Problem, echte Männer schauen sowieso anders aus, bin ich eben keiner.

Aber trotzdem, ich stand also unter wohlig warmem Wasser und was glauben Sie, was ich tat ? Völlig falsch, ich sang sicherlich nicht unter der Dusche. Mein Gesang, oder was zumindest ich für einen solchen halte, klingt, wenn man der besten Ehefrau der Welt, also wieder einmal meiner liebsten Gattin, Glauben schenken darf, eher dem Erste- Hilfe-Flehen eines Pavians. Andere böse Zungen, besonders die sehr perfide und spitze Zunge der besten Tochter der Welt, also unserer Tochter, führen den nicht zu entschlüsselnden Gesang der Buckelwale auf mich und meine Gesangsexperimente zurück. Nachdem ich jetzt aber in Ihren Augen bereits als Warmduscher abgestempelt bin, lassen wir sowohl Paviane als auch Buckelwale außen vor, ich dusche sowieso viel lieber alleine, schon platztechnisch gesehen hat man einfach mehr Freiräume als wenn sich links ein Pavian und rechts ein Buckelwal um die wohlriechenden Essenzen streiten. Um es kurz zu machen: Ich dachte nach. Ich ging dieser wohltuenden Tätigkeit des Nachdenkens nach. Unter der Dusche kommen mir viele Ideen, was glauben Sie z.B., woher all die Themen dieser Artikel stammen ? Die sind mir fast alle beim Duschen eingefallen, sozusagen zugeschwommen, naja nicht direkt geschwommen gekommen, es hat sie eher von oben, aus dem Brausekopf auf mich herabregnen lassen. Geschwommen wären diese Ideen dann schon eher beim Baden, aber beim Baden denke ich nicht, da überfällt mich sehr häufig dieser unbändige Drang des tiefen Nachdenkens, gemeinhin auch als Schlafen bezeichnet. Aber Duschen und Nachdenken, was für eine Kombination ! Wenn einem der Wasserstrahl auf die glatt polierte Glatze prasselt, regt dies richtig gehend meine Gehirnströme an. Man könnte fast glauben, das Wasser spült meine Gehirnwindungen aus, reißt alte, nicht mehr benötigte Gedanken mit sich fort, um Platz für neue Ideen zu schaffen.Unter der Dusche zu denken ist fast so schön wie, naja das überlasse ich nun Ihrer eigenen Phantasie. Wenn ich es recht betrachte, alle großen Erfindungen der Menschheit wurden unter der Dusche gemacht.

Das Rad wurde sicherlich an einem regnerischen Tag erfunden. Wahrscheinlich stand ein tigerfellbehangener, ziemlich bärtiger Vorfahr eines Tages im Regen, waschelnass, wie wir sagen und dachte darüber nach, wie er jetzt wohl am schnellsten in seine Höhle zu Frau und Kind kommen könne. Und da traf ihn der Blitz, nicht derjenige, welcher üblicherweise dem Donner folgt, sondern mehr der Blitz des Geistes, der Geistesblitz. Der Regen massierte sein haariges Haupt, sozusagen sein Haupthaar und gab ihm folgenden Gedanken mit auf den Heimweg: „Beim nächsten Mal nehme ich sicherlich mein Regenschirm aus echtem Fledermaus-Leder mit !“ Und als er so alleine und verlassen, die Regentropfen trommelten unentwegt auf sein haariges Haupt, durch den regnerischen Wald, den Regenwald, ja den gab es damals noch, als er also so einsam vor sich hin sinnierte, nie wieder ohne meinen Regenschirm, da stand diese Idee plötzlich im Raume, mitten vor ihm auf der unbefestigten Strasse, quasi einer Wasserstrasse. Warum diese runde Form des Regenschirmes nicht auch für etwas anderes nutzen ? Was tat also unser guter Mann ? Lange Rede, kurzer Schluß: Er erfand ganz einfach das Rad und gründete das erste Taxi-Unternehmen.

Oder denken Sie an Heraklit. Panta rhei – alles fließt. Woher glauben Sie, kommt diese wichtige Erkenntnis dieses griechischen Philosophen, daß alles einem stetigen Wandel und der Mensch einem permanenten Streben nach Weiter- und Höherentwicklung unterworfen ist ? Sie haben es erfasst ! Heraklit stand unter der Dusche, vielleicht auch in einem leise vor sich hin pläschernden Fluß, wusch sich den Staub von Stirn und kleinen Zehen und sah dem davonfließenden Wasser zu. Und dann sagte er zu sich selbst: „Wer in denselben Fluß steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.“ Und wieder stelle ich die obligatorische Frage: Was tat also Heraklit nach dieser Erkenntnis ? Nein, er gründete sicherlich keinen Sanitär- und Installateurbetrieb, dazu war ihm die Suche nach Erkenntnis viel zu wichtig. Er gab dieses Wissen weiter, verfasste es in Worte, damit nachfolgende Generationen wie ich etwa immer noch davon profitieren können, er übermittelte diese scheinbar elementaren, aber doch so schwierigen Denkprozess ohne das Einfordern einer Gegenleistung.

Es gäbe noch viele hundert und aber hundert Beispiele, wie Duschen und große Erfindungen in scheinbar kausalem Zusammenhang zueinander stehen. Mögen sie sich auch nicht so zugetragen haben, wie ich die beiden oben angeführten Fälle beschrieben habe, der eine stellvertretend für die technische Meisterleistung eines Einzelnen, der andere ein Geniestreich eines großen Geistes einer längst vergangenen Epoche.

Ich werde weiterhin duschen und dabei immer ein kleines bisschen vom großen Baum der Erkenntnis mitnaschen. Die Früchte dieses seit Jahrtausenden in und mit der Menschheitsgeschichte verwurzelten Baumes hängen hoch, weit höher als mein kleiner Geist jemals fliegen kann. Aber warum sollen selbst Warmduscher wie ich nur einmal, ein einziges Mal nicht auch bis in die Krone blicken dürfen.

             


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Kommentar erstellen

2 Gedanken zu “Warmduscher

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Liebe Petra, natürlich müsste ich mich nun, nach so vielen weiteren Duschen, wie ich sie nach Schreiben dieses Artikels mittlerweile über mich ergehen lassen musste, nein sagen wir doch besser dieselben ergossen sich über mein vom vielen Nachdenken kahles Haupte, bei Ihnen für Ihr Lob bedanken. Nun, ich schreibe, wie könnte es einmal anders sein, im Konjunktiv, da es mir schwer fällt, artig danke zu sagen. Nein, ich möchte beileibe nicht als unhöflicher Mensch dastehen, alleine Lob macht mich jedoch immer freudetrunken, so stehe respektive sitze ich also vor meinem Computer, denke über meine Wasserrechnung nach, welche mir allerdings auch eine gewisse Schamesröte ob der Wasserverschwendung, die durch meinen Hang zur Körperpflege entsteht, in mein vor lauter denkerischer Tätigkeit verschwitztes Gesicht treibt. Ich sitze also quasi im Moment auf dem Trockenen, die Dusche so greifbar nahe und doch so fern, labe mich an Ihren Zeilen und überlege tatsächlich, womit ich die Menschheit, Sie hoffentlich inbegriffen, als nächstes drangsalieren kann. Und siehe da, inspiriert durch diesen Kommentar auf Ihren Kommentar fällt es mir wie Schuppen von den Haaren, lassen Sie sich in diesem Falle bitte nicht von meiner Kahlhäuptigkeit irritieren, einer meiner nächsten Artikel wird sich mit den Problemen echter Männer beschäftigen. Keine Frage, ich dürfte eigentlich aufgrund meines Outings als Warmduscher überhaupt nicht in diesen Bereich männlicher Männlichkeit vordringen, aber irgendein unbestimmtes Wesen, wahrscheinlich mein lauthals schreiendes Ego, welches gerade „Das traust Du Dich nie!“ brüllt, veranlasst mich zu dieser Panik-, Trotz- und Was-weiss-ich-Reaktion. So kann ich nun, nach unendlich langen Irrungen und Wirrungen, Ihnen doch noch meinen Dank aussprechen. Nicht für Ihr Lob, denn an diesem ersticke ich immer noch, aber Sie haben mich zum immer noch herrschenden Männlichkeitswahn inspiriert und ich hoffe dementsprechend, daß Sie mir auch in Zukunft gewogen bleiben. Es grüßt aus Wien, der Hochburg der Warmduscher, nein, darf ich natürlich nicht schreiben, Sie wissen ja, der Männlichkeitswahn zählt auch in unseren Breitengraden zu einem gaaaaanz heiklen Thema, also vergessen Sie wieder gaaaaaanz schnell, daß ich Wien als die Hochburg der W…duscher bezeichnet habe, deshalb revidiere ich mein Urteil und sage, Wien hat nur einen einzigen Warmduscher und der bin ich. Und basta! So, jetzt ist mir eiskalt, ich glaube, ein paar Cent kann ich noch auf unsere Wasserrechnung draufhauen, bleibt aber unter uns, meine Frau sagt sonst Warmduscher zu mir. Und das zu mir, dem echtesten der echten Männer. Liebe Grüße sendet
    Paul