franz.von.assisi@kirche.vatikan 1


Ich habe zum richtigen Glauben zurückgefunden. Wie konnte ich all die Jahre, nein Jahrzehnte, nur so verblendet gewesen sein, mich an den Atheismus zu klammern, mich vom Agnostizismus verführen zu lassen und dessen höchste Stufe, den Ignostizismus als die für mich allgemeingültige Wahrheit zu betrachten ? Wie konnte ich jemals an der römisch-katholischen Kirche zweifeln, warum habe ich nicht begriffen, daß ich vom rechten Wege abgekommen bin ? Es ist zum verzweifeln, mein Zweifeln ! Aber ab jetzt wird alles besser. Ich gelobe Besserung, ich möchte wieder in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden.  

Ich habe meine Atheismus-für-Fortgeschrittene-Selbsthilfegruppe mit Sack und Pack verlassen, habe ein ketzerisches „Grüß Euch Gott“ in diese gottlose Runde geworfen und bin mit dem neuen Alten Testament, also dem Alten Testament, aber das völlig neu, meiner Wege gegangen. Wichtigere Dinge liegen vor mir. Mein neues Leben und ich, mein neues Altes Testament und ich, mein altes Neues Testament und ich, hab ich für diese Zwecke meinem Neffen abgekauft oder besser gesagt gegen einen gebrauchten Talar eingetauscht, weiß der T..fel, also der dunkle Herr von der Opposition,wo ich den gefunden habe. Und so machten wir uns auf den Weg, ein Dreigestirn, das neue Alte Testament, das alte Neue Testament und ich, der alte Neue. 

Mein Entschluss stand fest. Ich glaubte sogar ein mildes Lächeln ob dieser Umkehr, jener Rückkehr in die Herde des Herrn vom Nordturm des Wiener Stephansdomes erkennen zu können, nur ein kurzes Aufblitzen, ein anerkennendes Zunicken als Zeichen für das verlorenen Schaf, oder in meinem Fall eher Bock, aber wer nimmt es schon so genau bei soviel Anti-Atheismus. Und dann galt es zu überlegen, dieses neue gottesfürchtige Leben musste streng nach den Maßstäben des Schöpfers begonnen werden.

Also, was brauche ich, um gottgefällig zu sein ? Richtig, als erstes einmal meine digitale Spiegelreflexkamera. Ich zog kurz, aber wirklich nur für den Bruchteil einer Sekunde in Betracht, die kompakte Kamera meiner Tochter zu verwenden, aber wenn schon ein neues Leben auf den vatikanischen Pfaden, dann gleich mit der vollen Ladung an Megapixel. Wieviele Fotos ? Keine Frage, nach oben gibt es keine Grenzen, der Himmel hat ja schließlich auch keine. Was brauchte ich als nächstes ? Natürlich möglichst viele Vierbeiner, kriechende, hüpfende und wie auch immer sich fortbewegende Geschöpfe aus dem Tierreich. Als erstes war dementsprechend unsere Katze an der Reihe. Ich liebe dieses haarige Knäuel, welches dankenswerterweise nur dann um Aufmerksamkeit fleht, wenn es Hunger hat. Die Fotos wurden sensationell, sie haben mich geradewegs umgehauen, sie waren so vom Glauben durchdrungen, daß man sogar den Heiligenschein unserer vierbeinigen Mitbewohnerin erkennen konnte, bei entsprechender Vergrößerung unter dem Elektronenmikroskop. Und dann erst mein Leopardgecko ! Ein Traum in digital, ich denke, er wusste insgeheim, für welche Mission er sich ins richtige Licht zu stellen hatte. Welch erzkatholischer Ausdruck auf seinem verschlagenen Gesicht, fast schon menschlich. Ich fotografierte, bis die SD-Karte zum Glühen anfing, es war kein satanisches Leuchten dieses Speichermediums, mehr dieses überirdische Wetterleuchten, was sage ich, ein Licht so hell wie der Urknall oder eben kurz danach.

Und dann endlich ich selbst, das verlorene Schaf, oder in meinem Fall der verlorene Bock. Gott sei Dank, ja ich nehme diese drei Wörter mit voller Absicht in meinen sündigen Mund, habe ich mein Stativ immer in Griffweite. In geradezu andächtiger Weise beginne ich, an den kleinen Rädchen zu drehen, die Schrauben zu justieren, diese kleinen Wasserwaagen auszurichten, es erinnert geradezu an den Aufbau eines Hausaltares, ein kleiner digitaler Altar für eine große Mission. Ich mache gleich einmal 467 Fotos, die besten müssen es werden, welche jemals dieses Objektiv verlassen haben.

Und dann das großartige Finale, das Vater Unser der Bildbearbeitung, das erleuchtete Beleuchten selbst dunkelster Ecken. Ich bin sozusagen der Franz von Assisi der Digitalfotografie, ich schreibe Brehm´s Tierleben vollkommen um, ich fühle mich als Camera obscura der gesamten Christenheit, ich bin der wieder auferstandene Louis Daguerre, ein Weitwinkelobjektiv der Nächstenliebe, die neue Tiefenschärfe der 10 Gebote, der Lazarus der Lichtbrechung, ach ich könnte stundenlang so weitermachen.

Der letzte Akt meiner digitalen Wallfahrt bestand im Verfassen und Senden einer Email, im Anhang drei wunderschön herausgearbeitete Fotos der Katze, des Leopardgeckos und des verlorenen Bocks mit der Bitte um Erledigung. Der Bitte wurde entsprochen, zumindest zu zwei Dritteln. Die Katze hat ihren Segen bekommen, ihr Hunger wurde seltsamerweise dadurch aber nicht kleiner. Mein Leopardgecko hat sich mittlerweile seinen eigenen Fischerring bestellt, natürlich im Internet. Nur auf den Bock wurde vergessen.

Meine Glaubensgenossen von der Selbsthilfegruppe, Sie wissen schon, Atheismus-für-Fortgeschrittene, haben mir verziehen, zumindest teilweise. Ich darf zwar wieder mitmachen, aber sie haben mich in die Anfänger-Gruppe gesteckt. Sie glauben mir nicht ? Dann empfehle ich Ihnen einen Besuch in Linz. Wem der Weg dorthin zu weit ist, der möge sich ganz einfach diesen Artikel der Kirchenzeitung der Diözese Linz zu Gemüte führen. Es ist schon interessant mit anzusehen, mit welchen Mitteln eine Organisation arbeitet, welcher die Menschen in Scharen davonrennen. Zwei Fragen bleiben eigentlich offen. Was denken sich eigentlich all die zwangsweise gesegneten Tiere bei all diesen Verzweiflungstaten der Spezies Mensch ? Hoffen wir einmal, nicht allzu viel. Und die zweite Frage, welche mich wesentlich mehr beschäftigt: Hat Franz von Assisi auch einen Laptop und wie lautet seine wirkliche email-Adresse ?

             


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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