2009 - Ein Rückblick
Ich habe heute spontan beschlossen, das Kalenderjahr 2009 für beendet zu erklären. Auch auf die Gefahr hin, jetzt sämtliche noch verbliebenen Stammleser zu vergraulen, aber ich lege hiermit, also mit dem jetzigen Zeitpunkt, das Jahr 2009 ad acta. Ich möchte einfach irgendwo, bei irgend etwas einmal der Erste sein, ich will nur ein einziges Mal im Leben behaupten können, so, dieses Ziel habe ich als Nummer 1 erreicht, einmal nur sollen meine Enkelinnen oder Enkel oder vielleicht Enkelinnen und Enkel in unserer Familienchronik, welche natürlich erst noch geschrieben werden muß, lesen können: “Unser Großvater hatte die Nasenspitze vorne, er hat alle anderen Mitbewerber um Längen geschlagen, er hat sämtliche Konkurrenten hinter sich gelassen.
Und deshalb sage ich jetzt, hier und heute, am 04. Oktober 2009: Das Jahr 2009 ist beendet, herzlich willkommen 2010 ! Und so starte ich, wie es sich für einen ordentlichen Rückblick gehört, einen solchen. Was haben wir 2009 nicht alles erlebt, was waren die größten Aufreger und welche Skandale haben uns 2009 am meisten beschäftigt.
Als erstes kommen wir natürlich zu den Katastrophen 2009, schließlich bringt jeder gute, nein jeder erstklassige Privatsender auch diese an erster Stelle. Flugzeuge sind abgestürzt, wollten aus erfindlichen und unerfindlichen Gründen mit der Schwerkraft nichts mehr zu tun haben. Züge sind entgleist, Autobusse über Klippen gestürzt, Millionen von Autos mit Millionen anderer Autos zusammengestossen, die Erde hat 2009 wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Tornados haben die Menschheit in neuerliches Chaos gestürzt, Millionen wurden ihrer Heimat beraubt, Hunderttausende werden sich auch 2010 noch auf der Flucht befinden. Schlagworte wie Al-Kaida, Terror,Autobomben, Unabhängigkeitskriege, Selbstmord-Attentate, Revolutionen, Umstürze, Glaubenskriege und und und geistern jeden Tag durch die Medien, nicht mehr herauszubekommen aus unseren Köpfen. Aber unsere Köpfe befinden sich vor dem Plasma-Bildschirm, unsere Körper sitzen in bequemen Ledersesseln und unsere Hände beschäftigen sich mit halbvollen Biergläsern und Chips. Wir schauen auf das Jahr 2009, jeden Tag auf´s Neue schütteln wir unser entsetztes Haupt vor soviel Elend, welches uns in 1920×1080 Auflösung entgegenschreit, langsam mit immer den selben Worten träge aus dem Fernseher rinnt und seine Elendsnebelschwaden in unser Hirn wabern, sich ausbreiten, mit anderen gespeicherten Katastrophen-Nebeln zusammenstossen, sich überlagern, um schließlich keinen neuen Platz in unserem Denken mehr zu finden. Mein Gehirn ist jetzt, am 04. Oktober 2009 bereits mit soviel Mitleid, Elend, menschlichem Leid so übersättigt und überladen, daß für neue Unheilsmeldungen einfach kein Platz mehr ist.
Ich muß Platz schaffen, muß 2009 bereits heute als beendet erklären, ich muß neue Kapazitäten freiräumen, die alten Nebel, Schwaden, diese dicke undurchdringliche Suppe des Jahres 2009 aus meinem Gehirn schaufeln, um für 2010 wieder genügend Reserven frei zu haben. Schwarze Flüchtlinge, gelbe Flutwellenopfer, weiße Terror-Tote, alles schwimmt in diesem gedanklichen Katastrophen-Einerlei, in diesem undefinierbaren, weil nicht mehr trennbaren Brei aus Daten, Zahlen, Fakten, aus Nummern und Namen. Ich kann nicht mehr sagen, ob Martha der Name für einen Hurrican oder für ein Flüchtlingskind war, welches beide Elternteile in irgendeinem Befreiungskrieg verloren hat. Einzelne Berichte in den Nachrichten werden grenzenlos, Hungernde lassen sich nicht mehr Staaten und Ländern zuordnen, staatenlose und gesichtlose Nebelgestalten, gefangen in der Anonymität meiner Zellmembranen, Neurotransmitter, Proteine, Synapsen und elektrischen Weiterleitungen.
2009 war kein schlechtes Jahr, es war ein Jahr wie jedes andere. 2010 wird kein schlechtes Jahr werden, es wird ein Jahr wie jedes andere werden. Warum also nicht gleich das Jahr 2010 auch für beendet erklären ? Warum nicht sofort heute nahtlos zum Jahr 2011 oder gleich zum Jahr 2038 weitergehen ? Wenn doch jedes Jahr kein schlechtes Jahr ist, ein Jahr wie jedes andere. Dann hätte ich auf lange Sicht Platz in meinem geistigen Narrenschiff, könnte gleich weiterrudern bis zum Jahre X, in ein Jahr, welches ein gutes Jahr sein wird, kein Jahr wie jedes andere. Aber ich fürchte, die Kraft habe ich nicht, solange zu rudern wird nicht möglich sein. Also lassen wir es bleiben, schauen wir, was 2010 bringen wird.
2010, Flugzeuge sind vom Himmel gefallen, Züge entgleist, Autobusse Klippen hinuntergestürzt. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Tornados, Bombenattentate, Unabhängigkeitskriege, Selbstmord-Attentate usw. Sie haben dies schon einmal gelesen, all dies bereits selbst gespeichert ? Dann will ich es gut sein lassen und wünsche allen: Prosit 2010, auf ein neues, altes, schon dagewesenes, sich immer wieder wiederholendes, ewig gleichbleibendes weiteres Katastrophen-Jahr. Und bevor ich es vergesse, die größten Aufreger und schönsten Skandale kommen 2010 sowieso in gleicher oder ähnlicher Form wieder, also lasse ich es bleiben, darüber auch noch einen Rückblick zu verfassen.



