Und täglich werden es mehr



Nein, ich rede hier nicht von meinen Feinden. Wobei diese natürlich auch jeden Tag mehr werden. Wobei, wenn ich es recht bedenke, so wirklich steigt ihre Zahl auch nicht mehr an. Schließlich segnen auch einige meiner Feinde das Zeitliche, je weiter ich mich selbst auf diesen Punkt des finalen Atemzugs hinbewege, um so näher kommen auch die mir nicht ganz so Wohlgesonnenen diesem nicht erstrebenswerten Ziel. Aber wie schon anfangs erwähnt, es soll uns hier nicht kümmern, in welcher Quantität diese noch vorhanden sind.

Ich war heute, an einem herrlich sonnigen Samstagnachmittag wieder einmal im Zimmer der lieben Tochter beschäftigt. Genauer gesagt, beschäftigt mich mehr der liebe Nachwuchs als Arbeitgeber und ich beschäftige mich dann mit der an mich weiter gegebenen Arbeit. Kapitalismus pur, selbst wenn am Wochenende draussen die Sonne lacht. Nun gut, es stand also der Aufbau eines neuen Schreibtisches auf dem Programm, welcher höhnischer lachen konnte als die liebe Sonne scheinen. Fragen Sie mich jetzt nicht, ob dieser, der wahrscheinlich 22. seiner Art in unserem Hause, aus schwedischer Fichte. österreichischem Birkenholz oder vielleicht sogar südkoreanischen Brettern aus Muskatnusskolz hergestellt wurde. Ich weiß nur eines, es werden jedes Mal mehr.

Sie werden jetzt schon die ganze Zeit voller Inbrunst zum Heimwerkerhimmel flehen: „Erzähl uns, was um alles in der Welt täglich mehr wird, damit ich endlich aufhören kann weiterzulesen !“ Gut, ich will Ihnen diesen Gefallen tun. Nehmen Sie sich jedoch noch kurz die Zeit und bauen Sie mit mir einen Kasten oder solch einen Schreibtisch auf, von dem ich eingangs sprach. Ich möchte Sie jetzt nicht zwingen, sofort und gleich in eines der bekannten Möbelhäuser zu rennen, zu fahren oder zu fliegen, falls Sie das mit Schweden ernst nehmen. Bauen Sie doch einfach vor Ihrem geistigen Handwerker-Auge solch ein Selfmade-Möbelstück auf. Halt, nicht so schnell ! Bevor Sie natürlich anfangen, benötigen Sie was ? Richtig, jedes gute schwedische, österreichische, südkoreanische oder Woher-auch-immer-Schnellzusammenbau-Mobiliar bringt immer zwei Dinge mit. Erstens, die Montageanleitung, also dieses: „Wie hätte es ausgesehen, wenn ich mich ausgekannt hätte !“ Dieses Stückchen Papier voller Hieroglyphen, wir sprechen hierbei keineswegs um die luwische Keilschrift, wie sie z.B. von den Hethitern verwendet wurde, sondern von einer noch rätselhafteren Schrift- und Bildersprache, also diesen kaum zu entschlüsselnden Code werden Sie spätestens dann in die große Rundablage, gemeinhin als Mistkübel bezeichnet, werfen, wenn Sie nicht mehr weiter wissen. Und dieses ist spätestens beim zweiten Bild der Fall. Deshalb gilt eines, der ambitionierte und in den verschiedenen Aufbautechniken bewanderte und erfahrene Ruinenbaumeister wird diesen Zettel erst gar nicht in die Hände nehmen, sondern sofort in die besagte Rundablage legen.

Und jetzt kommen wir zum Wesentlichen, zum Existentiellen, und zwar zu zweitens. Wenn also meine liebe Tochter, dies gilt selbstverständlich auch für die beste Ehefrau der Welt, also meine Ehefrau, wieder einmal mit einem neuen Kleinod unsere Wohnung betritt, nein, auch wieder falsch. Eine der beiden, in den meisten Fällen natürlich beide gemeinsam, betreten den Hort unseres gemütlichen Zusammenlebens immer ohne das entsprechende Kleinod, sondern sagen mir dankenswerterweise, in kurzen und unmißverständlichen Worten, wo sich unser Auto befindet, damit ich entsprechende Schritte in die Wege leiten kann, also mich selbst in Bewegung setze, um die 17 verschiedenen Pakete in unser Domizil zu tragen. Und dann schlägt meine große Stunde. Ich begebe mich sofort auf die Suche nach diesem einen, jenem Paket, welches den wirklichen Schatz beherbergt, auf den ich es abgesehen habe. Ein kleiner Tipp, es ist fast immer das Paket mit den Schrauben, Scharnieren, Gummistoppeln und dem sonstigen Zubehör. Eigentlich nicht fast, sondern immer.

Drei Schritte genügen, ich bin mittlerweile so konditioniert wie die Pawlow´schen Hunde. Paket sondieren, Paket aufreissen und den Inbus-, nicht Imbusschlüssel, finden. Ich bin quasi ein Heimwerker-Eichhörnchen, auf der Suche nach der heiligen Erdnuss, oder besser gesagt dem Inbus, also der geheiligten Inbus-Erdnuss. Ja, lieber Leser, täglich werden sie mehr, die Inbusschlüssel, mit jedem neuen Schreibtisch, jedem Kleiderschrank, jedem Wandregal werden sie mehr. Ich habe mittlerweile eine regelrechte Inbusschlüssel-Sammlung, bin förmlich ein Inbusschlüssel-Kerkermeister, meine Sammlung hat nun solch gigantische Ausmaße angenommen, daß ich demnächst selbst einmal in solch ein Möbelhaus fahren werde, weil jetzt ist die Grenze meiner Lagerkapazität erreicht, ein letzter Kasten noch. Und in dem werden dann all meine Inbusschlüssel gelagert. Und danach baue ich dann meine Möbel selber. Vorausgesetzt, ich muß nicht schon wieder zum Auto, weil dann waren meine beiden Liebsten schneller.         


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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