Bio Natur - Der Weblog

29.10.2009

Der illegale Einwanderer G.

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 23:56

Wenn Sie wüssten, daß ich weiß, was viele nicht wissen ! Ja,  sehr verehrte Leserschaft, ich bin sozusagen ein Wissender, natürlich nicht immer, wenn ich etwas nicht so ganz genau weiß, bin ich dementsprechend nur ein Halbwissender und wenn ich von irgendetwas überhaupt keine Ahnung habe, bin ich ein Unwissender, umgangssprachlich auch als Mensch bezeichnet. Sie könnten nun natürlich, zugegeben berechtigterweise, entgegnen, bei meiner Art organischen Lebens handelt es sich doch wohl immer um einen von dieser ominösen Sorte gebündelter Unwissenheit, also quasi Menschen. Nun gut, will ich nicht abstreiten, bin eben auch ich ein Unwissender, aber ein wissender, also ein wissender Unwissender, aber einer mit viel Halbwissen. Fassen wir zusammen: Ich bin also ein wissender Unwissender mit viel Halbwissen !

Aha, Sie sagen, dieses wussten Sie schon. Aber das würde ja bedeuten, daß Sie bereits wussten, daß ich weiß, was viele nicht wissen. “Well roared, lion !”  Sie wissen schon, jenes stadt-, land- und weltbekannte “Gut gebrüllt, Löwe !”, welches Demetrius von Shakespeare in dessen Stück “Ein Sommernachtstraum” ( Fünfter Aufzug, erste Szene) in dessen Mund gelegt wird. Aber wir wollen nicht weiter über Shakespeare reden, wobei, über Shakespeare gäbe es immer etwas zu reden, aber jetzt muß ich mir selber Einhalt gebieten, sonst ufert das Ganze wieder einmal aus. Und so schneide ich mir deshalb selbst das geschriebene Wort ab und zitiere “O schweig still …”,  aus der komischen Oper Les Dragons de Villars (Das Glöckchen des Eremiten)von Louis Aimé Maillart(Uraufführung 1856). Wenn ich jetzt nicht schön langsam die Kurve kriege, schieße ich wieder ungebremst über das Ziel des heutigen Tages hinaus, denn eigentlich war doch unser Thema “Der illegale Einwanderer G.” Aber man, oder in diesem Falle ich, mache es mir eben nicht leicht, wenn einen, also schon wieder mich, die Muse küsst.

Sie schreien schon wieder: “Halt, stopp, welche Muse bitteschön ?” Ich sehe schon, ich habe mir mit Ihnen nicht nur einen ebenbürtigen Gegner, sondern einen mir in allen Belangen überlegenen Kontrahenten ausgewählt. Aber sie haben selbstverständlich recht, wenn ein Unwissender mit seinem Halbwissen prahlen will, sollte er sich gut überlegen, was er so von sich gibt. Also gut, ich präzisiere. Aber bevor ich dieses tue, muß ich natürlich erst einmal gut überlegen. Von welcher Muse soll ich mich küssen lassen ? Da muß ich jetzt eines voranschicken. Sie sollen nicht glauben, daß ich ein gieriger Hund bin, ganz im Gegenteil, ich bin Sportsmann durch und durch.

Ich liebe den Sport, egal welche Sportart, ich kenne mich überall aus, zumindest halbwegs, sozusagen kann ich mit meinem berühmten Halbwissen glänzen. Fragen Sie mich über Fußball und ich sage Ihnen auf den Kopf zu: “Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten !” Sie wollen etwas über Eishockey wissen ? Eine meiner Lieblingssportarten, da kann es nur eine Antwort geben: ” Der Puck ist rund, so halbwegs und das Spiel dauert 60 Minuten, netto, wie wir Fachmänner zu sagen pflegen !” Sie haben eine unbeantwortete Frage zum Kegeln oder besser gesagt Bowling, wie wir Experten ohne mit der Wimper zu zucken diesen Sport bezeichnen, welche Ihnen bisher noch kein Mensch beantworten konnte. Egal, welche Frage sie nun an mich richten, die Antwort kann nur lauten: “Alle Neune !”

Apropos alle Neune. Da kann ich jetzt wieder nahtlos an die Muse anknüpfen, welche mich bisher immer noch nicht geküsst hat. Oder nein, geküsst hat sie mich schon, aber sie wissen immer noch nicht, welche dieser  Töchter des Zeus und der Mnemosyne mich mit ihrem Liebesbeweis umgarnt hat. Ich habe mich Ihnen gegenüber immer noch nicht erklärt. Als Sportsmann würde ich natürlich am liebsten alle neun Töchter haben, wie sie von Hesiod in seiner Theogonie beschrieben wurden. Geht aber nicht, ich bin zwar ein Extremsportler, aber eben ein verheirateter Extremsportler, soll heißen, sollte mich mehr als eine der Liebreizenden küssen, würde mich mit Sicherheit der Hufschlag des geflügelten Musenrosses Pegasus in Gestalt meiner liebsten Ehefrau vom Olymp der glücklich verheirateten Ehe-Götter stoßen. Gut, aber zumindest einen dicken Schmatz werde ich mir genehmigen, bleibt aber unter uns Wissenden, es reicht, wenn wir das wissen, meine Frau braucht das nicht unbedingt zu wissen. Aber welche nehme ich mir denn, wer soll die Auserwählte, oder sollte ich besser Auserquälte sagen, sein.

Wissen Sie was, ich lasse sie noch ein Weilchen im Unklaren, warum soll andauernd ich den Unwissenden spielen. Spielen, richtig, da fällt mir auch noch eine Kleinigkeit ein. Obwohl, wir wollten uns eigentlich über den illegalen Einwanderer G. unterhalten, aber eines nach dem anderen. Also spielen, unlängst spielte es wieder einmal, nein, wieder ist vollkommen falsch, denn so oft spielt es Goethe dann auch wieder nicht im Fernsehen, nun gut, unlängst spielte es Iphigenie auf Tauris. Nun gut, dieses nur so am Rande, aber kennen Sie eigentlich auch von Johann Wolfgang von Goethe den Epos Hermann und Dorothea ? Nein, o.k., soll so sein, man kann schließlich nicht alles wissen geschweige denn kennen. Naja, auf jeden Fall handelt es sich hierbei um ein Werk, welches in neun Kapitel gegliedert ist, Sie merken sicherlich schon, auf was ich hinaus will. Und jedes dieser Kapitel trägt einen Namen jener neun Musen, von denen Sie bisher immer noch nicht wissen, welche mich geküsst hat.

So, ich würde sagen, Sie haben nun lange genug gelitten, lüften wir das Geheimnis. Also, der Name der Muse ist …. . Bummm, ratatatatatatat, eine Salve hat mich hingestreckt, ein rachsüchtiger Leser, dem dies alles zu viel geworden ist, hat mich gemeuchelt. Röchelnd will ich mein Geheimnis preisgeben, Sie wissen schon, wie in diesen guten alten Spionagefilmen, aber mit letzter Kraft gelingt es mir gerade noch, ein allerletztes “Entschuldigung, aber wie spät ist es eigentlich ?” zu stöhnen, zu mehr reicht es leider nicht mehr. Liebevoll entgegnen Sie: ” 17.32 Uhr !”. Und mit wirklich aller-, aber wirklich allerletzter Kraft blicke ich Sie mit dankbaren Augen an und kann nur noch hervorpressen: “Sommerzeit oder Winterzeit ?”, bevor ich Ihnen mein großes Geheimnis anvertrauen kann und mit demselben von Ihnen gehe. Ihre Uhr würde mir übrigens auch sehr gut gefallen, aber dafür ist es leider zu spät. Der Kalauer ist wirklich nicht schlecht.

Wir schreiben das Jahr 2023, es ist 13.17 Uhr. In einer wundersamen Rettungsaktion wurde ich wieder zum Leben erweckt, nach schier endlosen Jahren des Hoffens und Bangens, des Wartens und Betens kehre ich zurück. Für alle, die sich nicht mehr erinnern können. Ich wurde im Jahre 2009 hinterrücks von einem heimtückischen Meuchelmörder niedergestreckt und jetzt bin ich nur noch von unstillbaren Rachegelüsten getrieben. Unerkannt und mit neuen Papieren, ich heiße jetzt Graf von Monte Christo, will ich meinen Widersacher finden und ihn zur Rechenschaft ziehen. Gut, eigentlich wollte ich Ihnen etwas über den illegalen Einwanderer G. erzählen, aber das muß jetzt einfach warten.

Ach ja, und Hermann und Dorothea warten schließlich auch noch. So, dann machen wir das mit den beiden von Goethe ins Leben Gerufenen eben im Schnelldurchlauf. Ich will deshalb nicht alle neun Kapitel besprechen, sondern wir nehmen einfach Kapitel Nummer…. . Bummm, ratatatatatatat. Nein, war ein Scherz, ich bin nicht schon wieder hingemeuchelt. Aller guten Dinge sind drei und deshalb also Kapitel Nummer drei. Dieser Teil trägt den Namen Thalia Die Bürger. Ich nehme mir ganz zufällig eine Textpassage heraus, mal sehen, welche nehme ich mir denn ? Ja, die gefällt mir sehr gut, denn sie passt inhaltlich ausgezeichnet in die Kategorie Garten dieses Blogs:

So war mein Garten auch in der ganzen Gegend berühmt, und
Jeder Reisende stand und sah durch die roten Staketen
Nach den Bettlern von Stein und nach den farbigen Zwergen.

Wenn ich nicht bald auf den illegalen Einwanderer G. zu sprechen komme, ist dieser entweder schon eingebürgert oder es macht zum dritten Mal Bummm, ratatatatatatat, aber aller guten Dinge sind bekanntermaßen ebenso viele. Aber wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird die Lösung schon gefunden haben. Laut Reisepass, eine Kopie wurde mir auf dunklen Kanälen von der Einwanderungsbehörde zugespielt, handelt es hierbei um einen Immigranten mit dem geheimnisvoll klingenden Namen ” Nanus hortorum vulgaris “. Meine staatsbürgerliche Pflicht macht es darüberhinaus notwendig, einen Zivilfahnder bei seinem letzten großen Fang zu zeigen. Das Fahndungsfoto, der Fahnder ist übrigens derjenige rechts im Bild, glaube ich zumindest, ich kann mich aber auch täuschen, Sie wissen, mein sagenhaftes Nichtwissen macht sich permanent bemerkbar , soll in Zukunft helfen, allen illegal nach Österreich eingereisten Verwandten und Bekannten von G. bzw. Einreisewilligen die Einreise und den Aufenthalt zu erschweren.

Eine kleine Bitte habe ich allerdings an Sie und ich hoffe, ich kann hier auf Ihre Verschwiegenheit hoffen. Das, was ich Ihnen jetzt sage, ist deshalb auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern muß wirklich unter uns bleiben. Wenn Sie sich also nicht strafbar machen und Ihr Gewissen nicht unnötig belasten wollen, dann bitte ich Sie, jetzt wegzuschauen. Also, es ist folgendes. Kommen sie ein bisschen näher zum Bildschirm, damit ich nicht so laut schreiben muß, es braucht schließlich nicht jeder hören, was ich Ihnen jetzt schreibe, Sie wissen, der Feind liest mit. Also, wenn Sie sich jetzt auf die Jagd nach illegal eingereisten Gartenzwergen machen, jetzt kann ich ja sagen, wie diese subversiven Objekte im Fachjargon heißen, dann suchen Sie bitte in unserem kleinen Garten nicht allzu genau. Es könnte sein, daß Sie dort auch den einen oder anderen Gartenzwerg finden werden. Und so ganz nebenbei, wenn sie einen gut dotierten Job suchen, ich kenne, natürlich rein zufällig, den Boss der größten Gartenzwerge-Schlepperbande, aber bitte, ich will nichts geschrieben haben. Wenn sie sich also auf mich berufen, ich werde alles abstreiten, wer will schon beweisen, daß ich das hier geschrieben habe.

Und zu guter Letzt: Sollte ich mit diesem Artikel zu Ihrer Unterhaltung beigetragen haben, die Muse der Unterhaltung heißt Thalia.       

 


28.10.2009

Ego und Alter Ego

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:03

Liebe Leser, mein zweites Ich und natürlich ich selbst, wir langweilen uns. Wir beide, also ich und ich, sitzen in trauter Zweisamkeit nebeneinander und was tun wir ? Wir schweigen uns an ! Ich habe mir absolut nichts zu sagen, eisige Stille herrscht zwischen mir und mir. Ich kann förmlich hören, wie meine innere Stimme, also ich, zu mir sagt: Laß uns doch einfach etwas streiten ! Na gut, denke ich ganz leutselig bei mir selbst: Warum nicht ? Wenn schon niemand mit mir reden will, dann beschimpfe und beflegle ich mich selbst. Mal schauen, was dabei rauskommt, wenn einer, der sowieso schon alles über einen weiß oder zumindest glaubt, alles besser zu wissen, mal schauen, was dieser Jemand noch für Geheimnisse hat.

Es folgt nun also ein Gespräch, welches ich mit mir selbst führe, welches ich selbst protokollarisch aufzeichne und wenn mir etwas an meinen oder meinen anderen Aussagen nicht gefällt, dann zensiere ich mich sogar selbst.

Ego: “Sag mal, wie bin ich eigentlich auf die blöde Idee gekommen, daß ich mich gerade mit mir selbst unterhalten will ? Kann ich nicht jemand anderen langweilen ?”

Alter Ego: “Was heißt hier, ich will mich mit mir unterhalten, ich will mich sicherlich nicht mit mir unterhalten, schließlich war es nicht meine Idee, sondern meine Idee !”

Ego: “Das halte ich aber für ein Gerücht ! Ich weiß genau, daß diese blödsinnige Idee nicht von mir kam, sondern von mir ! Und außerdem, wenn es mir nicht paßt, ich kann mich auch mit mir selbst    unterhalten, da brauche ich mit Sicherheit nicht mich selbst. So eine Frechheit !”

Alter Ego: “O.k., vergiss es ! Also, über was will ich mit mir selbst eigentlich reden. Mach einen Vorschlag !”

Ego: “Naja, was ich schon immer von mir wissen wollte, bin ich eigentlich verheiratet ? Ich sehe mich jeden Tag, wenn ich neben mir aufwache, aber gibt es da eigentlich noch jemanden an meiner Seite oder bin ich solo ?”

Alter Ego: “Also, da kann ich mich beruhigen. Ich bin mit der besten Ehefrau der Welt verheiratet !”

Ego: “Schau, schau, mit der besten Ehefrau der Welt. Da muß ich mich aber gleich einmal so richtig enttäuschen, denn mit der besten Ehefrau der Welt bin nämlich ich verheiratet. Also, sei mir nicht böse, wenn ich nur mit der zweitbesten Ehefrau der Welt verheiratet bin, denn die beste habe ich geheiratet ! Ich weiß ja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben !”

Alter ego: “Ich rede aber jetzt richtigen Blödsinn. Die ganze Welt weiß, daß ich die allerbeste Ehefrau der Welt habe und nicht ich ! Wenn hier einer zu spät kommt, dann nicht ich, sondern ich.”

Ego: “Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder ich entschuldige mich jetzt bei mir selber oder ich trete mir so in meinen Hintern, daß mir Hören und Sehen vergehen wird. Noch einmal, die beste Ehefrau habe nicht ich, sondern ich. Wie kann ein Mensch so verblödet sein.”

Alter Ego: “Wenn ich noch ein einziges Mal sage, daß ich verblödet bin, dann gibt´s aber so richtig auf die Mütze. Wenn hier einer vor Blödheit nur so strotzt, dann sicherlich nicht ich, sondern einzig und allein ich. Und was ich mir schon lange sagen wollte, ich bin hässlich wie der Zins. Aber dies nur so nebenbei.”

Ego:”Ich sage, ich bin hässlich. Also ganz ehrlich, wenn ich mein Gesicht mit meinem Hinterteil vergleiche, fällt meine Wahl immer auf letzteres. Schau mich einmal, nur einmal im Spiegel an, und ich weiß, warum Glas und Licht bricht !”

So, jetzt muß ich kurz in das Gespräch eingreifen, sonst eskaliert das Ganze noch. Also, liebes Ich und liebes andere Ich, bitte mäßigt mich, sonst muß ich sowohl mir als auch mir das Wort entziehen. Wir wollen doch mit mir eine normale Debatte führen, wir sind doch alles erwachsene Menschen.

Ego: “Ja, aber ich habe nicht angefangen, sondern ich habe mich beschimpft !”

Alter Ego: “Was heißt hier, ich habe angefangen. Das stimmt doch überhaupt nicht, wenn hier einer angefangen hat, war das nicht ich, sondern ich ! Ich bin ein  friedlicher Mensch, der wirkliche Querulant bin ich. Wenn sich einer entschuldigen muß, dann nicht ich bei mir, sondern ich bei mir !”

Ego: “Was heißt hier, ich soll mich bei mir entschuldigen. Was bitte schön habe ich mir getan ? Wenn einer die ganze Zeit Streit sucht, dann sicherlich nicht ich, sondern nur ich. Und überhaupt, wenn ich nicht die Wahrheit vertragen kann, dann sollte ich nicht mit mir zu diskutieren anfangen. Ich weiß ganz genau, daß ich aufgrund meiner Intelligenz immer den kürzeren ziehe !”

Alter Ego: “Ich und intelligent. Das wäre, als würde ich einen Pavian bitten, mir etwas über Schizophrenie zu erzählen.”

Ego: “Soll das heißen, ich unterstelle mir, daß ich schizophren bin ? Da kann ich aber nur herzhaft über mich selbst lachen. Das wird mir jetzt definitiv zu blöd. Von mir aus kann ich sagen, was ich will, ich nehme mich sowieso nicht ernst. Ich denke, es ist besser, wenn ich nun dieses Gespräch mit mir selbst beende.”

Alter Ego: “Das erste vernünftige Wort, das ich seit langer Zeit von mir höre. Ich denke auch, es ist besser, wenn ich mich mit mir nicht weiter unterhalte, weil soviel Blödsinn reicht eigentlich für Zwei. Also, für die Zukunft bitte ich mich, nicht mehr mit mir zu sprechen. Ich könnte sonst glauben, ich sei der einzige Mensch, der sich mit mir unterhalten will. Aber eines muß ich zum Schluß doch noch klarstellen. Wenn einer mit der besten Ehefrau der Welt verheiratet ist, dann ich und sicherlich nicht ich.”

Ego: “Jetzt geht das schon wieder los ! Al….

Ruhe, Schluß, Ende !!! Jetzt reicht´s mir wirklich mit mir selbst und nicht nur mit mir, sondern auch mit mir. Wenn ich mich nicht vernünftig mit mir und mit mir unterhalten kann, dann ab ins Bett. Und wehe, ich höre noch ein einziges Wort von mir und von mir schon gar nicht. Ich sollte mich mit mir und mit mir schämen. Und eines kann ich mir und auch mir sagen: Mit der besten Ehefrau der Welt bin ich verheiratet und nicht ich oder ich.

Ego: “Ich glaube, der ist wirklich voll daneben ! Glaubt der wirklich, sich bei mir und bei mir einmischen zu können. Schlaf gut, Alter Ego und träume was Süßes von mir !”

Alter Ego: “Ich habe es schon immer gesagt, Ego, wenn ich mit mir rede, muß sich der immer zwischen uns stellen. Gute Nacht und laß mir meine Frau schön von mir grüßen !”

27.10.2009

Second-Hand-Spielzeug

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 13:05

Heute sprechen bzw. schreiben wir alle gemeinsam einmal über Kinder. Sie wissen schon, diese menschlichen Wesen, die mehr oder weniger gerne in die Schule gehen, die noch Freude am Entdecken haben, die Spaß am Leben haben, die dem Faktor Zeit noch nicht den bedeutungsschwangeren Stellenwert geben, welcher in der Welt der Großen, also in unserer Welt des Erwachsenendaseins, mit Terminen, Stress, Hektik und anderen geheimnisvollen Faktoren verbunden ist. Wir verschwenden einmal kurz, aber bitte nur ganz kurz, schließlich müssen wir dann schon an unser nächstes Meeting denken,  einen Gedanken an unsere eigene Kindheit, richtig, dieser Zeitraum unbeschwerten In-den-Tag-hineinlebens. Was hat uns diese längst erloschene Welt doch jeden Tag für neue Schätze offenbart, neue Erlebnisse gebracht und neue Freuden, aber auch traurige Erlebnisse bereitet.

So, aber jetzt genug der Schwelgereien, zurück in unser heutiges Leben, wer Spaß haben will, soll gefälligst zu Peter Pan und in sein Nimmerland. Wir wollen uns jetzt an den Spielsachen der heutigen Kinder und Jugendlichen ergötzen. Nein, wir wollen jetzt auch nicht über Playstation, iPhone, Laptop und MTV auf dem 42-Zoll-Flachbildfernseher unseres eigenen Nachwuchses sprechen, das gehört in unserer westlichen Welt mittlerweile zu den elementaren Bedürfnissen, praktisch die unterste Stufe der Maslow´schen Bedürfnispyramide für Industrie-Nationen. Wir begeben uns für einen kurzen, aber bitte nicht allzu langen, Sie wissen schon, die Termine drohen wie das berüchtigte Damokles-Schwert über unseren Häuptern, in das schöne Afrika. Denn man höre und staune, auch dort gibt es Kinder. Und auch diese Kinder sind dem Spielen nicht abgeneigt. Aber wie wir weiter wissen, viele afrikanische Staaten sind nicht unbedingt mit diesen Luxusgütern gesegnet, wie sie in unseren Breitengraden in jeder Shopping-City und Einkaufsstrasse wohlfeil zum Verkauf angeboten werden. Dachten Sie vielleicht bisher und ich sowieso. Aber dem Elektro-Himmel sei Dank, wir alle kümmern uns geradezu rührend darum, daß die sogenannten Entwicklungsländer an unserem Wohlstand auch partizipieren dürfen.

Nehmen wir das schöne Land Ghana, ein sonniger afrikanischer Staat an der Westküste des schwarzen Kontinents. Ghana ist glücklicherweise eines jener Länder, welches durch unsere Industrie-Nationen dazu auserkoren wurde, andere hervorragende Beispiele wären Indien, Nigeria oder auch China, an unserem Wohlstand teilhaben zu dürfen. Begeben wir uns wieter in eine ländliche Idylle mit dem wohlklingenden Namen Agbobloshie, nur ein paar Kilometer außerhalb der Hauptstadt Accra. Dort herrschen paradiesische Zustände, sozusagen ein Garten Eden für Steckdosen. Wir sehen Kinder, die förmlich im Überfluss leben, überall, wohin auch unser digital getrübtes Auge blickt Kinder, die vor lauter Spielsachen gar nicht wissen, wo anfangen mit dem Spielen. Und das haben sie alles uns zu verdanken.

Wer sich erinnert, ich habe schon einmal im Artikel über die westlichen Atommüll-Transporte geschrieben, daß es sich hierbei um keinen Atommüll handelt, sondern um wiederverwertbares Recyclingmaterial. Atommüll ist erst dann Atommüll, wenn dies ausgewiesene Experten sagen, wie dumm von mir, aber ich bin eben kein Recycling-Experte. Und da in diesem Falle niemand etwas von Atommüll sagt, haben wir es folglich mit wiederverwertbarem radioaktivem Material zu tun und das kann ja bekanntermaßen wieder aufbereitet werden.  Und so verhält es sich auch mit den elektronischen Second-Hand-Spielsachen, welche wir liebevoll nach Ghana entsenden. Andere würden jetzt vielleicht sagen: “He, aber das ist ja alles Schrott. Das ist der reine Elektromüll !” Da sind wir wieder bei den Experten, denn erst wenn der Experte laut und deutlich von sich gibt, daß es sich hierbei um Elektromüll handelt, dann ist es auch Elektromüll. Aber unsere westliche Welt hat glücklicherweise lauter Experten, welche schweigen. Und Schweigen bedeutet: Deklarieren wir den ganzen Dreck nicht als Müll, sondern als recyclefähige Wertstoffe, dann dürfen wir fröhlich alles in große Container verladen, diese Container in noch größere Schiffe und diese noch größeren Schiffe fahren in noch viel größere Entwicklungsländer und dort, ja dort fangen dann die größten Probleme an. Aber das soll nicht mehr unser Problem sein, aus den Augen, aus dem Sinn.  

Sehen Sie, es kommt eben immer auf die Sichtweise des Betrachters an. Elektro-Schrott ist es nur dann, wenn der Fernseher nicht mehr flimmert, das Handy nicht mehr tüt-tüt macht und die Playstation keine Geräusche mehr von sich gibt. Aber solange noch ein Tüt-tüt, ein Ding-Dong oder sonstige Geräusche und Bilder zu vernehmen und zu erkennen sind, ist das Ding nicht hin und was nicht hin ist, kann kein Müll sein. Ergo handelt es sich auch nicht um Elektroschrott, sondern um Second-Hand-Ware. Und diese darf ich, also nicht nur ich, sondern auch andere dem Altruismus verfallene Menschen, gemeinhin als Exporteure bezeichnet, transportieren, wohin ich will, also nicht nur ich, Sie natürlich auch, wie das mit den Lizenzen jetzt genau funktioniert, weiß ich allerdings auch nicht, da müssen Sie schon die Second-Hand-Altruisten fragen. Gut, überall hin darf dieser Elektroschrott natürlich nicht transportiert und entsorgt werden, es sollten schon ein paar tausend Kilometer zwischen uns und dem alten Handy liegen, zumindest soviele Kilometer, bis kein Anruf unter dieser Nummer mehr möglich ist. 

Wer jetzt die Frage in den Raum wirft, ob das vielleicht gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann, naja, so explizit ausgeschlossen kann das nicht werden. Denn alles, was von den Kindern nicht zum Spielen verwendet werden kann, wird in dem einen oder anderen Fall verbrannt. Und da Afrikas Kinder selten Zeit für diese Freizeitbeschäftigung haben, verbrennen sie ziemlich viel. Warum verbrennen diese jungen Menschen etwas, was gemeinhin als Müll angesehen wird, zumindest in unseren Breitengraden ? Hintergrund sind die im Elektroschrott, Verzeihung Second-Hand-Ware natürlich, aber Sie wissen, ich bin kein ausgewiesener Recycling-Experte, enthaltenen Kupferkabel und Kupferspulen. Die bringen Geld, nicht viel, aber was heißt nicht viel in einer Welt voller Noch-weniger. Und um an diesen begehrten Rohstoff zu kommen, wird alles verbrannt, was nur irgendwie nach Kupfer riecht. Die schönen Spielsachen werden alle verbrannt, als Brandbeschleuniger dienen alte Autoreifen und anderer Elektromüll. Und jetzt bekommt der von unserer westlichen Welt als Recyclingmaterial deklarierte Elektroschrott seinen wirklich bitteren Beigeschmack.

Wunderschöne Lagerfeuer entstehen, leicht an ihren malerischen schwarzen Rauchfahnen zu erkennen, durchzogen von lieblichen Dämpfen aus Brom, Blei, Quecksilber und chlorierten Dioxinen. Ja, ist denn das wirklich nicht gesundheitsschädlich ? Mitnichten, keineswegs, nie und nimmer, niemals. Außer Sie zählen irreparable Schäden am Gehirn und dem Zentralnervensystem zur Gesundheitsgefährdung. Aber was kümmert uns das Gehirn eines afrikanischen Kindes von 12 Jahren, wenn wir uns unsere strapazierten Gehirne zermartern müssen, was wir uns gegenseitig zu Weihnachten schenken sollen. Weshalb sollen wir uns mit fremden Nervensystemen auseinandersetzen, wo doch der neue Bluray-Rekorder ein viel besseres Klangsystem hat. Klingt seltsam, ist es auch !   

Übrigens, lieben Sie eigentlich Fisch ? Also, ich esse sehr gerne Fisch, alleine schon wegen der natürlichen und im Fisch enthaltenen wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Deshalb kommt das Beste jetzt zum Schluß, sozusagen der Nachtisch, welcher uns serviert wird. Ghana hat sich dankenswerterweise dazu bereit erklärt, uns, die wir alle so fleissig Second-Hand-Waren exportieren lassen, an dessen Erfolg teilhaben zu lassen. Ghana exportiert mittlerweile dank seiner fischreichen Gewässer vermehrt Fisch, natürlich auch nach Europa, also zu uns. Betrachten wir nun deshalb den folgenden wunderbaren Kreislauf.

Wir exportieren Elektroschrott nach Ghana. Die Kinder verbrennen den Elektroschrott, um wertvolles Kupfer daraus zu gewinnen. Durch die Verbrennung werden Quecksilber, Blei etc. freigesetzt. Diese Schwermetalle sickern in das Grundwasser. Das Grundwasser mit den gelösten Schwermetallen fließt in die Küstengewässer. Die Fische nehmen diese Gifte auf. Ghana exportiert Fisch nach Europa. Et voila, wir haben das Quecksilber wieder dort, wo es ursprünglich herkommt, nämlich bei uns oder, viel schlimmer, plötzlich in uns. Wohl bekomm´s !

Die Welt ist schön, die Welt ist rund. Und um das Ganze jetzt noch abzurunden, sozusagen der Feinschliff, ein kleines Filmchen mit dem vielversprechenden Titel: Reportage aus Agbobloshie - Computerschrott in Accra, Ghana.

                       

23.10.2009

Paul - Der Kleine

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 03:23

Ich hätte gute Lust, meine Eltern zu verklagen. Eigentlich hätte ich sogar die Pflicht, dies zu tun. Alleine, um potentiellen Leidensgenossen diese Schmach zu ersparen, wie ich sie tagtäglich erfahren muß. Aber was hindert mich daran ? Meine sprichwörtliche Bibelfestigkeit selbstverständlich. Mein tiefer Glaube, der mir jeden Tag bereits frühmorgens durch Mark und Bein und sämtliche anderen Glieder fährt, so als würde mich die Dreifaltigkeit persönlich wecken. Und ich stehe ziemlich zeitig auf, meist noch vor dem ersten Hahnenschrei. Das ist jetzt vollkommen an den Haaren herbeigezogen, denn ein lebender Hahn in Wien ist in etwa so oft anzutreffen wie ein Priester im Bordell. Ach, Sie kennen viele lebende Hähne in Wien ? Ja dann, aber ich wasche auf alle Fälle meine Hände in Unschuld, wie dieser Pontius Pilatus damals, ja genau der, der nach der Verkündung des Todesurteils an Jesus demonstrativ seine Hände wusch, wobei ich jetzt ganz ehrlich sagen muß, ein bißchen Körperpflege hat noch keinem geschadet, auch nicht dem Statthalter von Judäa.

Ich bin mir sicher, mir wäre diese peinliche Geschichte, wie sie im Matthäus-Evangelium Kapitel 26 steht, nie und nimmer passiert. Sie wissen schon, dieser Faux-pas meines Namens-Antipoden Peter, damals sagten alle Petrus zu ihm. Sie wissen schon, dieser Dialog, welcher damit endet, daß der Chef, also dieser Herr Jesus zu seinem Vorarbeiter, eben diesem Herrn Petrus am Ende sagt: “In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.” Was lernen wir daraus ? Ganz richtig, nur ein toter Hahn ist ein guter Hahn.

Was glauben Sie, warum alle in einer Großstadt leben wollen ? Wir können schon frühmorgens lügen, daß sich die Balken biegen und kein Hahn würde danach krähen. Ja, wir Stadtmenschen sind schon bevorzugte Wesen, ganz anders wie diese Menschen auf dem Land. Die sagen beim ersten Sonnenstrahl, welcher durch das gemeinschaftliche Schlafzimmer blinzelt, zur eigenen Ehefrau: “Ich liebe Dich !” Rumms, und der Gockel draußen macht zum ersten Mal seinen Schnabel auf. Die vor Glückseligkeit lächelnde, aber  noch vollkommen verschlafene Gattin, die Augen noch verschwollen und verklebt von den zart im Ehegemach schwebenden Blütenpollen, gibt ein zärtliches Grunzen ob dieser Liebesbezeugung von sich. Dies ist die Aufforderung für den Mann vom Lande, ein “Ohne Dich kann ich nicht leben !” von sich zugeben. Draußen auf dem Mist wird das verdammte Federvieh zum zweiten Mal aktiv. Petrus läßt schön grüßen, also nicht der Hahn, sondern der mit dem großen Schlüssel, Sie wissen schon, Matthäus Kapitel 26, obwohl er zu dieser Zeit meines Wissens noch keinen hatte, zumindest nicht diesen Generalschlüssel, aber selbst ich weiß nicht alles, trotz meiner sagenhaften Bibelfestigkeit.

Zurück aber nun zum Kollegen aus ländlichen Gefilden, unserem Schlafzimmer-Pinocchio. Sie können sich wohl denken, was kommen muß. Die Dreifaltigkeit persönlich hat Besitz von unserem Helden ergriffen, fährt ihm durch Mark, Bein und ganz besonders andere Glieder, dieses ist jetzt mehr im Singular als im Plural aufzufassen, also aus den Gliedern wird ein einzelnes, dieses aber im Moment mehr drei als faltig. Was tun, um aus dieser Nummer rauszukommen oder besser um diese Nummer reinzubekommen ? Unserem Herkules der Hühnerfarm bleibt nichts anderes übrig, entschuldigen Sie übrigens, daß ich unserem christlichen Protagonisten jetzt auch eine Heldengestalt der griechischen Sage zur Seite stelle, also er wird förmlich dazu gezwungen, die unheilvolle Äußerung “Mit jedem Tag wirst Du begehrenswerter !” oder so etwas in der Art von sich zu geben, je nachdem, in welchem Stadium sich die Dreifaltigkeit in Mark, Bein und eben besonders dem Rest der frömmigen Gestalt befindet. Die Schallwellen des ”-werter” stehen noch im Raum der ehelichen Pflichterfüllung, der Schwellkörper steht pflicherfüllt daneben, da hebt ein grauenvolles Krächzen unseres zweibeinigen, krallenbewehrten, männlichen Gallus gallus domesticus an, ein drittes Mal ertönt dieses anklagende Kikerki unseres gefiederten Hennen-Begatters.

Was sagt uns diese Geschichte ? Relativ einfach zu beantworten, zumindest wenn man sich wie ich die Bibel zu Herzen nimmt. Früher haben die Menschen schon gelogen, bevor der Hahn seinen Schnabel zum ersten Mal aufgemacht hat. Und heutzutage hat der Bauer erst ordentlichen Sex, wenn der Hahn seinen Schnabel endlich zumacht.                 

Aber was hat das Ganze nun mit meiner Absicht, meine Eltern zu verklagen, zu tun ? Ich werde es Ihnen sagen ! Wie bitte schön können Menschen so herzlos sein, ihrem Kind den Namen Paul zu geben ? Paul, was für eine Schmach, ich bin sozusagen gebrandmarkt für mein ganzes Leben. Ich heiße “der Kleine”, ja wirklich, alle Welt ruft mich jeden Tag nur “Hallo, Paul, wie geht´s ?”, gleichbedeutend mit “Hallo, Kleiner, wie geht´s?” Meine Frau bittet mich: “Paul, kannst Du bitte den Mist raustragen !” Und was meint sie wirklich ? Sie teilt mir unverblümt mit: “He, Kleiner, bring den Mist weg !” Jeden Tag werde ich verspottet von den Großen dieser Welt, alle schauen auf mich herab, ich höre Sätze wie “Paul, Du bist großartig !” oder “Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit Dir, Paul !”. Ah, Sie wollen mich besänftigen, Sie sagen, im alten Rom stand Paulus auch für den Beinamen “der Jüngere”, Sie glauben wirklich, ich lasse mich dadurch beruhigen. Soll ich Ihnen etwas sagen ! Stimmt schon, die Geschichte mit dem Jüngeren, ja ja, aber ich bin der Erstgeborene. Also vergessen Sie das gleich wieder, ich bin nicht der Jüngere, ganz im Gegenteil, ich bin der Älteste. Ich bin der kleinste Älteste, den die Welt bis dato gesehen hat, ich bin namentlich so klein, daß ich dabei schon wieder alt aussehe.

Ganz schlimm wird es aber, wenn jemand “Paulchen” zu mir sagt, da wird das Diminutiv für etwas gebraucht, was sowieso schon klein ist. Aus dem Kleinen wird noch etwas Kleineres gemacht, ich werde systematisch klein gemacht, mutiere sozusagen zum Mini-Kleinen. Ich werde quasi verzwergt, aus einem Zwerg wird ein Mega-Zwerg, also nicht Mega im Sinne von groß oder gigantisch, nein ich werde noch kleiner, das Mega wird in sein Gegenteil verkehrt, ich bin sprachtechnisch gesehen kein großer Zwerg, sondern werde zum Mikro-Gnom, das Paulchen ist nichts anderes als ein Mega-Paul, aber eben nicht im Sinne von “großer Kleiner”, sondern ein verkleinerter Sowieso-schon-Kleiner, ein Mega-Mini-Kleiner, eine Paul´sche Supernova. 

Seltsamerweise bin ich von uns Dreien der Kleinste in der Familie, aber das tut hier überhaupt nichts zur Sache. Das konnte ja keiner wissen, damals. Und was viele Menschen auch nicht wissen, leider sowohl damals als auch heutzutage. Kleine Menschen verdienen den gleichen Respekt, egal ob sie Paul, Paolo, Paulus, Pavel, Paulo, Pawel, Pal oder sonstwie heißen. Das gilt entsprechend für Paula, Pauline, Paola usw. Die wahre Größe eines Menschen zeigt sich nicht in dessen Namen, sondern in der Größe seines Herzens.

  

21.10.2009

Karl, der kühne Käfer

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 23:01

Drehen wir wieder einmal gemeinsam am Rad der Geschichte, tauchen wir hinein in ein kleines Stückchen Zeitgeschichte und lassen wir uns auf dem rückwärts gerichteten Zeitstrahl in das 15. Jahrhundert treiben. Blicken wir zurück in eine Epoche voller Reformen, vieler Kriege, neuer Bewegungen, aber auch in ein Zeitalter künstlerischer und wissenschaftlicher Fortschritte. Beenden wir die Geschichte des Mittelalters mit dem abschließenden Spätmittelalter und wenden wir uns der Frühmoderne mit dem Anfang der Renaissance zu.

Die Philosophen jener Zeit, die sogenannten Frühhumanisten und Vordenker von Heyne, Herder, Goethe oder in weiterer Folge die geistigen Urväter von Russell, Einstein und Sartre wenden sich wieder der Fragestellung der griechischen Antike zu, welche die Prinzipien Toleranz, friedliches Zusammenleben und die Achtung der Würde Andersdenkender und Andersgläubiger in den Mittelpunkt der Betrachtungsweise und des Denkens des damaligen Homo sapiens gestellt hatten. Der bis dato allgegenwärtige Grundsatz des “Homo homini lupus est”, also der physischen und psychischen Gewaltbereitschaft der Menschen untereinander, jener Grundsatz, wie er bereits ca. 200 v. Chr. von Plautus geprägt wurde und später von Thomas Hobbes wieder aufgegriffen wurde, aber bis in die heutige Zeit oftmals falsch interpretiert wird, soll gegen ein gewaltfreies Miteinander und dem Bestreben nach gesellschaftlicher Weiterentwicklung auf den Grundlagen Würde, Bildungsfreiheit und Freiheit des Einzelnen gesehen und ausgetauscht werden.

Die Entdeckung oder besser gesagt die Nutzung des Schwarzpulvers in Europa war der Beginn der ”effektiven Kriegsführung”, sofern man in solchen Fällen das Adjektiv effektiv überhaupt verwenden darf. Aber mit der Entwicklung und dem Einsatz von Feuerwaffen, Kanonen und Geschützen änderten sich die Kriegstechniken von Grund auf. Die Lust des Menschen an Kriegen geht einher mit seiner unbändigen Zerstörungswut, sie zieht sich wie ein blutroter Faden durch sämtliche Geschichtsepochen, Kriege sind Vergangenheit, Gegenwart und unendliche Zukunft unserer Spezies. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auch das Zeitalter der Renaissance von vielen großen Kriegen geprägt war, die Eroberung von Konstantinopel 1453 durch die Osmanen läutete das Ende des Mittelalters und den Beginn dieser neuen Zeitrechnung ein. Aber auch abseits der vielen Kriegsschauplätze waren große Geister, nicht geistlose Größen wie all die selbstgefälligen Kriegsherren, am Werk.

Einer dieser Stellvertreter war mit Sicherheit Johannes Gensfleisch. Die meisten werden ihn sicherlich nicht unter diesem Namen kennen, aber der Name Gutenberg wird allen bekannt sein. Allerdings sollten wir hier mit einem Vorurteil aufräumen. Gutenberg wird immer als Erfinder des Buchdrucks bezeichnet, es sollen hier auch keineswegs seine Leistungen geschmälert werden. Aber wie bei so vielen Dingen waren wieder einmal die Chinesen einen, wenn nicht sogar zwei Nasenlängen den Europäern voraus (siehe z.B. Gutenbergs unbekannte Brüder). Und dann sei hier noch das Jikji erwähnt, ein bereits 78 Jahre vor Entstehung der Gutenberg-Bibel datiertes Werk des koreanischen Zen-Buddhismus. Eine weitere wichtige Entdeckung, im wahrsten Sinne des Wortes, fand 1492 im Vorbeigehen, oder sollte ich besser im Vorbeisegeln sagen, statt. Kolumbus entdeckte Amerika. Entdeckte er die neue Welt wirklich ? Nein, natürlich nicht, wenn ich schon solch eine rhetorische Frage stelle( siehe dazu z.B. meinen Artikel Der Homo sapiens kommt unter die Räder). Aber zumindest bildete diese Wiederentdeckung Amerikas die Grundlage für das Anlegen neuer Handelsrouten, die Welt rückte wieder ein Stückchen näher zueinander.

Sie werden sich mittlerweile schön langsam die berechtigte, nicht rhetorische, Frage stellen, warum um alles in der Welt schreibe ich dies alles unter dem Unterpunkt Tierisches. Keine Frage, eine gute Frage. Nun gut, ich will Sie nicht länger mit dem finsteren Mittelalter und dem Beginn der Moderne langweilen, sondern sogleich die Antwort darauf geben. Ich ging gedankenverloren durch Wiens abendliche Strassen, doch scheinbar nicht völlig verloren und vollkommen gedankenfrei. Ein Plakat erregte meine Aufmerksamkeit, gerade soviel, um weiterzugehen, aber doch genügend um Aufmerksamkeit heischend, um die darauf enthaltene Botschaft zu registrieren. Es wurde für eine Ausstellung mit dem Titel “Karl der Kühne”  in einem unserer Wiener Museen geworben. Karl der Kühne dachte ich bei mir, ja das war diese Epoche, deren kurzen Abriss Sie eben gelesen haben. Und da die Gedanken bekanntermaßen frei sind, ließ auch ich den meinen freien Lauf.

Karl der Kühne, Karl der Käfer. Der Kühne brachte mich auf den Käfer. Richtig, da war doch etwas in meiner eigenen Sturm-und-Drang-Zeit. Wir wollen jetzt nicht wieder eine Epoche ausgraben, wobei sich hier der Kreis schließen würde. Denn wer als nicht Johann Wolfgang von Goethe war wohl der berühmteste Vetreter dieses literarischen und philosophischen Umbruchs und Goethe war ja sehr geprägt von den Frühhumanisten der Renaissance. Aber genug der Vergangenheit. Karl der Käfer, richtig 1983, die Gruppe hieß Gänsehaut. Da gab es diesen Song, damals haben wir zwar noch Lied dazu gesagt, aber sei´s drum, auch ich muß mit der Zeit gehen, schließlich will ich up-to-date sein, also ganz nahe beim Zeitgeschehen, auch wenn ich oft über längst Vergangenes und vielfach Vergessenes schreibe. Also, Karl der Käfer lautete der Titel. Ich will Sie jetzt abschließend mit dem Text alleine lassen, vielleicht wissen Sie aber dann, warum ich so oft über Vergangenes und Vergessenes schreibe. Und warum dieser Artikel steht, wo er steht, unter Tierisches. Viel Vergnügen mit diesem wunderbaren Text, der zum Nachdenken anregen soll.

Tief im Wald, zwischen Moos & Farn,
Da lebte der Kaefer mit Namen Karl.

Sein Leben wurde jaeh gestoert,
Als er ein dumpfes Grollen hoert:
Laermende Maschinen ueberrollen den Wald,
Uebertoenen den Gesang der Voegel schon bald.

Mit scharfer Axt faellt man Baum um Baum,
Zerstoert damit seinen Lebensraum.

Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.
Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.

Ein Band aus Asphalt breitet sich aus,
Fordert die Natur zum Rueckzug auf.
Eine Blume, die noch am Wegesrand steht,
Wird einfach zugeteert.

Karl ist schon laengst nicht mehr hier.
Einen Platz fuer Tiere gibt’s da nicht mehr.
Dort, wo Karl einmal zuhause war,
Fahr’n jetzt Kaefer aus Blech und Stahl.

Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt.
Karl der Kaefer wurde nicht gefragt,
Man hat ihn einfach fortgejagt

Wer sich den Song von Gänsehaut im Original anhören möchte, klicke bitte hier

 


20.10.2009

Zeichen-Sprache

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 14:40

Sie kennen das sicherlich noch aus Ihrer Kindheit ? Diese wunderschönen bunten Heftchen, gemeinhin als Comic bezeichnet. Ach, was hatte ich damals, in den Zeiten von Schwarz-Weiß-Fernsehen und einem Telefon mit Wählscheibe, welches sich nicht überall hin mitnehmen ließ, für Helden. Einer meiner absoluten Lieblinge war natürlich diese amerikanische Maus, die ihren Siegeszug über den großen Teich mit Ende des 2. Weltkrieges antrat, jenes anthropomorphe Wesen namens Micky Maus. Was hatte diese Maus mit vier Fingern jede Woche für Abenteuer zu bestehen, welche Gefahren auch immer durch den größten Gegenspieler Kater Karlo drohten, stets siegte am Ende das Gute.

Diese Welt voller bunter statischer Bilder und zweidimensionaler Phantasiefiguren war streng reglementiert, dieser Kosmos meiner Kindheit, welcher aus gefüllten Sprechblasen bestand, war überschaubar. Alles schön übersichtlich, hier weiß, dort schwarz, es gab keine Grauzonen, alles wunderbar miminalistisch, perfekt für mein kindliches Verstehen aufgeteilt. Auf der einen Seite standen die im Dienste der Gerechtigkeit kämpfenden Lichtgestalten, altruistisch bis zum Erbrechen, und andererseits eben die dunkle Seite, die ewig verlierenden Schurken. Wöchentlich hatte Kater Karlo neue finstere Pläne, tatkräftig unterstützt von Trudi, seiner übergewichtigen Verlobten. Und wenn dem dicken Kater einmal die Bösartigkeiten ausgingen, stand immer noch die Panzerknacker-Bande mit ihrem genialen, aber doch immer wieder auf der Verliererseite befindlichen Gehirn Opa Knack bereit, lüsterne Gedanken auf den Geldspeicher von Dagobert Duck verschwendend. Von Geldgier getrieben, mit immer wieder neuen Ideen, wie man der alten, aber niemals alternden Ente, welche eine noch größere Geldgier als alle Panzerknacker miteinander besitzt, die Fantastilliarden abspenstig machen kann. Oder Klaas Klever, der zweitreichste Anthropomorphe in der Welt aus Strichen, Punkten und Farbtupfern, welcher uns als Entenhausen bekannt ist. Dieser zu cholerischen Anfällen neigende Milliardär, von Verschwendungssucht und Dekadenz geprägt, welcher seine unvermeidliche Niederlagen immer mit dem Verspeisen seines Hutes kompensierte.

Aber egal ob Dagobert Duck und Micky Maus auf der einen, der guten Seite und Klaas Klever, die Panzerknacker-AG, Kater Karlo, dem vor krimineller Energie strotzenden MacMoneysac, der ewig dem Dagobert Duck´schen Glückszehner hinterher hechelnden Hexe Gundel Gaukeley oder dem Erzschurken Plattnase, welche alle miteinander als die Verkörperung des Bösen zum Verlieren verdammt waren, einer stand immer zwischen den Fronten. Der Verlierer schlechthin, eine Symbiose aus gezeichneter Tollpatschigkeit und auf zwei Ebenen reduzierte Gutmütigkeit. 

Sein Name ? Natürlich Donald Duck, diese Unglücks-Ente, dieser sprichwörtliche Pechvogel, diese watschelnde Gestalt im blauen Matrosenanzug. Wenn einer heute noch mein vollstes Mitleid hat, dann der Neffe von Dagobert Duck, alleinerziehender Onkel der Neffen Tick, Trick und Track. Warum Onkel und nicht alleinerziehender Vater ? Ich glaube, in einer heilen Welt, bestehend aus Gut und Böse, darf es so etwas wie Sex und Geschlechtsverkehr nicht geben. Nein, nein, der Mikrokosmos Entenhausen musste eine Tabuzone hinsichtlich Fortpflanzung und Lust bleiben, Keuschheit war oberstes Gebot, wer wollte sich schon mit Themen wie Scheidung und Alimenten auseinandersetzen, wenn es doch viel bequemer war, geflissentlich darüber hinwegzusehen. Donald war zum Verlieren geboren, wer auch immer ihm das Entenleben geschenkt hat.

Geschlechtslosigkeit war Trumpf, heile Welt statt geile Welt. Es gab nur Einzelgänger, selbst Minni Maus, die Dauerflamme von Micky Maus, hatte ihre eigene Wohnung, schlafen im gemeinsamen Bett kam nicht in Frage, ein Pinselstrich genügte, um die beiden Mäuse wieder zu trennen und sie ihrem jeweiligen Refugium wieder zuzuführen. Partnerschaften bestanden nicht einmal auf dem Papier, vielleicht in meinen kindlichen Gedanken, aber niemals in dieser Welt aus Kawumm, Tschack, Bumm, Zack, Pardauz. Klack, Zisch, Tsching, Womm, Plamm, Bong und Kabong. Daisy Duck, die erklärte Freundin von Donald Duck, lebte in ewiger Keuschheit, Klarabella, ihre beste Freundin, wandelte auf Solopfaden, Goofy, der beste Freund von Micky Maus, legte nicht einmal selbst Hand an sich an, sogar die Bösewichte lebten nur einzig und allein für ihre Verbrechen, Zeit für Bordellbesuche war nicht eingeplant, wie auch, wenn die Zeichner in Diensten von Walt Disney keine bereitstellten.

Ja, meine Kindheit war eine glückliche, sozusagen sterile. Kommissar Hunter jagte die Panterknacker, er solo, sie ohne Freundinnen. Daniel Düsentrieb erfand Woche für Woche die sinnigsten und unsinnigsten Dinge, aber selbstverständlich alleine, sieht man einmal von seinem treuen Partner, der wandelnden Glühbirne Helferlein ab. Quack, der Bruchpilot, fliegt stets ohne Ehefrau, die drei kleinen Schweinchen hatten keine Schweinereien im Kopf, Ede Wolf plagten keine Gelüste nach einer paarungswilligen Wölfin und Primus von Quack, der begnadete Professor mit akademischen Graden in sämtlichen Disziplinen, lebte nur für Wissenschaft und Forschung.

Ich glaube, ich habe diese Ideale und Idole meiner Kindheit verraten. Ich habe auf unbestimmte Weise einen Treuebruch an Donald, Micky, Daisy und Minni begangen. Ich sollte mich schämen, daß ich auf solch infame und verantwortungslose Weise die Begleiter meiner Kindheit hintergangen habe. Selbst Plattnase, Kater Karlo und Opa Knack sind gegen mich nur Gelegenheitsdiebe, in ganz Entenhausen wird hinter vorgehaltener Hand über mich, den wirklichen Jahrhundertverbrecher, getuschelt. Ich kann förmlich spüren, wie sich Goofy über mich echauffiert, selbst Pluto knurrt mich, Wuff, Wuff, Knurr, Fletsch, Grr, an und Fantomias, das Alter ego von Donald Duck, hat sich gegen mich verschworen. Alle zeigen sie mit dem Finger auf mich und sagen: “Schau, der ist verheiratet ! Der macht dieses böse Wort mit drei Buchstaben, welches mit S anfängt und mit x aufhört !”

Und was soll ich sagen. Ich habe es nicht besser verdient, es geschieht mir vollkommen recht, Mitleid ist völlig fehl am Platz. Ich wurde aus Entenhausen rausgeschmissen, man hat mir von einem Tag auf den anderen meine zweidimensionale Staatsbürgerschaft entzogen, ich darf nie wieder den Geldspeicher von Dagobert betreten noch darf ich von Klarabellas Kuchen naschen. Meine Mitgliedschaft wurde aufgekündigt, Kommissar Hunter hat mich zur Fahndung ausgeschrieben, nicht einmal das Schwarze Phantom läßt mich mehr in seine Parallelwelt und A-Hörnchen und B-Hörnchen haben aus Protest ob meines frevlerischen Tuns schon ihre Streifen abgelegt. Was bleibt zu tun ? Vielleicht finde ich noch meine alten Comics mit den wirklichen Superhelden. Superman und Batman, Hulk und Spiderman, sind zwar auch alle nur Länge mal Breite, aber könnte ja sein, daß die noch nicht wissen, daß ich verheiratet bin. Obwohl, bei den Superkräften ?

Wer bliebe dann noch ? Peter Pan vielleicht und sein Nimmerland ? Nein, dies können Sie ebenfalls vergessen. Ich habe schon vorsichtig angefragt, die haben mich sofort als Captain Hook geoutet, mit der Begründung, meine eskapistischen Tendenzen seien hier unerwünscht. Jetzt bleibt mir noch die Biene Maja, aber leider habe ich keine Email-Adresse von ihr. Wenn also zufällig der dicke Willi diese Zeilen lesen sollte: “Ruf mich an !”

                               

17.10.2009

Das hässliche Ent-lein

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 04:30

Ich liebe Märchen ! Schon als Kind habe ich sie geliebt, diese mündlichen und schriftlichen Erzählungen aus längst vergangenen Tagen, als die Welt noch von edlen Rittern, feuerspeienden Drachen, kleinen, geheimnisvoll schimmernden Elfen mit durchsichtigen Flügeln, bösen, mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Trollen, hilflosen, beschützenswerten Jungfrauen, von sprechenden Fröschen und grummelnden Steinen, von tapferen Schneidern und seltsamen Fischwesen, von Füchsen, Gänsen, Musikanten, verwunschenen Schlössern und vielen tausend weiteren Raritäten bevölkert war. Und natürlich vom hässlichen Ent-lein. Nein, nein, ich spreche hier nicht vom hässlichen Entlein, sondern vom hässlichen Ent-lein.

Bei genauerem Nachdenken könnte man eigentlich diese Verniedlichungsform streichen, lassen wir doch das -lein beiseite und sprechen wir vom hässlichen Ent. Schließlich sind wir alle den berühmten Kinderschuhen entwachsen, hängen wir diese doch einfach an den sprichwörtlichen Nagel und nageln neben unsere Kinderschuhe auch dieses Diminutiv namens -lein. Oder stellen Sie sich einmal vor, die ganze Welt spräche von Freunderl-Wirtschaft, nennen wir das Kind doch ganz einfach beim Namen und sagen doch gleich Korruption, klingt viel besser und hört sich nicht so hinterlistig an. Ein Beispiel hätte ich noch, selbstverständlich mit Österreich-Bezug. Denken Sie zurück an den in unserer schönen Wachau spielenden Film “Mariandl” mit Cornelia Froboess, Rudolf Prack und der großen Waltraud Haas. Ich kann jetzt noch die Tropfen der Sentimentalität auf der Kinoleinwand glitzern sehen, höre förmlich, wie sich die Stimme des Hofrats Geiger ihren Weg in mein imaginäres Trommelfell bahnt und denke zurück, wie sich nach 90 Minuten Verwechslung alles in Wohlgefallen und ein glückliches Ende aufgelöst hat, nicht in ein Happy-end, wer braucht schon Hollywood zum Glücklichsein. Die machen natürlich viel bessere Filme, Rambo-lein, Terminator-le, Krieg der Stern-chen oder Ali, die Verniedlichung von Alien. Aber gut, zurück zu unserem Mariandl.

Jetzt stellen Sie sich einmal bildlich vor, und das meine ich durchaus ernst, Sie stehen in Paris im Louvre und schauen sich folgendes Bild an:

Eugene Delacroix: Die Freiheit führt das Volk  

Die Freiheit führt das Volk, Öl auf Leinwand, Eugene Delacroix 1830

Das Symbol der Freiheit, die Allegorie schlechthin für die französische Republik in den Wirren der Französischen Revolution geht immer einher mit dem Namen Marianne. Sie werden auch sonst an vielen Plätzen der französischen Hauptstadt Büsten und Statuen mit dieser Symbolfigur der französischen Revolution finden. Aber gut, also zurück in den Louvre. Sie stehen völlig verzückt und versunken vor diesem kraftvollen Werk und plötzlich sagt neben Ihnen jemand im breitesten Wiener Dialekt: ” Also, Ernstl, der hat des Mariandl aber gut zeichnet !” Ich für mich würde stante pede, natürlich nicht stehenden Fusses, sondern so schnell als möglich, umdrehen, würde mir das breiteste Grinsen im Louvre suchen, selbstverständlich spreche ich von Da Vinci´s  Mona Lisa, nur um nicht laut schreiend und fluchend unsere wunderschöne Wachau verwünschen zu müssen.

Kommen wir aber nun wieder zum Ausgangspunkt unserer Geschichte, also wie alles begann, so vor 100 000 Jahren, wie Ludwig Hirsch so schön singt. Wir sprachen über das hässliche Ent, also das erwachsen gewordene hässliche Ent-lein. So gesehen, brauchen wir gar keine so große Zeitreise von 100 000 Jahren unternehmen. Es genügt schon, wenn wir uns in das Jahr 1933 zurückbegeben. Dort wurde nämlich das echte, das originale Märchen vom hässlichen Ent-lein geschrieben. Nur leider war dies keine Erzählung, keine Mär, keine Geschichte mit einem Happy-end. Ein Märchenprinz namens Hitler hat sich damals auf den Weg gemacht, der Welt seine Lügengeschichten von Ent-artung und von Ent-eignung von Minderheiten zu erzählen, er hat die Welt und sein Publikum mit seinen Konz-Ent-rationslagern begeistert. Dieses Märchen wurde leider zur bitteren Wahrheit, aus einem hässlichen, kleinen Ent-lein wurde ein riesengroßer, hässlicher, alles verzehrender und vernichtender brauner Schwan.

Die Welt hat sich von dieser degenerierten Kreatur befreit, sie hat sie ent-sorgt. Aber es stehen jeden Tag immer noch viel zu viele Menschen auf, welche an dieses Märchen glauben und sich solch einen Märchenprinzen wieder wünschen. Es mag viele Beweggründe für diese vielleicht vom Leben Ent-täuschten geben, Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven, Schwelgen in alten Zeiten, falsch verstandener Patriotismus, aber Ent-täuschung kommt von Täuschung.  Dieser braune, hässliche Schwan hat die Welt und die damaligen Menschen getäuscht und auch nach ihm machten und machen sich unzählige Märchenerzähler auf, die Menschen, uns alle, für ihre kranken Ideen und falschen Ideale zu mißbrauchen. Die hässlichen Ent-lein werden nie aussterben, aber geben wir gemeinsam ihnen keine Chance, zu ausgewachsenen Schwänen zu werden.        

 


16.10.2009

Biosphären - Garten Eden nouveau

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 22:40

Aus mir unerfindlichen Gründen bin ich wieder einmal gestolpert, also rein metaphorisch gesprochen. Es ist natürlich bildlich gesprochen, Sie wissen schon, wenn ich sage, ich bin ein Wüstenschiff, werden Sie sich denken, so ein Kamel und glücklicherweise haben beide Parteien recht. Und so ist es auch mit meiner metaphorischen Stolperei, wenn ich stolpere, bin ich nicht gestolpert, sondern ich bin auf etwas Interessantes aus scheinbar wahllos zusammengewürfelten Buchstaben gestossen, umgangssprachlich wird solch ein Konstrukt auch als Buch oder als neudeutsch e-book bezeichnet, je nachdem, in welcher Form diese Buchstabenketten vorliegt.

Meine heutige geistige Stolperfalle trägt den vielversprechenden Titel “Sevilla-Strategie“. Jetzt muß ich alle Fußballbegeisterten unter Ihnen bremsen, es handelt sich nicht um ein neues taktisches System des FC Sevilla, Sie wissen schon, einer dieser Konkurrenten dieser Außerirdischen, nein Überirdischen, oder waren es diese Galaktischen, Sie wissen, diese spanische Großbank, welche sich einen Spielball für 93 Millionen namens Christiano Ronaldo hält. Entschuldigung, meine Frau sagt mir gerade, das ist keine Großbank, sondern ein Fußballverein namens Real Madrid, aber das mit dem Spielball lasse ich jetzt einfach so stehen, denn die Sklaverei wurde meines Wissens schon lange abgeschafft, ergo kann dieser junge Mensch kein Sklave sein, sondern er spielt eben mit einem Ball, also ist er für mich auch ein Spielball, aber lassen wir das.

Aber nicht genug, die Sevilla-Strategie ist auch keine neue Eröffnung in der wohlgeordneten Mikro-Welt Schach, wer also gerne in den Kategorien schwarz-weißer zweidimensionaler Quadraturen denkt, auch diesen Leser muß ich vor den Kopf stossen, wieder einmal rein metaphorisch gedacht, aber leider hat die Sevilla-Strategie nichts mit Königsindisch, Damengambit oder der Benoni-Verteidigung zu tun.

1995 wurde in Sevilla eine Expertenkonferenz einberufen, welche die Ausarbeitung eines Papieres zum Ziel hatte, das Streben der Menschheit nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung in Einklang mit dem Schutz unserer biologischen Artenvielfalt zu bringen. Oder etwas weniger höflich gesagt: Wie können wir die Natur vor dem Menschen schützen, aber gleichzeitig den Menschen in diese kulturellen, ökologischen, wirtschaftlichen  und landschaftlichen Subsysteme integrieren ? Ein sinnvoller von der UNESCO bereits 1970 gedachter Ansatz dabei war die Errichtung sogenannter Biosphären-Reservate, deren grenzübergreifende Leitlinien eben 1995 in Sevilla ausgearbeitet wurden. Diese MAB-Programme, Man and Biosphere (Der Mensch und die Biosphäre), sind dabei regional begrenzte Gebiete, welche im Idealfall Meeres-, Küsten- und terrestrische Ökosysteme miteinander vereinen, um sowohl natürliche Interdependenzen der spezifischen Arten zu erhalten und wiederzubeleben als auch künstlich geschaffene Dependenzen und Beziehungen zwischen Natur und Mensch auf einer vernünftigen Ebene zu regulieren und für alle Partner einvernehmlich zu regeln.

Die Einführung dieser sogenannten Biosphären-Reservate erinnert mich in irgendeiner Weise an das 1999 verfilmte und titelgebenden James-Bond-Abenteuer “Die Welt ist nicht genug”. Aber wenn das Zusammenleben von Mensch und Natur nur noch anhand von Restriktionen, Richtlinien und Bestimmungen funktioniert, freue ich mich wenigstens an jeder erfolgreichen Fortsetzung. Und zu guter Letzt, wer sich noch ausführlicher mit dem UNESCO-Programm beschäftigen möchte, den schicke ich jetzt auf die Seite UNESCO-Biosphärenreservate. Und allen anderen wünsche ich eine “Gute Nacht”, also rein metaphorisch gesprochen und denken wir alle nicht nur in schwarz-weißen Kategorien, etwas Grün hat noch keinem geschadet, und dies meine ich jetzt nicht metaphorisch.

        

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