Bio Natur - Der Weblog

12.9.2009

Mochovce - Die (Atom)Bombe tickt

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 00:50

Sie kennen Mochovce nicht ? Im Normalfall würde ich jetzt sagen: Macht nichts, Sie haben nichts versäumt. Leider aber steht Mochovce  für ein Atomkraftwerk, welches sich keine 200 km Entfernung zu unserer österreichischen Hauptstadt Wien auf slowakischem Staatsgebiet befindet. Schlimm genug, dass wir immer noch Atomstrom nutzen, noch schlimmer, dass wir immer noch neue Kernkraftwerke bauen, aber am allerschlimmsten, dass Mochovce eines, nicht DAS einzige Kernkraftwerk ist, welches als Hochsicherheitsfaktor eingestuft wird. Nicht von mir, nein, natürlich auch von mir, aber Mochovce wird sowohl von Politik, Umweltschutzorganisationen, Atomexperten (siehe z.B. Antonia Wenisch, Oda Becker und Andrea Wallner vom Österreichischen Ökologie-Institut) und Umweltdachverbänden als das gefährlichste Atomkraftwerk Europas bezeichnet.Mochovce wurde bereits in den 80ern als Atomkraftwerk mit zwei Reaktorblöcken gebaut, der Ausbau auf insgesamt vier Blöcke, wie er im Moment in Mochovce geplant und auch gegen sämtliche Proteste durchgeführt wird, sollte bereits in den 90er Jahren begonnen werden, wurde aber damals aufgrund fehlender finanzieller Mittel wieder aufgegeben. Nun aber haben sich potente Geldgeber gefunden, welche wider jeder Vernunft die hoffnungslose veraltete Technik zu einem krönenden, im Falle Mochovce kann man im wahrsten Sinne von einem strahlenden sprechen, Abschluss bringen.  Es sind deshalb alle Wiener Haushalte aufgerufen, bis zum 06. Oktober 2009 ihren Einspruch gegen den Ausbau des Kernkraftwerks Mochovce einzureichen. Mehr zu den Hintergründen, Möglichkeiten und Chancen des Einspruchs siehe u.a. unter Einspruch gegen Mochavce - Wien beteiligt sich oder AKW Mochovce verhindern - Einspruch einlegen !

Ein grenzüberschreitendes Umweltverträglichkeitsprüfung-Verfahren hat bereits begonnen, nutzen wir deshalb alle uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege, um gegen den Irrsinn Mochovce zu protestieren. Jede vernünftige Bürgerin, jeder vernünftige Bürger nutzt deshalb seine Chance . Jeder Wiener Haushalt hat eine Karte im Briefkasten “Ihr Einspruch gegen Mochavce”. Meine Tochter hat unterschrieben, meine Frau hat unterschrieben und ich habe unterschrieben. Unterschreiben auch Sie. Mehr Informationen finden Sie unter Einspruch gegen Mochovce bis 6. Oktober  oder rufen Sie unter 01/803 3232 an.  

11.9.2009

Ideale bleiben, Idole verblassen

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 01:39


Ausgangspunkt für diesen Beitrag war und ist eine Blogparade mit dem Titel Kindheitsidole. Kindheitsidole, Kindheit und Idole, idealisierte Vorbilder meiner Kindheit. So wie die Kindheitserinnerungen langsam nach mehreren Jahrzehnten des unsteten Wandelns auf dem Planeten Erde langsam verblassen, so haben sich auch meine Idole aufgelöst, das kindliche Idealisieren einer in meinen Augen damals heilen und ewig schönen Erwachsenenwelt wurde verdrängt durch mein eigenes Erwachsensein und Älterwerden. Die Ideale werden bleiben, die eigenen Ideale, die überanworteten Ideale, die sich immer wieder ändernden Ideale, ja sogar manche kindlichen Ideale, sie  haben sich durch vielfache Lernprozesse, durch einen permanenten Kreislauf andauernder Neubewertung in meinem kindlich erwachsenen Gehirn manifestiert, sind ein Teil meiner eigenen Persönlichkeit geworden.

Was aber nicht bleibt, eigentlich schon seit vielen Jahren nicht mehr ist, ist der Glaube an die sogenannten Idole. Idole sind Heroen einer kindlichen Phantasie, Halbgötter namens Vater oder Mutter, singende und tanzende Halbwahrheiten mit Namen Elvis, Agneta oder Falco. Kindheitsidole sind bunte Inhalte von Überraschungseiern, Karikaturen, welche Tom und Jerry heißen, farbige auf Zweidimensionalität minimierte Helden, die Superman und Hulk gerufen werden. Doch all diese Idole haben sich aus meinem Denken verabschiedet, sind nur noch undeutlich und schemenhaft zu sehen, ihre Farben, Formen, Geräusche, Strukturen sind größtenteils verschwunden. All diese Kindheitsidole können nicht zurückgeholt werden, sie haben sich mit der eigenen Kindheit verabschiedet, leise und unmerklich, aber doch unwiderruflich.

Wenn etwas wirklich Wichtiges meiner Kindheit bleibt, was ich jetzt, im Nachhinein als Idol vergöttern kann oder soll, denn ein Idol ist nach meinem Sprachverständnis das Abbild eines Gottes, dann ist es meine Kindheit selbst. Nicht die damals verehrten Helden, auch nicht die Eltern und schon gar nicht ein vom Menschen geschaffenes Konstrukt namens Gott soll demnach mein Kindheitsidol sein, sondern einzig und allein meine Kindheit selbst. Wer die Chancen und Möglichkeiten hat, seine Kindheit unbeschwert und mit anderen glücklichen Kindern zu teilen und zu  verbringen, braucht keine Idole, keine Halbgötter und schon gar keine Abbilder. Kinderlachen und Kindertränen sind schon lange verstummt und versiegt und damit auch mein einzig wahres Idol, meine eigene Kindheit. Doch solange es diesen Planeten Erde gibt, wird es auch immer Kinder geben, übertragen wir diesen kleinen Geschöpfen unser längst vergessenes und verlorenes Idol, welches auf den Namen Kindheit hört. Und wenn dabei ein Kinderlachen entsteht, nur ein einziges, dann wissen wir, wir haben das richtige Idol gewählt.     

     

10.9.2009

Der Homo sapiens kommt unter die Räder

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 22:06


Was wäre der zivilisierte Mensch ohne die Sumerer? Unser heutiger Dank gilt aber ebenfalls den findigen Geistern Mesopotamiens, den alpenländischen Architekten, den Bewohnern des heutigen Russlands und noch vielen weiteren Stämmen und Völkern, welche vor vier Jahrtausenden ihre großartigen Gehirne benutzt haben, um uns heutigen Menschen Vorschub, und das im wörtlichen Sinne, zu leisten. Der Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit stellt für mich den historischen Wendepunkt in unserer jüngeren Menschheitsgeschichte dar, denn die wohl wichtigste Erfindung der Menschheit wurde auf die Beine, oder besser gesagt auf die Räder gestellt. Nein, sehr verehrte Leserschaft, ich spreche hier nicht von der Erfindung des Rades, denn das war eigentlich nur die Voraussetzung für das wirklich Wesentliche, ja geradezu existentiell Bedeutende, ich spreche von der Erfindung des Drive-in.

Die Töpfer der alten Induskultur, welche das Rad in Form der Töpferscheibe entlang des Indus ein Jahrtausend lang auf dem indischen Subkontinent als Drehscheibe zur Erzeugung für Töpferprodukte benutzt haben, waren, mit Verlaub gesagt, richtige Dilettanten. Sie wussten doch tatsächlich mit diesem kreisrunden Ding und einem Loch in der Mitte nichts Besseres anzufangen als handwerkliche, künstlerische oder auch religiöse Produkte damit anzufertigen. Die heutige Wissenschaft ist sich einig und es kann als gesichert gelten: Hätte diese alte Harappa-Kultur die historische Chance genutzt, die gefertigten Töpferwaren am eigenen Drive-in-Schalter zu verkaufen, würde es sie heute noch geben. Aber nein, die Zeichen der Zeit wurden nicht erkannt, die Chancen nicht genutzt und der Untergang nahm seinen Lauf, allerdings mehr zu Fuß. Aber sei es wie es war, der Stein kam nun einmal ins Rollen und was kam dann ? All die schönen Hochkulturen am Zweistromland, am alten Nil, am Tiber, in den peruanischen Hochgebirgen und wer weiß noch verschwanden auf Nimmerwiedersehen, begraben unter Wüstensand, überwuchert von Dschungel, der aber mittlerweile selbst immer mehr unter Wüstensand verschwindet und eingeäschert von Vulkanausbrüchen. Und was kam noch ? Richtig, Amerika wurde entdeckt.

Zumindest wurde Amerika wieder einmal entdeckt, wahrscheinlich wurde Amerika 1492 von Christoph Kolumbus zum vierten, vielleicht aber auch schon zum siebten Mal entdeckt. Denn schließlich haben vor Kolumbus schon die Isländer unter Leif Eriksson ca. 1000 n. Chr Amerika entdeckt und davor haben vielleicht die Chinesen, die Iren oder wer weiß ich Amerika entdeckt. Und vor denen haben schon viele Jahrtausende vor unserer modernen Zeitrechnung die über die heutige Beringstrasse kommenden Völker Nordasiens Amerika entdeckt. Und vielleicht haben davor schon andere steinzeitliche Menschen Amerika entdeckt, wir und schon gar nicht ich weiß, wer also Amerika wirklich entdeckt hat. Wahrscheinlich wussten viele Entdecker Amerikas selbst nicht, dass sie Amerika entdeckt haben, weil sie zu Amerika nicht Amerika, sondern Soggnitata oder Halkatika gesagt haben, beides klingt eigentlich viel netter als dieses Amerika.  Und nach Christoph Kolumbus hat Amerigo Vespucci Amerika noch einmal entdeckt und danach hat John Wayne Amerika entdeckt und dann wieder hat Arnold Schwarzenegger Amerika ebenfalls entdeckt, zumindest für sich. Schade eigentlich, dass Amerigo Vespucci nicht Soggnitatalos Vespucci oder sogar Halkatikano Vespucci geheißen hat, dann würde Amerika nicht Amerika heißen, sondern eben Soggnitata oder noch schöner, Halkatika. Aber so heißt Amerika eben so wie es heißt und basta.

Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich eigentlich erzählen wollte vor lauter Entdeckergeist. Doch, ich weiß schon wieder, der Stein des Anstosses war das Rad und damit der Anbeginn der menschlichen Zivilisation, wie wir sie heute kennen, schätzen und lieben gelernt haben. Was wäre also das Rad ohne den Drive-in-Schalter ? Nichts, die Menschheit hätte keine wirkliche sinnvolle Verwendung gefunden für etwas Rundes mit einem Loch in der Mitte. Aber Gott sei es dank wurde ja Amerigo nach Amerika geschickt. Und so haben wir das bekommen, was uns von Nutzen ist, Drive-in beim Fast-food, Drive-in beim Kinovergnügen namens Autokino, Coffeeshop-Drive-in, Drive-in-Baumärkte, die ganze Welt fährt nur noch überall hin, hinein und wieder hinaus. Mit dem Auto natürlich, schade eigentlich, dass es noch kein Drive-in für öffentliche Verkehrsmittel gibt. Stellen Sie sich einmal vor, wir hätten sogenannte Drive-in-U-Bahnen oder Drive-in-Autobusse. Die Menschheit könnte ganz beruhigt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und gleichzeitig im Auto sitzen bleiben. Staus würden sich auf wundersame Weise auflösen, natürlich würden sich wiederum welche vor den Bushaltestellen und in den U-Bahn-Stationen bilden, aber die Strassen wären staufrei. Der Kunde parkt, der Kunde ist König, die Welt wird zu einer einzigen riesigen Drive-in-Zone, Drive-through-Gesellschaft mit lauter Drive-away-Replikanten. Der Film Blade Runner von Ridley Scott wird komplett neu verfilmt, eingeholt und überholt von der Drive-in-Realität, wer die Erde betritt, wird erschossen. Sitzen bleiben heißt die Devise und zwar im eigenen Auto.

Sagen wir also danke, danke all denen, welche die Räder erfunden haben, ein herzliches Dankeschön an diejenigen, welche Amerika entdeckt haben und unser spezieller Dank soll den findigen Köpfen gelten, die die Zigarettenautomaten so montiert haben, daß wir sie bequem von der Fahrerseite aus erreichen können, sozusagen ein kombinierter Drive-in-Tod unter Nutzung fossiler Energie, welche die längst vergessenenen Hochkulturen leider noch nicht wirklich nutzen konnten. Sonst wären wir vielleicht schon etwas weiter auf unserem unaufhaltsamen Weg in die Drive-in-Unsterblichkeit.         

  

5.9.2009

Bio-Tiernahrung: Tierisch gut ohne Gentechnik

Abgelegt unter: Tierisches — Paul Boegle @ 22:03


Ich möchte eines voranstellen. Sollten Sie unter den weiterführenden Links, welche  im nun folgenden Artikel Bio-Tiernahrung zu den Partnershops weiterleiten, eine Bestellung tätigen, verdiene auch ich ein paar Prozente mit. Um dieses aber zu rechtfertigen, möchte ich Ihnen auch mit dementsprechend gut recherchierten und verbraucherfreundlichen Informationen zum Thema Bio-Tierfutter bzw. Bio-Tiernahrung dienen. Dieser Artikel ist also nicht für die Katze, sondern soll ein erstes Kennenlernen der Vorteile und Merkmale von Bio-Hundefutter und Bio-Katzenfutter ermöglichen.  Denn alle, welche sich heutzutage auf der Suche nach Bio-Nahrung befinden, wissen: Nicht überall, wo Bio geschrieben steht, ist auch Bio enthalten. Und diese Regel gilt selbstverständlich auch für Hunde- und Katzenfutter unter dem Sammelbegriff Bio-Tierfutter bzw. Bio-Haustiernahrung.

1. Bio-Tierfutter und die Bio-Prüfsiegel

Bio-Tiernahrung, nur eine tierisch gute Marketingstrategie der Tierfutter-Industrie oder steckt hinter oder besser  in Bio-Tierfutter mehr ? Ein erstes Merkmal, um Bio-Tierfutter auch als solches zu erkennen, wurde ein Prüfsiegel ähnlich dem achteckigen EU-Biosiegel eingeführt.  Da jedoch Bio-Tiernahrung nicht mit dem für den menschlichen Verzehr bestimmten Biosiegel gekennzeichnet werden darf, wurden auch im Bereich Bio-Tierfutter Prüfsiegel eingeführt. Hintergrund dafür ist, daß im Bereich Tierfutter und Tiernahrung das Wort Bio nicht geschützt ist, d.h. ein Hersteller kann und darf auf der Verpackung von Tiernahrung mit dem Wort Bio werben, auch dann, wenn die Inhaltsstoffe nicht aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Wie kann aber nun ein Hersteller von Bio-Tierfutter, z.B. Petnatur, glaubhaft versichern, daß im angebotenen Tierfutter auch das enthalten ist, was sich der Verbraucher erwartet, nämlich Bio ? Eine Möglichkeit ist die Mitgliedschaft in einem sogenannten Anbauverband. Diese Anbauverbände stellen sicher, daß nur diejenigen Hersteller das Bio-Prüfsiegel führen, deren Tierfutter-Produkte auch aus 100% kontrolliert biologischem Anbau stammen. Einige der bekanntesten Bio-Anbauverbände im deutschsprachigen Raum sind Bioland, Biokreis, Demeter, Naturland oder Ecoland. Im Gegensatz zur zweiten Möglichkeit der Zertifizierung als Bio-Tierfutter durch autorisierte Zertifizierer, z.B. das EKO-Bio-Gütesiegel oder das Deutsche Tierfutter-Siegel haben sich die Anbauverbände wesentlich strengere Auflagen und Verordnungen selbst auferlegt.

Während eine Zertifizierung als Bio-Tiernahrung bei den autorisierten Zertifizierern eine Einhaltung der EG-ÖKO-Verordnung voraussetzt, stellen die Anbauverbände wesentlich höhere Anforderungen an ihre angeschlossenen Mitglieder, z.B. in den Bereichen Höchstgrenzen der erlaubten Lebensmittelzusatzstoffe, Höchstmengen an Düngemitteln, Bestimmungen der Tierhaltung (siehe dazu auch Bio-Anbauverbände). Bio-Tiernahrung, welches mit mindestens einem dieser Bio-Siegel gekennzeichnet ist, geben dem Kunden die Sicherheit, daß auf der Tierfutter-Verpackung nicht nur Bio draufsteht, sondern daß auch Bio drinsteckt. Doch was steht überhaupt auf einer Bio-Tierfutter-Verpackung und damit gleichbedeutend, was ist im Bio-Tierfutter drin ?
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2. Bio-Tiernahrung, was steckt drin ?

Oder fangen wir lieber damit an, was im Bio-Tierfutter nicht enthalten sein sollte. Was selbstverständlich auch für menschliche Bio-Nahrung gilt, sollte genauso für Tierfutter gelten: Gentechnik, nein danke ! Wurden früher für Hund und Katze noch konventionelles Futter hergestellt, welches häufig mit Farbstoffen und chemischen Antioxidantien angereichert war, Konservierungsmittel, Lockstoffe und künstliche Aromastoffe alltägliche Beigaben waren und die Abfallprodukte aus Landwirtschaft und Massentierhaltungsbetrieben im Tierfutter weitere Verwendung fanden, gilt heute weniger bzw. gar nichts ist mehr. Auch die Hersteller der Tiernahrungsindustrie haben die Zeichen der Zeit erkannt und stimmen in den allgemeinen Tenor gentechnikfreien Nahrungsmittel für unsere geliebten Vierbeiner ein. Aber wer weiter denkt, wird feststellen, daß Bio-Tierfutter ohne schädliche und oftmals zu allergischen Reaktionen neigende Inhaltsstoffe auch für den Menschen nur Vorteile mit sich bringt. Der Kontakt mit verunreinigter Tiernahrung von Frauchen und Herrchen wird vermieden und was weit wichtiger ist, mit Gentechnik kontaminierte Anbauflächen, deren Rohprodukte für die Verarbeitung in Tierfutter-Produkte vorgesehen ist, machen auch nicht vor gentechnikfreien Anbauflächen halt. Wasser und ganz besonders der Wind kennen keine Grenzen und tragen kontaminierte Pollen dorthin, wo sie keinesfalls erwünscht sind.

Zurück noch einmal zu Allergien und allergischen Reaktionen, Krebs- und Infektionsrisiken, welche mittlerweile selbst vor unseren vierbeinigen Mitbewohnern nicht Halt machen. Ich möchte jetzt sicherlich nicht so weit gehen wie die Tierschutzorganisation PETA im Artikel Fleischlose Kost für Hund und Katze, denn gerade Hunde sind durch ihr Gebiss und das Verdauungssystem auf fleischliche Kost angewiesen, aber nur jeden Tag nur Fleisch ist ebenfalls der (wahrscheinlich) falsche Weg für eine gesunde Ernährung. Aber Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Anbieter von Bio-Tierfutter verwenden andere fleischliche Beigaben als diejenigen Hersteller konventioneller Tiernahrung. Es gibt Unterschiede, große Unterschiede. Da Fleisch, und dazu gehören auch Schlachtreste, eine wichtige Eiweißquelle für die menschliche als auch für die tierische Ernährung ist, werden solche Fleischreste, und da spricht sicherlich nichts dagegen, auch für Herstellung von Tierfutter verarbeitet. Aber die Produzenten sind nicht verpflichtet, auf den Verpackungen den Prozentsatz bzw. das Verhältnis von qualitativ hochwertigem Fleisch wie etwa Muskelfleisch oder Innereien (Herz, Lunge, Leber) und minderwertigen Inhaltstoffen wie Hühnerschnäbel, -klauen, Hufe von Schlachtvieh, Sehnen oder Knorpel anzugeben. Der Verbraucher liest lediglich auf den Tierfutter-Produkten den Sammelbegriff: Fleisch und tierische Nebenprodukte. Seriöse und auf Qualität bedachte Hersteller von Bio-Tierfutter legen deshalb Wert darauf, einen hohen Prozentsatz an mit viel Eiweiss angereichertem Fleisch zu verarbeiten und auf Binde- und Fettgewebe als Füllmaterialien zu verzichten.

Halten wir deshalb noch einmal als Zusammenfassung im sogenannten Bio-Tiernahrungsbereich fest. Oftmals finden sich auf Etiketten von sogenannten Bio-Tierfutter-Hersteller eigens gestaltete Bio- und Prüfsiegel, welche dem Verbraucher Seriosität vorgaukeln sollen. Doch nur die wirklich zertifizierten Siegel lassen Rückschlüsse auf unabhängige und offizielle Qualitätssicherung und Qualitätsprüfung der Tierfutter-Hersteller zu und sind damit auch ein wichtiger Indikator für hochwertige Bio-Tiernahrung. Und wie auch in unserer menschlichen Ernährung gilt für den Bio-Nahrungsmittelbereich für Tiere: Erst die richtigen Inhaltstoffe machen Tiernahrung zu Bio-Tiernahrung. 

Wem also die Ernährung und Gesundheit seiner tierischen Freunde wirklich am Herzen liegt, sollte vielleicht einmal mit dem Gedanken spielen, sich Produkte und Hersteller aus dem Bereich Bio-Tierfutter näher anzuschauen. 

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3.9.2009

Beschleunigte Entschleunigung

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 23:27


Zuerst sollten wir einmal klären oder erklären, was das Wort Entschleunigung überhaupt bedeutet, schließlich wird es im alltäglichen Sprachgebrauch nur sehr selten benutzt, ganz zu schweigen überhaupt gebraucht. Dies mag einerseits darin liegen, dass das Wort Entschleunigung an sich sperrig daherkommt, es klingt nicht so vollmundig wie Beschleunigung. Beschleunigung ist in unserer heutigen Gesellschaft positiv besetzt, es steht für potenzierte Männlichkeit bei Autos in Form von PS, es symbolisiert Rasanz, Dynamik und schnellen Wechsel oder Wandel, es bedeutet aber auch Aufstieg, Vorwärtskommen und Weiterbewegung. Raketen beschleunigen, Formel 1-Autos beschleunigen, 100m-Sprinter beschleunigen, alles wird dabei assoziiert mit geradlinigen, windschnittigen, kraftvollen Körpern, Formen und Menschen. Aber andererseits kommt das Wort Entschleunigung in unserem heutigen Sprachschatz nicht allzu oft vor, weil es einfach keinen Platz in unserer schnelllebigen Gesellschaft hat. Entschleunigung steht für Langsamkeit, sogar für Rückwärtsbewegung und Rückwärtsentwicklung, für Stillstand und für keinen messbaren Erfolg.

Alles wird in, nein nicht einmal in Minuten, alles wird nur noch in Sekunden, Zehntel und Hunderstel gemessen, zwei Augenblicke sind schon einer zuviel. Wer einmal zuviel zwinkert, ist schon Zweiter und der ist bekanntlich der erste Verlierer. Unser Leben besteht aus Fahrplänen, Terminkalendern, Aufeinander abstimmen von Uhrzeiten. Das vergangene Jahrzehnt wurde als die Revolution des Internets gepriesen, die komplette Vernetzung bietet den Abruf jeder Information zu jeder Tages-und Nachtzeit an jedem beliebigen Punkt unseres Planeten. Alles ist ständig abrufbar, die Ressource Mensch hat sich durch Handy, Laptop und technische Spielereien zum Spielball der permanenten Verfügbarkeit und Abrufbereitschaft degradiert. Wir rennen nicht um unser Leben, wir rennen mit unserem Leben. Atemlos, rastlos und ruhelos koordinieren wir mittlerweile fremde Probleme, welche durch die Globalisierung zu eigenen gemacht werden. Emails werden in Massen verschickt, ein Problemlöser wird sich schon finden. Unsere Städte sind von Beschleunigung umgeben, grell-bunte, schrille und laute Werbung suggeriert uns: “Wir leben noch !”. Sechsspurige Stadtautobahnen geben uns die Richtung vor, drei Spuren Fortschritt nach Westen, drei Spuren Fortschritt nach Osten.

Der Wunsch nach Entschleunigung oder zumindest nach reduzierter Beschleunigung bei mir selbst entstand unlängst wieder einmal im Betrachten und Vergleichen. Die Faszination des jamaikanischen Sprinters Usain Bolt war dabei Auslöser meiner Betrachtungen. Ein junger Mann, welcher in den Sprintdisziplinen 100m und 200m scheinbar raketengleich dahinrast, unfassbar selbst für die sogenannten Experten Weltrekorde und Fabelzeiten aufstellt, welche bisher für unmöglich gehalten wurden. Ich selbst wurde Zeuge dieser menschlichen Höchstleistungen, auch ich ließ mich vor dem Fernseher von dieser Euphorie und Faszination anstecken, welche ein Einzelner auslösen kann. Doch gleichzeitig werden wohl viele hinterfragt haben, ob und wie sich diese Beschleunigung eines Menschen noch steigern ließen, mit welchen Hilfsmitteln auch immer. Dabei soll jetzt nicht einmal das allgegenwärtige Thema Doping im Vordergrund stehen, sondern wieviele Millionen in die Entwicklung neuer Beläge der Tartanbahnen gesteckt werden, wieviele Windkanalmessungen noch notwendig sind, um die optimalen Sprintanzüge, Sprintschuhe und die bestmögliche Startposition zu entwickeln und zu erforschen. Wann ist der Mensch in seiner Gigantonomie endlich zufriedengestellt, wann kann er endlich von sich behaupten, jetzt habe ich die absolut mögliche, menschenmögliche Beschleunigung erreicht. Ich glaube, aufgrund unseres Strebens, uns über jedes andere Lebewesen der Schöpfung stellen zu wollen, wird der Mensch erst dann Ruhe geben, wenn er auch das schnellste Lebewesen des Erdballs ist.

Also, lieber Wanderfalke und sehr geehrter Gepard: Seid nicht so überheblich und arrogant in eurer Beschleunigung, haltet ein im Geschwindigkeitsrausch. Schließlich soll ja schließlich der Mensch der König der Lüfte und Herr über alle Lebewesen, auch die schnellsten sein. Verderbt uns nicht unsere Freude an unserer Vormachtstellung, vielleicht kehrt dann wieder einmal etwas Ruhe ein in unserer rasanten Welt. Ich habe übrigens in unserem kleinen Garten einen wunderbaren Duftrasen aus römischer Laufkamille angelegt. Und jeden Tag in der Früh stelle ich mich mit einem großen Häferl Kaffee auf die Terrasse, schaue dem Duftrasen beim Wachsen zu, ganz ohne Stoppuhr. Und jeden Tag wächst die Kamille um einen, manches Mal sogar um drei Millimeter. Zumindet glaube ich das, so ganz ohne Maßband läßt sich das mit bloßem Auge nicht feststellen. Aber eigentlich will ich es auch nicht so ganz genau wissen, denn ich habe unseren Garten zur entschleunigten Zone erklärt, hier beschleunigt jeder, sei es die Ligusterhecke, der Duftrasen, die Lilien, Petunien, Rosen und natürlich auch die Bienen, Wespen, Spinnen, Grashüpfer und Marienkäfer ganz so, wie es im eigenen Ermessen steht. Und wer vom Beschleunigen genug hat, der entschleunigt eben so wie ich jetzt, denn mein Häferl Kaffee ist schon wieder einmal leer.              

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