Erschöpfungszustände 2


Der Welterschöpfungstag: Wir verbrauchen, was wir nicht haben!

Keine Angst, liebe Leser ! Ich will Sie hier nicht mit meinen eigenen kleinen Wehwehchen belästigen, ich möchte nicht lamentieren und schon gar nicht soll hier preisgegeben werden, wo es überall zwickt und zwackt. Schließlich könnte ja mein Arbeitgeber mitlesen und wenn der wüsste, wie es um meine Gesundheit bestellt ist, na habe die Ehre, wie wir hier in Wien sagen. Mich plagen erste Wechselbeschwerden, meine Bandscheiben sind mehr Scheiben ohne Bänder. Wenn ich es genauer bedenke, weiß ich eigentlich gar nicht, wo es nicht weh tut. Und trotzdem gibt es jemanden in meinem, auch in Ihrem Leben, dem es noch wesentlich schlechter geht. Es gibt ein großes rundes Ding, welches wirklich erschöpft ist, ein sich schnell drehendes Etwas, welches jetzt, im 21. Jahrhundert wirklich nicht mehr weiter kann. Dieses Ding, jenes Etwas ist auch allgemein hin bekannt als Erde, als blauer Planet, als Erdball, als unser Heimatplanet.

Die Erde kann nicht mehr, sie dreht sich nur noch um des Drehens willen. Wir haben unseren Erdball vollkommen ausgebeutet, leergeräumt und abgewirtschaftet. Der blaue Planet ist nicht mehr blau, er ist am Ende, er ist kaputt und verbraucht.  Und Sie werden jetzt vielleicht lachen, der einzige Nutznießer der von aller Welt verdammten Weltwirtschaftskrise war ausgerechnet unser größtes Sorgenkind. Leider aber nur für ganze zwei Tage. Denn eigentlich hätte die Menschheit ihre zur Verfügung stehenden Ressourcen für 2009 bereits am 23. September verbraucht gehabt, die weltweite Wirtschaftskrise hat dies um zwei Tage hinausgezögert, aber am 25. September 2009 war endgültig Schluß. Wir haben all unsere Rohstoffe für dieses Jahr verbraucht, welche weltweit nachwachsen werden. Sie glauben, dies sind Horrorszenarien eines grünen Apostels, eines einsamen Rufers in der (immer größer werdenden) Wüste ? Wer sich gerne mit harten Zahlen und Fakten beschäftigen möchte, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang die brutale Realität in Form des Berichts der Organisation Global Footprint Network.

Die Spezies Mensch in ihrer Gesamtheit befindet sich im sogenannten globalen ökologischen Overshoot, d.h. wir alle haben ein Defizit des natürlichen Kapitals geschaffen. Unsere Nachfrage nach den Ressourcen übersteigt mittlerweite bei weitem die Möglichkeiten der Erde, diese in dementsprechender Quantität und Qualität zu reproduzieren. Dieses ökologische Defizit entsteht dann, wenn der Mensch unserem Heimatplaneten jede Chance auf Regeneration nimmt. Die Überfischung der Meere, die steigende Knappheit unserer Süßwasserreserven, die permanente Verringerung unserer grünen Lungen durch Rodung und Abholzung, das Anwachsen von Müllbergen auf Deponien und mittlerweile besonders in den Weltmeeren und der Klimawandel durch den trotz aller Klimagipfel nicht zu kontrollierenden CO2-Austoss, diese und viele weitere Faktoren haben die Erde an den Rande des Kollapses gebracht.

Wer auf zu großem Fuß lebt, wird irgendwann die Zeche zahlen müssen. Dies gilt für jeden einzelnen Erdenbürger wie auch für die gesamte Menschheit. Und wer dies nicht mehr bewerkstelligen kann, wird schonungslos zur Rechenschaft gezogen. Kredite werden nur solange gewährt, wie sie durch geeignete Hypotheken sichergestellt werden können. Wir haben unseren Kredit verspielt, 2009 bereits am 25. September. Seit diesem Tag haben wir den Welterschöpfungstag für 2009 ausgerufen. Doch anders wie der Muttertag oder Weihnachten wiederholt sich dieser Tag nicht jährlich, er steht vielmehr jeden Tag bis zum 31. Dezember dieses Jahres vor der Türe.

In ca. 40 Jahren wird dieser Welterschöpfungstag bereits Ende Juni an unsere Türen klopfen. Wir alle gemeinsam haben drei Möglichkeiten. Zum einen können wir unsere Augen zumachen und unsere Ohren verschließen, lassen wir ihn klopfen, so laut er will, einfach nicht aufmachen lautet die Devise. Oder wir suchen uns eine neue, eine zweite Erde. Dann beuten wir Erde Nummer 1 bis Ende Juni aus und ab Juli betreiben wir Raubbau an Erde Nummer 2. Es stellt sich nur die Frage, ob wir innerhalb dieses Zeitraumes so einen wunderbaren Planeten noch einmal finden werden. Also bleibt nur noch die dritte Möglichkeit. Wir erkennen den Ernst der Lage.

Staaten, Staatenbündnisse, Entscheidungsträger, Politik und Wirtschaft, aber auch jedes einzelne Individuum müssen ein neues Verständnis für die Erde aufbringen. Verständnis hat mit Verstand zu tun und der wurde uns im Laufe der Evolution mitgegeben, glaubt man zumindest den Verhaltensforschern, Evolutionstheoretikern und all jenen Erscheinungsformen des Homo sapiens, welcher sich dieser Eigenschaft rühmt. Ansonsten stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob die Kakerlaken oder die Ratten nach unserem Verschwinden die neuen Damen und Herren dieser Welt werden. Aber vielleicht machen die es besser, denn auch diese Arten werden schuldenfrei beginnen, wie immer stellt sich nur die Frage nach dem „Wie lange ?“.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


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2 Gedanken zu “Erschöpfungszustände

  • Mirko

    Das witzige an der Geschichte ist doch, dass es der Erde im prinzip gut geht. Nicht die Erde ist in irgendeiner Art und Weise gefährdet, die Menschheit ist gefährdet. Wenn es weiter so rapide bergab geht gibt es uns irgendwann nicht mehr und dem Planet, mitsamt den restlichen Bewohnern, dreht sich weiter. Ich bezweifle weiterhin, dass irgendwer den Ernst der Lage erkennt. Solange man das Vertanken von Lebensmitteln für umweltfreundlich hält und auch sonst alles schluckt, wird sich wohl wenig Erkenntnis verbreiten.

  • Paul Boegle Beitragsautor

    Naja, lieber Mirko, die Erkenntnis hat sich doch schon mit Eva und Adam und dem Naschen von den verbotenen Früchten von eben diesem Baum unter der Menschheit verbreitet. Wobei ich als ein dem Ignostizismus und vielleicht sogar latenterweise dem Atheismus fröhnender Mensch das Buch der Genesis nur als Außenstehender betrachten kann. Aber wir Menschen naschen nun einmal gerne und sei es auch nur von verfaulten Früchten und verdorrten Bäumen.