Viel Lärm und Nichts 1



Nein, es handelt sich hierbei keinesfalls um einen Schreibfehler und schon gar nicht um eine Neufassung der vor mehr als 400 Jahren entstandenen Komödie von William Shakespeare mit dem Titel „Viel Lärm um Nichts“. Viel Lärm und Nichts bezieht sich vielmehr auf unsere heutige schnelllebige und vor allem laute, lärmende und hektische Umwelt und Gesellschaft. Die ganze Welt telefoniert an allen möglichen und unmöglichen Plätzen, läßt die Mitmenschen dank pinkfarbener Ipods und froschgrüner tragbarer Mini-Stereoanlagen am persönlichen Musikgeschmack teilhaben, erhupt sich das Recht auf freie Fahrt für freie Auto-Bürger, überdimensionale Videoleinwände zeigen uns, was heutzutage in ist, Pop-ups schreien uns an, wer uns auf welcher Dating-Line kennenlernen will und 16:9-Fernseher mit Hochauflösung sagen uns, welche Katze sich mit welchem Katzenfutter am wohlsten fühlt.

Die Welt ist in permanentem Aufruhr. Überall wird verzweifelt versucht, unsere Aufmerksamkeit zu erregen, jeder bittet flehentlich um ein kleines bißchen Schau-mich-an und Hör-mir-zu. Unsichtbare Sprechblasen schweben 24 Stunden am Tag über unseren Köpfen, bestückt mit feinen Ich-weiß-etwas-Nadeln und Das-habe-nur-ich-Nägeln. Wahre Fluten von Informationen ertränken unser Gehirn. Ein lautes Nichts an Werbung, Belanglosigkeiten, Überflüssigem, Trivialem und zerplatzten Hoffnungen und Wünschen.

Wo sind die Zeiten, als ein einzelnes Flugzeug seine einsamen Runden mit einem Werbebanner im Schlepptau über unseren Köpfen zog ? Wer kann sich noch an die Staubsauger-Vertreter erinnern, die mit müden Gesichtern in ihren abgetragenen und zerknitterten Anzügen ihre neuesten Modelle und deren Vorteile an der Haustüre anpriesen ? Wo sind Maria und Willi hingekommen, das alte Ehepaar, das seine Eier jeden Donnerstag von 9.00 Uhr bis 9.30 Uhr in den höchsten Tönen an der Ecke gleich beim Kindergarten lautstark angeboten hat ? Auch Lärm, keine Frage. Aber längst vergangener Lärm, liebenswerter Lärm, ein ganz persönlicher Lärm, nicht anonymisiert, nicht pauschaliert.

Jeden Tag viel Lärm und Nichts. Wir hören viel und hören doch nichts in einer Welt ohne Sprache. Alles spricht, aber keiner redet, jeder schaut, aber keiner sieht. Denken, aber nichts fühlen. Laufen, und doch nicht ans Ziel kommen. Die Welt ist laut geworden.          


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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