Abschied 1



Es scheint wieder einmal die Zeit gekommen, langsam Abschied zu nehmen. Wieder heißt es, sich von Vertrautem und Neuem zu trennen, leise Lebewohl zu sagen und zu hoffen, daß sich unsere Wege im nächsten Jahr auf wunderbare Weise wieder kreuzen werden. Träge, ja fast gelangweilt fliegt eine Biene an den letzten Farbtupfern vorbei, mißmutig summt sie sich ihren Weg in kleinen Kreisen auf der Suche nach letzten Resten von Blütenpollen, läßt sich für kurze Zeit nieder, um gleich darauf die durch die Sommermonate ausgezehrten Blütenstände zu verlassen und weiterzuziehen. Weit und breit keine summende, fliegende, brummende und hüpfende Konkurrenz, einer der letzten braun-gelben Mohikaner auf dem Weg in die ewigen Bienen-Jagdgründe.

Blätter fallen bedächtig, in teils konzentrischen, dann wieder wiegenden Bahnen lassen sich auf die von Rissen durchzogene Erde nieder, hauchen dem braunen Einerlei der abgeernteten Beete eine letzte Spur von Leben ein, bedecken das vor ein paar Wochen noch vor Kraft strotzende Erdreich mit Grün, Hellbraun, grün-gelb gesprenkelten Tupfern und mit vielerlei Rot- und Orangetönen. Es scheint, als schäme sich die Natur ihrer Verbrauchtheit, ihrer beginnenden Kraftlosigkeit, als wolle sie mit diesem bunt gefärbten Kleid all ihre Unzulänglichkeiten bedecken. Blatt um Blatt fällt, reißt leise erst kleine, dann immer größer werdende Löcher in Hecken, Stauden und Baumkronen, nagt mit scharfen Zähnen am zu Ende gehenden Sommer, um Platz zu machen für den dritten Regenten des ewig gleichen Kreislaufes namens Jahreszeiten.

Eine Spinne sitzt auf in der Spätsommersonne glitzernden hauchdünnen Fäden, im ruhigen Auge ihres Spinnennetz-Zyklons leistet sie keinen Widerstand gegen den unaufhaltsamen Lauf, als wüsste sie in ihrer Gelassenheit, daß ein Davonstehlen nicht in Frage kommt. Letzte Rosenkelche wenden ihre roten und weißen Augen der gelben bereits der Südhalbkugel zustrebenden Sonne zu, eine violette Clematis zeigt noch einmal in einer allerletzten, fast überirdischen Anstrengung all ihre Pracht, um sie zum Bleiben, zum Innehalten zu bewegen. Die warme Nachmittagsluft trägt beschwingt und heiter unsichtbare verführerische Düfte von Oregano, Rosmarin, Basilikum und Zitronenmelisse in alle Ecken und Winkel, ein Potpourri aus Aromen, ätherischen Düften und kurzlebigen würzigen Wellen und süßlichen Strömen.

Riesige Engelstrompeten lassen traurig ihre mit braunen Rändern gefärbten Instrumente hängen, ein welkes Orchester, welches sein kurzes Gastspiel für ein weitere Saison als beendet erklärt und doch zufrieden mit dem Applaus der Nachbarn aus Hibiskus, Petunien, dem von oben herabschauenden Sternjasmin und der selbst als für unschlagbar geltenden Duftkombo aus römischer Laufkamille, welche ihre Geheimnisse erst auf ausdrücklichen Wunsch preisgibt.

Der Abschied fällt schwer, aber er zeigt, wie schön all diese kleinen Tiere, Blüten, Blätter, Hölzer sowie Wind, Wasser und Sonnenlicht zusammenwirken. Also, auf ein Neues, auf ein noch bunteres, noch duftenderes und noch beschwingteres weiteres Jahr, vielleicht mit uns, vielleicht ohne uns, aber hoffentlich in uns.


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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