Ideale bleiben, Idole verblassen


Ausgangspunkt für diesen Beitrag war und ist eine Blogparade mit dem Titel Kindheitsidole. Kindheitsidole, Kindheit und Idole, idealisierte Vorbilder meiner Kindheit. So wie die Kindheitserinnerungen langsam nach mehreren Jahrzehnten des unsteten Wandelns auf dem Planeten Erde langsam verblassen, so haben sich auch meine Idole aufgelöst, das kindliche Idealisieren einer in meinen Augen damals heilen und ewig schönen Erwachsenenwelt wurde verdrängt durch mein eigenes Erwachsensein und Älterwerden. Die Ideale werden bleiben, die eigenen Ideale, die überanworteten Ideale, die sich immer wieder ändernden Ideale, ja sogar manche kindlichen Ideale, sie  haben sich durch vielfache Lernprozesse, durch einen permanenten Kreislauf andauernder Neubewertung in meinem kindlich erwachsenen Gehirn manifestiert, sind ein Teil meiner eigenen Persönlichkeit geworden.

Was aber nicht bleibt, eigentlich schon seit vielen Jahren nicht mehr ist, ist der Glaube an die sogenannten Idole. Idole sind Heroen einer kindlichen Phantasie, Halbgötter namens Vater oder Mutter, singende und tanzende Halbwahrheiten mit Namen Elvis, Agneta oder Falco. Kindheitsidole sind bunte Inhalte von Überraschungseiern, Karikaturen, welche Tom und Jerry heißen, farbige auf Zweidimensionalität minimierte Helden, die Superman und Hulk gerufen werden. Doch all diese Idole haben sich aus meinem Denken verabschiedet, sind nur noch undeutlich und schemenhaft zu sehen, ihre Farben, Formen, Geräusche, Strukturen sind größtenteils verschwunden. All diese Kindheitsidole können nicht zurückgeholt werden, sie haben sich mit der eigenen Kindheit verabschiedet, leise und unmerklich, aber doch unwiderruflich.

Wenn etwas wirklich Wichtiges meiner Kindheit bleibt, was ich jetzt, im Nachhinein als Idol vergöttern kann oder soll, denn ein Idol ist nach meinem Sprachverständnis das Abbild eines Gottes, dann ist es meine Kindheit selbst. Nicht die damals verehrten Helden, auch nicht die Eltern und schon gar nicht ein vom Menschen geschaffenes Konstrukt namens Gott soll demnach mein Kindheitsidol sein, sondern einzig und allein meine Kindheit selbst. Wer die Chancen und Möglichkeiten hat, seine Kindheit unbeschwert und mit anderen glücklichen Kindern zu teilen und zu  verbringen, braucht keine Idole, keine Halbgötter und schon gar keine Abbilder. Kinderlachen und Kindertränen sind schon lange verstummt und versiegt und damit auch mein einzig wahres Idol, meine eigene Kindheit. Doch solange es diesen Planeten Erde gibt, wird es auch immer Kinder geben, übertragen wir diesen kleinen Geschöpfen unser längst vergessenes und verlorenes Idol, welches auf den Namen Kindheit hört. Und wenn dabei ein Kinderlachen entsteht, nur ein einziges, dann wissen wir, wir haben das richtige Idol gewählt.     

     

Leave a Reply