Der Homo sapiens kommt unter die Räder



Was wäre der zivilisierte Mensch ohne die Sumerer? Unser heutiger Dank gilt aber ebenfalls den findigen Geistern Mesopotamiens, den alpenländischen Architekten, den Bewohnern des heutigen Russlands und noch vielen weiteren Stämmen und Völkern, welche vor vier Jahrtausenden ihre großartigen Gehirne benutzt haben, um uns heutigen Menschen Vorschub, und das im wörtlichen Sinne, zu leisten. Der Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit stellt für mich den historischen Wendepunkt in unserer jüngeren Menschheitsgeschichte dar, denn die wohl wichtigste Erfindung der Menschheit wurde auf die Beine, oder besser gesagt auf die Räder gestellt. Nein, sehr verehrte Leserschaft, ich spreche hier nicht von der Erfindung des Rades, denn das war eigentlich nur die Voraussetzung für das wirklich Wesentliche, ja geradezu existentiell Bedeutende, ich spreche von der Erfindung des Drive-in.

Die Töpfer der alten Induskultur, welche das Rad in Form der Töpferscheibe entlang des Indus ein Jahrtausend lang auf dem indischen Subkontinent als Drehscheibe zur Erzeugung für Töpferprodukte benutzt haben, waren, mit Verlaub gesagt, richtige Dilettanten. Sie wussten doch tatsächlich mit diesem kreisrunden Ding und einem Loch in der Mitte nichts Besseres anzufangen als handwerkliche, künstlerische oder auch religiöse Produkte damit anzufertigen. Die heutige Wissenschaft ist sich einig und es kann als gesichert gelten: Hätte diese alte Harappa-Kultur die historische Chance genutzt, die gefertigten Töpferwaren am eigenen Drive-in-Schalter zu verkaufen, würde es sie heute noch geben. Aber nein, die Zeichen der Zeit wurden nicht erkannt, die Chancen nicht genutzt und der Untergang nahm seinen Lauf, allerdings mehr zu Fuß. Aber sei es wie es war, der Stein kam nun einmal ins Rollen und was kam dann ? All die schönen Hochkulturen am Zweistromland, am alten Nil, am Tiber, in den peruanischen Hochgebirgen und wer weiß noch verschwanden auf Nimmerwiedersehen, begraben unter Wüstensand, überwuchert von Dschungel, der aber mittlerweile selbst immer mehr unter Wüstensand verschwindet und eingeäschert von Vulkanausbrüchen. Und was kam noch ? Richtig, Amerika wurde entdeckt.

Zumindest wurde Amerika wieder einmal entdeckt, wahrscheinlich wurde Amerika 1492 von Christoph Kolumbus zum vierten, vielleicht aber auch schon zum siebten Mal entdeckt. Denn schließlich haben vor Kolumbus schon die Isländer unter Leif Eriksson ca. 1000 n. Chr Amerika entdeckt und davor haben vielleicht die Chinesen, die Iren oder wer weiß ich Amerika entdeckt. Und vor denen haben schon viele Jahrtausende vor unserer modernen Zeitrechnung die über die heutige Beringstrasse kommenden Völker Nordasiens Amerika entdeckt. Und vielleicht haben davor schon andere steinzeitliche Menschen Amerika entdeckt, wir und schon gar nicht ich weiß, wer also Amerika wirklich entdeckt hat. Wahrscheinlich wussten viele Entdecker Amerikas selbst nicht, dass sie Amerika entdeckt haben, weil sie zu Amerika nicht Amerika, sondern Soggnitata oder Halkatika gesagt haben, beides klingt eigentlich viel netter als dieses Amerika.  Und nach Christoph Kolumbus hat Amerigo Vespucci Amerika noch einmal entdeckt und danach hat John Wayne Amerika entdeckt und dann wieder hat Arnold Schwarzenegger Amerika ebenfalls entdeckt, zumindest für sich. Schade eigentlich, dass Amerigo Vespucci nicht Soggnitatalos Vespucci oder sogar Halkatikano Vespucci geheißen hat, dann würde Amerika nicht Amerika heißen, sondern eben Soggnitata oder noch schöner, Halkatika. Aber so heißt Amerika eben so wie es heißt und basta.

Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich eigentlich erzählen wollte vor lauter Entdeckergeist. Doch, ich weiß schon wieder, der Stein des Anstosses war das Rad und damit der Anbeginn der menschlichen Zivilisation, wie wir sie heute kennen, schätzen und lieben gelernt haben. Was wäre also das Rad ohne den Drive-in-Schalter ? Nichts, die Menschheit hätte keine wirkliche sinnvolle Verwendung gefunden für etwas Rundes mit einem Loch in der Mitte. Aber Gott sei es dank wurde ja Amerigo nach Amerika geschickt. Und so haben wir das bekommen, was uns von Nutzen ist, Drive-in beim Fast-food, Drive-in beim Kinovergnügen namens Autokino, Coffeeshop-Drive-in, Drive-in-Baumärkte, die ganze Welt fährt nur noch überall hin, hinein und wieder hinaus. Mit dem Auto natürlich, schade eigentlich, dass es noch kein Drive-in für öffentliche Verkehrsmittel gibt. Stellen Sie sich einmal vor, wir hätten sogenannte Drive-in-U-Bahnen oder Drive-in-Autobusse. Die Menschheit könnte ganz beruhigt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und gleichzeitig im Auto sitzen bleiben. Staus würden sich auf wundersame Weise auflösen, natürlich würden sich wiederum welche vor den Bushaltestellen und in den U-Bahn-Stationen bilden, aber die Strassen wären staufrei. Der Kunde parkt, der Kunde ist König, die Welt wird zu einer einzigen riesigen Drive-in-Zone, Drive-through-Gesellschaft mit lauter Drive-away-Replikanten. Der Film Blade Runner von Ridley Scott wird komplett neu verfilmt, eingeholt und überholt von der Drive-in-Realität, wer die Erde betritt, wird erschossen. Sitzen bleiben heißt die Devise und zwar im eigenen Auto.

Sagen wir also danke, danke all denen, welche die Räder erfunden haben, ein herzliches Dankeschön an diejenigen, welche Amerika entdeckt haben und unser spezieller Dank soll den findigen Köpfen gelten, die die Zigarettenautomaten so montiert haben, daß wir sie bequem von der Fahrerseite aus erreichen können, sozusagen ein kombinierter Drive-in-Tod unter Nutzung fossiler Energie, welche die längst vergessenenen Hochkulturen leider noch nicht wirklich nutzen konnten. Sonst wären wir vielleicht schon etwas weiter auf unserem unaufhaltsamen Weg in die Drive-in-Unsterblichkeit.         

  


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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