Bio Natur - Der Weblog

28.9.2009

Erschöpfungszustände

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:03

Der Welterschöpfungstag: Wir verbrauchen, was wir nicht haben!

Keine Angst, liebe Leser ! Ich will Sie hier nicht mit meinen eigenen kleinen Wehwehchen belästigen, ich möchte nicht lamentieren und schon gar nicht soll hier preisgegeben werden, wo es überall zwickt und zwackt. Schließlich könnte ja mein Arbeitgeber mitlesen und wenn der wüsste, wie es um meine Gesundheit bestellt ist, na habe die Ehre, wie wir hier in Wien sagen. Mich plagen erste Wechselbeschwerden, meine Bandscheiben sind mehr Scheiben ohne Bänder. Wenn ich es genauer bedenke, weiß ich eigentlich gar nicht, wo es nicht weh tut. Und trotzdem gibt es jemanden in meinem, auch in Ihrem Leben, dem es noch wesentlich schlechter geht. Es gibt ein großes rundes Ding, welches wirklich erschöpft ist, ein sich schnell drehendes Etwas, welches jetzt, im 21. Jahrhundert wirklich nicht mehr weiter kann. Dieses Ding, jenes Etwas ist auch allgemein hin bekannt als Erde, als blauer Planet, als Erdball, als unser Heimatplanet.

Die Erde kann nicht mehr, sie dreht sich nur noch um des Drehens willen. Wir haben unseren Erdball vollkommen ausgebeutet, leergeräumt und abgewirtschaftet. Der blaue Planet ist nicht mehr blau, er ist am Ende, er ist kaputt und verbraucht.  Und Sie werden jetzt vielleicht lachen, der einzige Nutznießer der von aller Welt verdammten Weltwirtschaftskrise war ausgerechnet unser größtes Sorgenkind. Leider aber nur für ganze zwei Tage. Denn eigentlich hätte die Menschheit ihre zur Verfügung stehenden Ressourcen für 2009 bereits am 23. September verbraucht gehabt, die weltweite Wirtschaftskrise hat dies um zwei Tage hinausgezögert, aber am 25. September 2009 war endgültig Schluß. Wir haben all unsere Rohstoffe für dieses Jahr verbraucht, welche weltweit nachwachsen werden. Sie glauben, dies sind Horrorszenarien eines grünen Apostels, eines einsamen Rufers in der (immer größer werdenden) Wüste ? Wer sich gerne mit harten Zahlen und Fakten beschäftigen möchte, dem empfehle ich in diesem Zusammenhang die brutale Realität in Form des Berichts der Organisation Global Footprint Network.

Die Spezies Mensch in ihrer Gesamtheit befindet sich im sogenannten globalen ökologischen Overshoot, d.h. wir alle haben ein Defizit des natürlichen Kapitals geschaffen. Unsere Nachfrage nach den Ressourcen übersteigt mittlerweite bei weitem die Möglichkeiten der Erde, diese in dementsprechender Quantität und Qualität zu reproduzieren. Dieses ökologische Defizit entsteht dann, wenn der Mensch unserem Heimatplaneten jede Chance auf Regeneration nimmt. Die Überfischung der Meere, die steigende Knappheit unserer Süßwasserreserven, die permanente Verringerung unserer grünen Lungen durch Rodung und Abholzung, das Anwachsen von Müllbergen auf Deponien und mittlerweile besonders in den Weltmeeren und der Klimawandel durch den trotz aller Klimagipfel nicht zu kontrollierenden CO2-Austoss, diese und viele weitere Faktoren haben die Erde an den Rande des Kollapses gebracht.

Wer auf zu großem Fuß lebt, wird irgendwann die Zeche zahlen müssen. Dies gilt für jeden einzelnen Erdenbürger wie auch für die gesamte Menschheit. Und wer dies nicht mehr bewerkstelligen kann, wird schonungslos zur Rechenschaft gezogen. Kredite werden nur solange gewährt, wie sie durch geeignete Hypotheken sichergestellt werden können. Wir haben unseren Kredit verspielt, 2009 bereits am 25. September. Seit diesem Tag haben wir den Welterschöpfungstag für 2009 ausgerufen. Doch anders wie der Muttertag oder Weihnachten wiederholt sich dieser Tag nicht jährlich, er steht vielmehr jeden Tag bis zum 31. Dezember dieses Jahres vor der Türe.

In ca. 40 Jahren wird dieser Welterschöpfungstag bereits Ende Juni an unsere Türen klopfen. Wir alle gemeinsam haben drei Möglichkeiten. Zum einen können wir unsere Augen zumachen und unsere Ohren verschließen, lassen wir ihn klopfen, so laut er will, einfach nicht aufmachen lautet die Devise. Oder wir suchen uns eine neue, eine zweite Erde. Dann beuten wir Erde Nummer 1 bis Ende Juni aus und ab Juli betreiben wir Raubbau an Erde Nummer 2. Es stellt sich nur die Frage, ob wir innerhalb dieses Zeitraumes so einen wunderbaren Planeten noch einmal finden werden. Also bleibt nur noch die dritte Möglichkeit. Wir erkennen den Ernst der Lage.

Staaten, Staatenbündnisse, Entscheidungsträger, Politik und Wirtschaft, aber auch jedes einzelne Individuum müssen ein neues Verständnis für die Erde aufbringen. Verständnis hat mit Verstand zu tun und der wurde uns im Laufe der Evolution mitgegeben, glaubt man zumindest den Verhaltensforschern, Evolutionstheoretikern und all jenen Erscheinungsformen des Homo sapiens, welcher sich dieser Eigenschaft rühmt. Ansonsten stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob die Kakerlaken oder die Ratten nach unserem Verschwinden die neuen Damen und Herren dieser Welt werden. Aber vielleicht machen die es besser, denn auch diese Arten werden schuldenfrei beginnen, wie immer stellt sich nur die Frage nach dem “Wie lange ?”.

27.9.2009

Viel Lärm und Nichts

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:43


Nein, es handelt sich hierbei keinesfalls um einen Schreibfehler und schon gar nicht um eine Neufassung der vor mehr als 400 Jahren entstandenen Komödie von William Shakespeare mit dem Titel “Viel Lärm um Nichts”. Viel Lärm und Nichts bezieht sich vielmehr auf unsere heutige schnelllebige und vor allem laute, lärmende und hektische Umwelt und Gesellschaft. Die ganze Welt telefoniert an allen möglichen und unmöglichen Plätzen, läßt die Mitmenschen dank pinkfarbener Ipods und froschgrüner tragbarer Mini-Stereoanlagen am persönlichen Musikgeschmack teilhaben, erhupt sich das Recht auf freie Fahrt für freie Auto-Bürger, überdimensionale Videoleinwände zeigen uns, was heutzutage in ist, Pop-ups schreien uns an, wer uns auf welcher Dating-Line kennenlernen will und 16:9-Fernseher mit Hochauflösung sagen uns, welche Katze sich mit welchem Katzenfutter am wohlsten fühlt.

Die Welt ist in permanentem Aufruhr. Überall wird verzweifelt versucht, unsere Aufmerksamkeit zu erregen, jeder bittet flehentlich um ein kleines bißchen Schau-mich-an und Hör-mir-zu. Unsichtbare Sprechblasen schweben 24 Stunden am Tag über unseren Köpfen, bestückt mit feinen Ich-weiß-etwas-Nadeln und Das-habe-nur-ich-Nägeln. Wahre Fluten von Informationen ertränken unser Gehirn. Ein lautes Nichts an Werbung, Belanglosigkeiten, Überflüssigem, Trivialem und zerplatzten Hoffnungen und Wünschen.

Wo sind die Zeiten, als ein einzelnes Flugzeug seine einsamen Runden mit einem Werbebanner im Schlepptau über unseren Köpfen zog ? Wer kann sich noch an die Staubsauger-Vertreter erinnern, die mit müden Gesichtern in ihren abgetragenen und zerknitterten Anzügen ihre neuesten Modelle und deren Vorteile an der Haustüre anpriesen ? Wo sind Maria und Willi hingekommen, das alte Ehepaar, das seine Eier jeden Donnerstag von 9.00 Uhr bis 9.30 Uhr in den höchsten Tönen an der Ecke gleich beim Kindergarten lautstark angeboten hat ? Auch Lärm, keine Frage. Aber längst vergangener Lärm, liebenswerter Lärm, ein ganz persönlicher Lärm, nicht anonymisiert, nicht pauschaliert.

Jeden Tag viel Lärm und Nichts. Wir hören viel und hören doch nichts in einer Welt ohne Sprache. Alles spricht, aber keiner redet, jeder schaut, aber keiner sieht. Denken, aber nichts fühlen. Laufen, und doch nicht ans Ziel kommen. Die Welt ist laut geworden.          

23.9.2009

Falsche Propheten

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 02:29

Ich kann es einfach nicht lassen, ich muß meinen Senf dazugeben. Das Pagerank Update September 2009 ist in vollem Gange. Zumindest, wenn ich all den falschen Propheten in unseren heiligen virtuellen Tempeln, auch Internet genannt, Glauben schenken darf. Und dieser Tag der Verpagerankung, also der Verkündung des neuen Pageranks für die wohl behüteten Webprojekte jedes gläubigen Webmasters war der 17. September 2009. Dieses Datum war dazu bestimmt, den Engel des Google-Herrn wieder einmal auf die Webgemeinde loszulassen, auf daß er diejenigen Ungläubigen ins Fegefeuer des Pagerank 0 hinabwerfe. Diese Webmaster, welche all ihr Hab und Gut in gekaufte Backlinks investieren, ihre Großmutter gegen eine Anmeldung der eigenen Webseite bei 20 000 Suchmaschinen und die eigenen Kinder für einen Eintrag im dmoz-Verzeichnis getauscht haben, ja diese Frevler sollen und müssen bestraft werden. Aber diejenigen unter Euch, welche reinen SEO-Herzens sind, dürfen mit der Erlösung rechnen, all denen soll die Gnade eines Pageranks 4, mindestens, wenn  nicht sogar von 18 bis 22, zuteil werden.

Nun gut, wir schreiben zwar immer noch das Jahr 2009, der Kalender spricht immer noch vom September, allein der 17. ist schon lange ins Pagerank-Land gezogen, und von Update keine Spur. Was ist passiert ? Wurde Google still und heimlich aufgekauft, von der Firma “und schlank” ? Heißt dies für die Zukunft, es gibt jetzt keinen Pagerank mehr, sondern einen neuen grünen Balken mit Namen “Rank und schlank” ? Hat vielleicht das Kommando ”Kein Pagerank update am 17.09.2009″ seine Finger im Spiel und wurde dies von der Anti-Terror-Einheit “Saver Pagerank” vollkommen unterschätzt ?

Nein, es ist nicht gar so schlimm. Es haben sich wieder einmal die falschen Propheten am richtigen Platz gefunden. Wie steht schon im Matthäus-Evangelium, Kapitel 24 geschrieben: Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen. Für mich als Agnostiker der etwas härteren Sorte bzw. Atheist der fortschrittlichen Art der blanke Hohn, eine Stelle aus der Bibel zitieren und gleichbedeutend auch zu Hilfe nehmen zu müssen, aber in diesem Fall bleibt selbst mir nur noch die Flucht nach vorne.

Aber für mich als Google-gläubigen Webmaster bleibt nur noch das Pagerank Update als letzte Instanz, sozusagen als jüngstes Gerücht, nein nicht Gericht, von selbsternannten falschen Propheten unters gläubige Volk gestreut. Wenn dieses verda..te Update des grünen Balkens nicht bald kommt, was mache ich dann ? Mein Einfamilienhaus steckt in 12837 Pagerank 1 und in 4312 Pagerank 2 Backlinks. Ich bin zwar bei 22637 Suchmaschinen und gratis dazu in 14278 Artikelverzeichnissen und Webkatalogen angemeldet, Großmutter sei Dank. Der Eintrag im dmoz-Verzeichnis läßt zwar noch etwas auf sich warten, aber dafür habe ich die Kinder vom Hals, die Frau übrigens auch, wobei ich sie eigentlich gegen 50 000 Paidmails eintauschen wollte, aber sie wollte lieber zu unseren Kindern. Und meine Webmaster-Seele gehört seit dem 18. September auch nicht mehr mir, weiß der Teufel, für was ich die schon wieder eingetauscht habe, aber sicherlich nicht gegen einen höheren Pagerank, und schon gar nicht am 17. September 2009, weil da hat der Teufel gerade sein neues Webprojekt “zum-Teufel-mit-dem-pagerank.com” suchmaschinenfreundlich optimiert.       

22.9.2009

Abschied

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 23:53


Es scheint wieder einmal die Zeit gekommen, langsam Abschied zu nehmen. Wieder heißt es, sich von Vertrautem und Neuem zu trennen, leise Lebewohl zu sagen und zu hoffen, daß sich unsere Wege im nächsten Jahr auf wunderbare Weise wieder kreuzen werden. Träge, ja fast gelangweilt fliegt eine Biene an den letzten Farbtupfern vorbei, mißmutig summt sie sich ihren Weg in kleinen Kreisen auf der Suche nach letzten Resten von Blütenpollen, läßt sich für kurze Zeit nieder, um gleich darauf die durch die Sommermonate ausgezehrten Blütenstände zu verlassen und weiterzuziehen. Weit und breit keine summende, fliegende, brummende und hüpfende Konkurrenz, einer der letzten braun-gelben Mohikaner auf dem Weg in die ewigen Bienen-Jagdgründe.

Blätter fallen bedächtig, in teils konzentrischen, dann wieder wiegenden Bahnen lassen sich auf die von Rissen durchzogene Erde nieder, hauchen dem braunen Einerlei der abgeernteten Beete eine letzte Spur von Leben ein, bedecken das vor ein paar Wochen noch vor Kraft strotzende Erdreich mit Grün, Hellbraun, grün-gelb gesprenkelten Tupfern und mit vielerlei Rot- und Orangetönen. Es scheint, als schäme sich die Natur ihrer Verbrauchtheit, ihrer beginnenden Kraftlosigkeit, als wolle sie mit diesem bunt gefärbten Kleid all ihre Unzulänglichkeiten bedecken. Blatt um Blatt fällt, reißt leise erst kleine, dann immer größer werdende Löcher in Hecken, Stauden und Baumkronen, nagt mit scharfen Zähnen am zu Ende gehenden Sommer, um Platz zu machen für den dritten Regenten des ewig gleichen Kreislaufes namens Jahreszeiten.

Eine Spinne sitzt auf in der Spätsommersonne glitzernden hauchdünnen Fäden, im ruhigen Auge ihres Spinnennetz-Zyklons leistet sie keinen Widerstand gegen den unaufhaltsamen Lauf, als wüsste sie in ihrer Gelassenheit, daß ein Davonstehlen nicht in Frage kommt. Letzte Rosenkelche wenden ihre roten und weißen Augen der gelben bereits der Südhalbkugel zustrebenden Sonne zu, eine violette Clematis zeigt noch einmal in einer allerletzten, fast überirdischen Anstrengung all ihre Pracht, um sie zum Bleiben, zum Innehalten zu bewegen. Die warme Nachmittagsluft trägt beschwingt und heiter unsichtbare verführerische Düfte von Oregano, Rosmarin, Basilikum und Zitronenmelisse in alle Ecken und Winkel, ein Potpourri aus Aromen, ätherischen Düften und kurzlebigen würzigen Wellen und süßlichen Strömen.

Riesige Engelstrompeten lassen traurig ihre mit braunen Rändern gefärbten Instrumente hängen, ein welkes Orchester, welches sein kurzes Gastspiel für ein weitere Saison als beendet erklärt und doch zufrieden mit dem Applaus der Nachbarn aus Hibiskus, Petunien, dem von oben herabschauenden Sternjasmin und der selbst als für unschlagbar geltenden Duftkombo aus römischer Laufkamille, welche ihre Geheimnisse erst auf ausdrücklichen Wunsch preisgibt.

Der Abschied fällt schwer, aber er zeigt, wie schön all diese kleinen Tiere, Blüten, Blätter, Hölzer sowie Wind, Wasser und Sonnenlicht zusammenwirken. Also, auf ein Neues, auf ein noch bunteres, noch duftenderes und noch beschwingteres weiteres Jahr, vielleicht mit uns, vielleicht ohne uns, aber hoffentlich in uns.

Wegwarte - Das ewige Warten am Weg

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 03:48


Seit ewigen Zeiten schon steht ein zartes Geschöpf am Wegesrand, erhebt fragend seinen Blick, schaut aus strahlend blauen Augen den Rastlosen und Vorbeieilenden an. Das Blau des Himmels spiegelt sich in ihrem sternenförmigen Auge wider, doch kein Blick findet sich, die Leichtigkeit und Anmut der sich sanft im Sommerwind wiegenden Gestalt zu würdigen. Je sonniger sich die Sommertage zeigen, um so strahlender lächelt sie aus ihren himmelblauen Augen, blickt morgens der aufgehenden Sonne im Osten entgegen, um am Abend ihre Augen im Westen zu schließen, einen neuen Tag erwartend, auf ihren Liebsten wartend. Der Geliebte, lange schon fort, in einen fernen Krieg gezogen, irgendwo im Niemandsland.

Was wie ein Märchen oder unerfüllte Liebe klingt, ist die Geschichte der Wegwarte, eine unscheinbare Blume, welche oftmals am Wegesrand, auf Baustellen und unbebautem Land oder auch im naturbelassenen Bauerngarten wächst. Viele von uns haben die Wegwarte sicherlich schon gesehen, doch wirklich betrachtet haben sie nur wenige. Und doch sind es gerade diese unscheinbaren Pflanzen, welche unsere Beachtung verdienen. Sie stellt nur wenige Ansprüche, klaglos wächst sie auf trockenen, nährstoffarmen Böden, weder Staub noch verlassene Fabrikgelände stören die Wegwarte, sie begnügt sich mit Schotterwegen, Böschungen, Wiesen oder verfallenen Mauern.

Doch trotz all dieser widrigen Umstände besitzt dieses unscheinbare Pflänzchen erstaunliche Fähigkeiten und Kräfte. So wurden bereits Ende des 17. Jahrhunderts die Wurzeln der Wegwarte zum sogenannten Zichorienkaffee verarbeitet, einem Kaffeeersatz, der ebenfalls in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges geschätzt wurde. Daneben findet die Wegwarte in der Naturheilkunde ihre Anwendung, das getrockneten Kraut als Beigabe in Teemischungen hilft gegen Appetitlosigkeit, kräftigt die inneren Organe und wirkt bei Völlegefühl. Das enthaltene Inulin reguliert die Darmflora, fördert die Verdauung und dementsprechend werden diese Inhaltsstoffe der Wegwarte auch bei Diabetes eingesetzt. Es ist nicht notwendig, alle weiteren Vorteile dieses unscheinbaren und doch so herrlichen Sommerschmuckes jetzt aufzuzählen, was mir aber notwendig erscheint, ist die Tatsache, daß selbst solch ein genügsames Pflänzchen mittlerweile unseres Schutzes bedarf.

Immer weniger brach liegendes Land, immer weniger naturbelassene Wiesen, immer mehr betonierte Baustellen und immer breitere Autobahnen zwingen selbst die Wegwarte zum Rückzug. Wer also einmal an einem sommerheißen Nachmittag auf einem staubigen Wegesrand das Gefühl hat, beobachtet zu werden, der möge sich ganz schnell umdrehen. Vielleicht blicken Sie in ein himmelblaues Auge. Und wer ganz genau hinschaut, aber dafür bedarf es viel Zeit, der wird sogar das sanfte Zwinkern bemerken. Und vielleicht, aber dazu bedarf es eines feinen Gehörs, werden Sie diesen blauen Stern wispern hören: “Bist Du derjenige, auf den ich warte ?”

 Die Wegwarte ist übrigens die Blume des Jahres 2009, aber dies nur so ganz nebenbei.         

21.9.2009

Unter Beobachtung

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:07


Ich sitze in der U-Bahn. Ein gutes Buch in beiden Händen, zumindest jedenfalls ein dickes Buch. Aber viele Menschen sind nun einmal der Meinung, je dicker ein Buch, um so besser muß es sein. Man denke nur an das Buch der Bücher, die Bibel, was für ein Umfang, aber welch Inhalt. Aber sei es drum, ich halte also ein gutes, dickes Buch, nicht die Bibel, in meinen Händen. Doch was mache ich ? Ich starre, nicht auf die Buchstaben, nicht auf die Zeilen, ich starre aus dem fahrenden Waggon. Ich lese sozusagen zwischen den Zeilen.

Ich beobachte meine Mitmenschen, suche in den spiegelnden Fenstern nach Gesichtern, schaue mir essende, schlafende, wirklich lesende, telefonierende, gelangweilt schauende, Musik hörende, kurz gesagt schaue mir all diejenigen Menschen an, welche sich in meinem gespiegelten Blickfeld befinden. Gegenstände verlieren ihre Dreidimensionalität, verkümmern zu Länge x Breite, Fahrgäste verblassen hinter schnell vorbeiziehenden Halbrundungen, verschmelzen mit den schwarzen Tunnelwänden, Augen und Nasen werden stakkatoartig von Neonleuchten durchbohrt, zerreißen für Sekundenbruchteile Strukturen und Formen, um gleich darauf wieder im Spiegel einer verkehrten Wirklichkeit aufzutauchen, um abermals von künstlichen Lichtpfeilen durchlöchert zu werden. Immer und immer wieder, bis zur nächsten Station, bis zum Ende runder Schwärzlichkeit.  

Die U-Bahn verläßt für kurze Zeit ihren eigentlichen Bereich, den Untergrund, taucht auf in der überirdischen Welt, um sich für ein paar hundert Meter ihren Weg im Sonnenlicht zu bahnen. Die Spiegel verblassen, versperren mir die Sicht auf meine 180 Grad-Wirklichkeit, Sonnenlicht füllt die Fenster, verhüllt Schein und Sein mit gleißendem Licht. Der Vorhang fällt, für kurze Zeit werden diese Gesichter hörbar, Musik läßt sich dem eben noch Gesehenen zuordnen, Essensgerüche definieren den Sitznachbarn, das Umblättern einer Seite gehört dem Mann mit Bart und Aktenkoffer, die lachende Stimme der jungen Frau mit dem zweidimensionalen Rucksack. Ich nehme mein Buch fester in die Hände, warte auf das “Türen schließen” und das Hinabtauchen des Kokons aus Eisen in seine angestammte Welt aus Kunstlicht und Betonröhren. Der eiserne Lindwurm nimmt Fahrt auf, die Projektionen schwimmen schnell und schneller, das Stakkato aus Neon trommelt immer heftiger auf die Köpfe, reißt Loch um Loch in Augen, Münder und Nasen.

Weiter geht die Fahrt. Gerüche und Geräusche werden wieder sichtbar, lassen sich den bereits bekannten Gesichtern zuordnen, neue Zweidimensionalitäten sind hinzugekommen, kurze Spiegelbekanntschaften verschwunden. Und plötzlich ein Augenpaar, nicht lesend, ein Mund, nicht essend, ein Ohr, nicht telefonierend, zwei Hände, ein Buch umklammernd. Ein Mensch, beobachtend wie ich. Ein anderer Voyeur. Ein Konkurrent, ebenfalls auf der Suche nach dreidimensionaler Zweidimensionalität. 

Beobachten und beobachtet werden, Teil unseres Lebens. Wir wollen sehen, ohne selbst gesehen zu werden, wollen schauen, ohne selbst anschauen zu müssen. Wir wollen erkunden, ohne selbst etwas preisgeben zu müssen, wir sind Voyeure in einer voyeuristischen Welt. Aber Vorsicht, es gibt immer einen, der uns bei unseren Beobachtungen beobachtet, auch wenn wir glauben, unerkannt in einem schwarzen Tunnel zu sitzen.           

17.9.2009

Geld verdienen mit Gevatter Tod

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 21:51


Wenn es eine wirkliche Geldmaschine gibt, dann wohl nur die namens Tod. Mit dem Tod, am besten mit dem eigenen, läßt sich auf einfachste, unkomplizierteste und wohl müheloseste Weise Geld verdienen, nachhaltig und ein Leben lang. Nicht das eigene Leben lang, schließlich haben wir dieses zugunsten uneingeschränkter Einkommensmöglichkeiten geopfert, denn ein gewisses Opfer müssen wir selbstverständlich bringen, aber wie heißt es so schön: Nicht einmal der Tod ist umsonst, denn der kostet das Leben.

Was bringt mich aber nun auf solch ein destruktives Gedankengut, zumindest wenn es um die allgemeingültige Meinung der am Leben Hängenden geht ? Ich will mich keinesfalls mit fremden Lorbeeren schmücken, aber Auslöser dieses Gedankenganges war der nun nicht mehr unter den Leben weilende King of Pop mit Namen Michael Jackson, welcher von Gevatter Tod freundlich, aber bestimmt dazu aufgefordert wurde, durch die Pforten seines Hauses zu treten. Naja, ob der Sensenmann eine freundliche Art hat, wird wohl jeder von uns selbst entscheiden müssen, spätestens dann, wenn es an uns ist, selbst über die Schwelle seines Hauses zu treten.

Eines ist aber unbestritten. Je kleiner das Lebenslicht von Michael Jackson brannte, desto größer strahlten seine Erfolge. Und da Erfolg in unserer heutigen Gesellschaft hauptsächlich nach monetären Gesichtspunkten gemessen wird, hat sich Michael Jackson selig mittlerweile zu einem Kernreaktor außer Kontrolle entwickelt. Liebe Lesergemeinde, Sie dürfen sich das Verlöschen des King-of-Pop-Lebenslichtes jetzt nicht als einen langsamen Prozess vorstellen, nein es ist wie dieses “Der Letzte macht das Licht aus !” und in dem Fall war eben Michael Jackson derjenige welcher. Doch auch diese Lorbeeren mit dem Lebenslicht kann ich mir nicht unbescholten auf mein kahlköpfiges Haupt setzen, die Assoziation der Geldmaschine Michael Jackson und Gevatter Tod habe ich durch die Gebrüder Grimm gefunden. Vielleicht kennt noch die Eine oder der Andere, es müsste sich dabei allerdings schon um etwas ältere Leser handeln, denn wer liest denn noch heutzutage und Märchen sind etwas im heutigen Alltag, welche hauptsächlich in Politik und Hochfinanz zum Besten gegeben werden. Gevatter Tod ist solch ein Kleinod, geschrieben von den Gebrüdern Grimm. Nein, liebe Leserschaft der Generation neu und ganz neu, es handelt sich dabei weder um eine Boygroup aus dem Musikbusiness, auch wenn wir gerade über Michael Jackson sprechen, noch sind die Gebrüder Grimm Vertreter der sogenannten Molekularküche. Sie wissen schon, Köche, denen das Leben ganz furchbar übel mitgespielt hat, eigentlich wollten diese Menschen Biochemiker oder Astrophysiker werden, aber die Studiengebühren waren einfach zu hoch, also blieb nur noch der Weg in die Küche.

So, jetzt bin aber wieder einmal gehörig vom Thema abgekommen, wir haben vor lauter essbaren Molekülen völlig den Zeitpunkt verpasst, als der King of Pop plötzlich im Finsteren stand, nicht er persönlich, aber eben seine irdische Hülle oder das, was nach seinen unzähligen Operationen zum Wohle der Schönheit noch übrig geblieben ist. Da standen sie nun, der tote King, der glückliche Gevatter und das rauchende Lebenslicht vom ehemals lebenden King. Und jetzt greifen endlich die Mechanismen der Propaganda Geldmaschine.

Also, ich stelle mir das einmal so vor. Dazu muß ich aber noch einmal zurückkommen auf die Gebrüder Grimm und das Märchen vom Gevatter Tod. Dort suchte ein hoffnungslos überforderter Vater, der bereit stolzer Erzeuger von zwölf Kindern war, für das dreizehntes Produkt seiner Lenden einen Paten, einen Gevatter. Zuerst lief ihm der liebe Gott über den Weg, den wollte er aber nicht, da der Vater der nicht einmal von der Hand zu weisenden Meinung war, dieser bevorzuge die Reichen, anstatt den Armen unter die Arme zu greifen. Übertragen auf Michael Jackson wäre jetzt denkbar, daß dieser zum lieben Gott gesagt hat: “Dich nehme ich sicher nicht, denn Du hast mich dunkelweiß anstatt reinweiß in die Welt geschickt !” Dann begegnete Klein-Michael dem Teufel, doch wiederum schlug er das Angebot der Patenschaft aus, dieses Mal mit der Begründung, der Teufel lüge und betrüge. Der King of Pop hatte also einen Boxpromoter kennengelernt, der wahrscheinlich T. Eufel hieß. Da aber bekanntlich aller guten Dinge drei sind, war diese dritte Begegnung diejenige mit dem Gevatter Tod. Zähe Verhandlungen, ein Hin und Her, Paragraphen-Reiterei, endlose Ablösegespräche und dann endlich das Argument, mit welchem der Sensenmann punkten konnte, welches da lautete: “Ich mache alle Menschen gleich. Ich kenne keine Unterschiede !” Das gefiel dem King of Pop und er unterschrieb den Vertrag. Und damit Michael Jackson sah, daß es dem Tod ernst war mit seiner Aussage, gab er ihm das Versprechen, ihn genauso berühmt zu machen wie den King of Rock, also Elvis Presley. Aber natürlich erst nach seinem Tod und wie gesagt, der kostet eben das Leben. Aber die Lebenden verdienen jetzt wenigstens so richtig Geld, mit Michael und selbstverständlich immer noch mit Elvis. Und wenn sie (noch) nicht gestorben sind, dann streiten sie noch heute. Über Tantiemen, Wiederverkaufsrechte, Wiederverwertungsrechte und weiß der Teufel über was alles. Ach nein, der ist ja im Boxgeschäft.           

16.9.2009

Jugendliebe, die Liebe ohne Zukunft

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 22:47


Nein, liebe Leser, der Titel klingt weit pessimistischer als die nun folgenden Zeilen. Und doch ist die Jugendliebe in den meisten Fällen eine Liebe ohne Zukunft, zumindest wenn sich Jugendliche überhaupt Gedanken über die Zukunft machen. Ich war auf jeden Fall einer dieser Jugendlichen, wichtig ist nur das Hier und Heute. Eine Jugendliebe hat fast immer ein Ablaufdatum, haltbar bis…. Und doch erinnert sich fast jeder Mensch irgendwann, in meinem Fall jetzt gerade, an diese erste, einzige, große, immer währende, ewige Treue schwörende Liebe zurück. Meist genau dann, wenn der Zeitpunkt überhaupt nicht passt, schleicht sie sich in unsere Gedanken, lange schon vorbei, lange schon unter unzähligen Liebeleien und weiteren großen Lieben begraben läßt sich diese sogenannte Jugendliebe nicht begraben, nicht vergessen und schon gar nicht aus unserem Gehirn löschen.

Was macht aber das Phänomen Jugendliebe überhaupt so einzigartig, dass sie sich auf ewig und immer in unserem Unterbewußtsein eingräbt ? Warum können wir diese jugendliche Dummheit, diesen bereits lange gebrochenen Treueschwur, diese mit vielen Tränen und dem ersten Trennungsschmerz verbundene Erfahrung des Heranwachsenden nicht einfach wie so viele Dingen einfach ad acta legen und unter dem Sand des Vergessens begraben ? Wo liegt der tiefere Sinn, sich mit einem menschlichen Wesen gedanklich immer wieder zu beschäftigen, welchem ich und welches mir immerwährende Treue schwor, obwohl schon dieser Mensch in vielen Fällen seit langer Zeit aus unserem Gesichtsfeld verschwunden ist ?

Meine Jugendliebe liegt nun bereits fast 30 Jahre zurück, ich habe danach viele andere Menschen kennengelernt, viele Erfahrungen gemacht, viele weiteren Dummheiten gemacht und noch mehr Menschen und Gesichter wieder aus meinem Blickfeld und Gedächtnis verloren, gestrichen oder ganz einfach aus den Augen verloren. Aber diese erste Liebe, diese Jugendliebe war von elementarer Bedeutung für meine heutige gefestigte, verfestigte und in sich ruhende Ehe mit der besten Ehefrau der Welt. Ich bin meiner Jugendliebe dankbar, denn sie war der Anbeginn eines langen Lern- und Selbstfindungsprozesses, der Beginn einer langen Zeit freud- und leidvollerErfahrungen. Die Jugendliebe war aber auch der Start in die Welt der Erwachsenen, das Auseinandersetzen mit Funktionalitäten, wie sie zu jeder Partnerschaft gehören.

Keine Frage, für mich war diese erste tränenreiche, glückselige und doch nur sehr kurze Episode der Jugendliebe das Fundament für meine heutige Ehe. Also sage ich danke liebe, äh, naja manchmal vergesse ich doch schon mehr als mir lieb ist. Aber auf jeden Fall trotzdem wie auch immer du heisst, es war eine schöne Erfahrung, naja, zumindest glaube ich dies.          

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