Kindheitserinnerungen



Was treibt einen Mann wie mich, welcher bereits weit mehr als 40 Jahre auf dieser schönen Welt verbracht hat, dazu, in Kindheitserinnerungen zu schwelgen ? Auf die Idee hat mich eigentlich die Webseite swapy.de gebracht, eine Tauschbörse für Spielzeug. Abgesehen davon, dass ich mich mit dieser Materie schon seit Jahrzehnten nicht mehr befasse, wäre es mir gar nicht möglich, aktiv an solch einer Tauschbörse mitzumachen.

Denn der Zahn der Zeit hat nicht nur an mir selbst, sondern natürlich an all meinen ehemals kostbarsten Schätzen genagt, ist sozusagen in den Jahrzehnten ewiger Unrast stumpf geworden, hat sich abgenutzt und ist schließlich vollkommen ausgefallen. Die Spielsachen meiner Kindheit sind verschwunden, haben sich unmerklich aufgelöst in den vielen Umzugskisten, leeren Schubladen und staubigen Kellerverliesen. Anfangs gehütet wie mein Augapfel, sorgsam darauf bedacht, keines dieser Kleinode zu beschädigen oder noch schlimmer, zu verlieren, sind nun, nach vielen Jahren nur noch die Erinnerungen geblieben. Erinnerungen an das, was mich viele Jahre meines frühen, ja meines früheren Lebens begleitet hat. Und auch diese immateriellen Spielsachen, dieses Spielzeug meiner Gedanken verblasst immer mehr, macht Platz für scheinbar wichtigere Dinge, welche ihren Platz in meinen Gehirnwindungen beanspruchen.

Der Staub der Jahre, in welchen ich mich zu einem Lebewesen entwickelt habe, welches keinen Platz mehr hat für Spielereien,  hat all diese schönen Dinge bedeckt, unmerklich mit einer feinen Schicht des Vergessens. Was ist nun übrig von meinem ersten Fahrrad, ich glaube mit 3-Gang-Schaltung, wo sind all die bunten Lego-Bausteine geblieben, wer hat meinen Steiff-Teddybären gesehen, ohne den an kindlichen Schlaf nicht zu denken war, sobald das Licht im Kinderzimmer erlosch. Wo sind sie hin, die kleinen Figuren in den Überraschungseiern, wer hat meinen Chemiebaukasten gesehen ? Ich weiߠnicht, wem ich diese Frage jetzt noch stellen könnte.

Der Mensch sagt, die Zeit heilt alle Wunden, so wie all die aufgeschlagenen Kniescheiben vom Badesee, Armbrüche vom Baumklettern und Verletzungen beim Fussballspielen bei mir selbst heilten. Damals gab es noch keine Computer, keine Playstation, das Wort Satellitenfernsehen wurde noch nicht einmal gedacht und wer sich mit seinen Freunden unterhalten wollte, ging auf die Strasse, nicht in den Chatroom. Wir haben unsere Gedanken persönlich ausgetauscht, wir haben nicht in einer virtuellen Welt voller imaginärer Avatare gelebt.

War diese Zeit schöner als die heutige, techniküberladene, von Glasfaserkabeln zerschnittenen Natur. Ich weiß es nicht, aber diese Zeit meiner Kindheit war zumindest anders. Sie war nicht so laut, wenngleich die heutigen Unterhaltungen der Jugend nur von leisem Tastenklicken begleitet werden. Unser damaliges Spielzeug wurde fachmännisch begutachtet, Lob und Tadel erfolgten in direktem Austausch und auch der Tauschhandel war einfacher. Wir tauschten das, was wir mit unseren kindlichen Augen sahen, worauf sich unseren begehrlichen Blicke richteten. Ein Papa-Schlumpf aus einem Überraschungsei war damals mindestens drei Schlumpfinchen wert, ja mit der Gleichbehandlung von Mann und Frau nahmen wir es damals nicht so genau. Und wer einen Fußballer wie Hans Krankl, damals wie heute ein Idol in Österreich, Sie wissen schon warum, dieses Cordoba-Trauma von 1978, als Aufkleber sein eigen nennen wollte, der musste schon sehr tief in seine zerrissenen Hosentaschen greifen. Der war wie ein Sechser im Lotto, praktisch unbezahlbar, je nach Tageskurs musste man für einen Krankl mindestens die komplette deutsche Nationalmannschaft eintauschen. Ja, die Zeiten damals waren wunderbar, nicht nur für den österreichischen Fussball.

Wir hatten selbstverständlich damals noch weit wertvollere Dinge als handbemalte Schlümpfe und selbstklebende Fussballspieler. Wer wirklich etwas auf sich hielt mit 8 Jahren, musste mindestens schon Hauseigentümer sein. Kein Reihenhaus, wie heutzutage, nein wir hatten alle unser eigenes Baumhaus. Ein Mann ohne eigenes Baumhaus war damals kein echter Mann, wie sollte der schon die kleine Sophia vom Nachbarshaus mit all ihren Puppen beschützen können, wenn er nicht einmal 400 Nägel in die alte Linde beim Sportplatz schlagen konnte, ohne dass zumindest ein Brett ohne zu wackeln hielt ?  Das einzige Problem bei all unserer Häuslebauer-Mentalität war die Tatsache, dem Großvater beizubringen, daß mindestens weitere 12 000 Nägel für den Rest des Baumhauses benötigt werden. Und wenn dann alles in lichten Höhen stand, verbunden mit Nägeln, Draht und alten Kuhstricken, ein Schnäppchen vom jüngsten Sproß der Bauernfamilie, 5 Meter Seil gegen eine Fahrradkette und das Versprechen, beim Ausmisten zu helfen, ja dann kehrte Frieden ein in unserem kindliches Idyll. Zumindest solange, bis einer 12 Murmeln gegen den Hammer vom Opa tauschen wollte, man stelle sich das einmal vor, lächerliche 12 Murmeln gegen einen echten Hammer. Aus den 12 wurden dann 14 und eine Watschn, also Ohrfeige, vom Opa für den „verlorenen“ Hammer gab es zusätzlich, vollkommen gratis und frei Haus.

Und abends, wenn im Kinderzimmer das Licht verlöschte, lagen wir da, dachten an all unsere Schätze, vergraben im Wald unter unserem Baumhaus und die Augen wurden schwer. Und dann, einen kurzen Moment, bevor uns unsere kindlichen Träume gefangen nahmen, da wussten wir, das war wieder ein guter Tag. 14 Murmeln mehr, die komplette deutsche Nationalmannschaft in unserem Besitz, neben der kleinen Sophia drei weitere Freundinnen namens Schlumpfinchen 1, 2 und 3 und natürlich diese sagenhafte Watschn vom Opa.  

      


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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