Es ist, was es ist 1



Liebe Webgemeinde,

wir haben es getan. Wer jetzt sofort wissen möchte, was wir getan haben, der gehe hier weiter. Für alle anderen gibt es unten den Link noch einmal. Wir, damit meine ich die beste Ehefrau der Welt und mich höchstpersönlich. Was war der Anlass für dieses Unterfangen ? Naja, unser in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrender Hochzeitstag. Die beste Ehefrau hat mir förmlich das Messer auf die Brust gesetzt. Eines schönen Tages, viele Wochen vor besagtem immer wiederkehrenden Tage sprach sie zu mir: „Was machen wir zu unserem Hochzeitstag ?“ Zwei unscheinbare Worte in einer eigentlich relativ einfachen Fragestellung, nämlich das „wir“ und dann dieses ominöse „machen“. Weit gefehlt, lieber mitleidender selbst verheirateter Ehemann, liebe schadenfroh grinsende verheiratete Ehefrau. Kein einfacher Satz, sondern ein mörderisches, zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite das messerscharfe „wir“und als Antipode dazu das „machen“.

Jeder in den Abgründen der Ehe Geübte wird sofort erkennen, dass es sich hierbei nicht um die Fragestellung „Machen wir…?“ geht, sondern um den knallharten Ehe-Imperativ „Wir machen !“. Die beinharte Aufforderungsform, der erbarmungslose Befehl der Herrin an ihren Sklaven. Ich glaube langsam, Ludwig XIV hat sein berühmt-berüchtigtes „L´état, c´est moi !“, sein „Der Staat, das bin ich !“  in weiser Voraussicht ausgesprochen, um mich zu warnen. Warum habe ich die Zeichen der Zeit nicht besser verstanden, warum habe ich die französische Geschichte immer falsch interpretiert.

Doch sei´s drum: Es ist, was es ist. Übrigens ein wunderschönes Gedicht von Erich Fried, welches immer mit den Zeilen : “ … Es ist was es ist sagt die Liebe“ endet“. Doch zurück zum Thema, weg vom französischen Sonnenkönig und Erich Fried, hin zu meinem eigenen Dilemma namens „Wir machen !“. Hochzeitstag, natürlich, ein wunderschöner Blumenstrauss, mit einem wunderschönen Rote-Rosen-Billet und den phantastischen, noch nie geschriebenen Worten: Ich liebe Dich, mein Schatz, alles Gute zum Hochzeitstag. Das hat es noch nie gegeben, das ist der Hammer, die Überraschung schlechthin. Die Freude über meine gelungene Lösung all meiner Probleme hielt etwa vier Minuten, dann überkamen mich erste Zweifel. Was, wenn ein anderer Ehemann schon einmal auf solch eine sensationelle Idee gekommen ist, was, wenn ich doch nicht der erste bin, dem dieser grandiose Einfall kam.

Zweifel nagten an und besonders in mir. Nein, es musste etwas wirklich noch nie Dagewesenes her, etwas, womit ich mein Ehe-Universum zum Beben bringe, ein Beben, welches die beste Ehefrau der Welt zu Tränen rührt, sie aus ihrer Verankerung förmlich raushaut. Das ist es, ich werde meine Gattin zum Essen einladen, ich werde mich in meinen Hochzeitsanzug zwängen, ich muss natürlich erst nachfragen, wo der überhaupt ist, und dann werde ich zu meiner Liebsten sagen: „So, heute lassen wir es so richtig krachen, heute gehen wir essen, nur wir beide, ohne Kinder, ohne Katze, ohne Sinn und Verstand ! Gleich um die Ecke hat ein neuer Chinese aufgesperrt, der soll ein Super-Selbstbedienungsbuffet haben. Essen, soviel Du willst, um 6,90 Euro. Und das Beste, wir brauchen nicht einmal das Auto, kein Stress, keine Parkplatzsuche, keine Benzinkosten.“ Ich wusste doch, auf mich ist einfach Verlass, wenn es drauf ankommt, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu treffen, bin ich der Größte, fast schon auf einer Stufe mit dem Sonnenkönig. Meine Freude hielt sieben Minuten, erste Zweifel nagten an mir und meinem von jahrelangem Eheleben zermürbten Selbstvertrauen. Die Freude schmolz dahin wie die Gletscher an Süd- und Nordpol, wahre Sturzbäche ergossen sich über mich und meine Entscheidungsfreudigkeit, höhlten mich förmlich aus, fraßen sich in mein Innerstes. Zurück blieb die alles entscheidende Frage: Was, wenn diese in meinen von der Ehe getrübten Augen sensationelle Idee doch schon einmal ein krankes Ehemann-Gehirn ausgebrütet hat, was wenn ich wieder nicht derjenige bin, welcher diesen Hochzeitstag auf diese einzigartige Weise begeht ?

Es ist, was es ist. Ich schrieb eingangs, wir haben es getan. Ich habe weder Blumen gekauft, ich habe meine beste Ehefrau der Welt nicht zum Essen eingeladen. Ich habe sie in das Auto gepackt, habe ihr vorgegeben, wie sie zu fahren hat, meine Gattin ist nämlich die eindeutig bessere Autofahrerin von uns beiden und dann, ja dann habe ich meiner Frau einen schon lange gehegten Wunsch erfüllt: Wir waren beide Fallschirmspringen. Warum Fallschirmspringen ? Warum zum Hochzeitstag ? Warum keine Blumen, warum kein Essen ? Weil ich meiner Frau noch zuhöre, zumindest manchmal. Und da meine Frau diesen Wunsch schon lange hatte, habe ich ihn erfüllt. Liebe Ehemänner, wir beide, meine Frau und ich waren nach diesem Sprung, diesem schier endlosen Fallen die glücklichsten Menschen dieser Welt. Es war ein Traum, ein gemeinsamer Traum, es war im wörtlichen Sinne ein Schweben auf Wolke sieben. Es war ein wunderschöner, vielleicht der schönste Hochzeitstag bis jetzt.

Und warum ? Weil ich meiner Frau noch zuhören kann, manchmal zumindest. Und weil ich meine Frau glücklich machen will, nicht mit Blumen, nicht mit Essen, sondern mit solchen Dingen, welche meiner Frau wichtig sind. Und wenn die beste Ehefrau der Welt glücklich ist, bin ich es ebenfalls.

Übrigens, nächste Jahr habe ich wieder Hochzeitstag. Und ich weiß jetzt schon, was wir dann machen werden. Meine Frau weiß es noch nicht, zumindest nicht von mir. Aber es genügt, dass ich es weiß. Und ich hoffe, daß wir dann wieder einen dieser glücklichen Tage verbringen werden, von denen es leider viel zuwenige in unserer heutigen Zeit gibt. Aber es sind diese Erlebnisse, diese Erfahrungen, diese Gemeinsamkeiten, welche uns zusammenschweissen, hoffentlich noch eine lange Zeit.

So sage ich auf diesem Wege: Danke, daß es Dich gibt und danke, daß ausgerechnet ich Dich kennenlernen und heiraten durfte. Ich liebe Dich, Du beste Ehefrau der Welt namens Gabi. So, und nun noch einmal der versprochene Link zum Fallschirmspringen mit dem Titel „Ikarus der Moderne„.

     


Über Paul Boegle

Bio Natur - Der Weblog, warum dieser Blog und warum gerade ich ? Ich gehöre mittlerweile einer Generation an, welche einerseits noch ohne Internet ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, andererseits aber auch durch berufliche Notwendigkeit, das Interesse am Medium Internet und nicht zuletzt durch die Kinder aktiv das www nutze. Ist das nun gut oder schlecht ? Wie so vieles im Leben ist auch das Internet ein zweischneidiges Schwert. Ich denke oft mit Wehmut an eben diese lang zurückliegende Zeit, als Kinder noch mit Fußballspielen oder Indianer und Cowboy ihre Freizeit verbrachten. Viele meiner Generation halten diese Art von Freizeitbeschäftigung als wesentlich sinnvoller, da sie für die Förderung sozialer Kontakte als auch für die Gesundheit, man denke nur an Übergewicht oder die zunehmende Isolation der heutigen Jugend, doch wesentlich förderlicher sind als der tagtägliche Gebrauch des Mediums Internet. Andererseits sehe ich aber auch die Notwendigkeit, daß viele Themen wie eben auch das Gebiet Bio und Natur eine wesentlich größere Resonanz und Verbreitung durch die globale Verlinkung erfahren. Informationen können per Klick abgerufen und Wissenswertes kann von zuhause aus recherchiert werden. Ein weiterer Vorteil für jeden Webmaster ist dementsprechend auch die Möglichkeit, eigene Webseitenprojekte, in diesem Fall http://www.bio-natur.at, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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