Panem et circenses

Warum dieses lateinische Sprichwort des römischen Dichters Juvenal, wo doch die ganze Welt nur von Brot und (Zirkus)Spielen spricht? Ganz einfach: Ich bin mit meinem Latein am Ende!
Sie wollen den Grund wissen?
Weil mir einfach jetzt, in Zeiten einer weltumspannenden Wirtschaftskrise, einer globalen Rezession, einer allgegenwärtigen Depression, weil mir im Moment alles spanisch vorkommt. Nicht daß ich des Spanischen mächtig wäre, aber doch ist Spanien, genauer gesagt die wunderschöne Metropole Madrid, der Auslöser für mein lateinisches Ende, symbolisch gesprochen.
Knackpunkt meiner folgenden Überlegungen ist ein junger Mann von gerade einmal 24 Jahren mit Namen Christiano Ronaldo. Diesem jungen Portugiesen wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, im Olymp der Fußballgötter alle bisherigen Anwärter auf die Regentschaft vom Thron zu stossen, um selbst darauf Platz zu nehmen.
Ich bin deshalb mit meinem anfangs erwähnten Latein am Ende, weil mir spanisch vorkommt, daß ein portugiesisch sprechender junger Mann, welcher bisher bei einem englischen Fußballclub unter Vertrag stand, den Olymp, also jenen Himmel der griechischen Antike, um eine Summe von 93 Millionen Euro besteigen musste, bei der selbst mir meine mit österreichischem Akzent gezuckerte deutsche Sprache wegbleibt.
Lieber Leser, sehen Sie, welch babylonisches Sprachgewirr entstehen kann, wenn sich unsere Erdkugel auf eine kleine Fußballkugel minimiert.
Warum ließ sich aber gerade Real Madrid herab, der modernen Sklaverei einen neuen Namen zu geben ? Eigentlich leicht zu erklären ! Die Natur des Menschen, und da unterscheiden wir uns in keiner Weise von den Tieren, ist nun einmal bestrebt, den Besten und Stärksten zu suchen. Und wenn der subjektiv Stärkste und Beste dann auch noch die Massen und in weiterer Folge die Kassen zum rotieren bringt, ja dann handelt es sich um ein von Gott gegebenes Geschenk in Form eines neuen Heilsbringers. Sollten einige unter uns weder an göttliche Wunder glauben, wollen wir den jungen Mann doch der Einfachheit halber als Außerirdischen bezeichnen. Ehre, wem Ehre gebührt ! Doch warum Außerirdischer, weshalb soll jener Ronaldo ein E.T. des runden Leders sein, ein Alien auf grünem Rasen, ein Mr. Spock der Champions League ? Leicht erklärt.
Die in Diensten dieser Mannschaft stehenden Männer werden im Volksmund auch die “Galaktischen” genannt. Also Menschen, welche sowieso schon außerhalb jeder irdischen Vorstellungskraft stehen, abgesehen einmal davon, wenn es um den Terminus Geld verdienen geht. Und diese mit höheren (Fußball)Weihen Gesegneten haben nun mit Christiano Ronaldo ihren wirklichen Mega-Galaktischen gefunden.
Real Madrid wird auch das “Weisse Ballett” genannt. Ein Ballett, eine Tanztruppe junger Männer, permanent von den hungrigen Massen zum Tanz aufgefordert, zum Tanz auf dem sprichwörtlichen Vulkan. Panem et circenses, Brot und Spiele. Moderne Gladiatoren in einem auf Fußballgröße begrenzten unwirklichen Mikrokosmos. Panem et circenses, das Brot ist leider aus, es leben die Spiele.
Was macht es da schon, daß es im Jahre 2009 ca. 930 Millionen hungernde Menschen gibt. Umgerechnet auf die kolportierte Ablösesumme, welche die Spanier an die Engländer für den Portugiesen, Verzeihung Außerirdischen, zahlen mussten, sind dies gerade einmal 10 Cent pro hungerndem Menschen. Eine verschwindend geringe Summe für ein Menschenleben, nicht der Rede wert, unsere heile (Fußball)Welt aus ihren schwarz-weissen Angeln zu heben.
Lassen wir also weiterhin elf gegen elf moderne Gladiatoren ihren martialischen Kampf zu unserer Belustigung austragen und bitten wir die 930 Millionen nicht-galaktischen Menschen, ihren Überlebenskampf in ihren eigenen Welt auszutragen.
Denn spielen können sie auch ohne Brot, mit ihrem Hunger, mit ihrem Leid, mit ihrem Leben. Schließlich ist jeder von ihnen nur lächerliche 10 Cent wert, rein rechnerisch gesehen !

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