Bio Natur - Der Weblog

28.7.2009

Lieblingsplatz

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 09:48


Braucht jeder Mensch seinen ganz persönlichen Lieblingsplatz ? Ich glaube schon, ich denke: Ja ! Denn wenn wir uns schon jeden Tag gegenseitig “fertigmachen”, sei es in der immer härter werdenden Arbeitswelt,in welcher das Gebot Geld verdienen oberste Priorität hat,  im teilweise immer brutaleren Dschungel der Großstadt oder auch durch die fehlenden Grünzonen unserer Umwelt, welche zugunsten von Stahlbeton und riesigen verspiegelten Fassaden weichen müssen.

Wo aber sind diese sagenumwobenen Lieblingsplätze der Spezies Homo sapiens ? Sie sind überall, es gibt soviele Lieblingsplätze wie Menschen auf diesem Planeten namens Erde leben. Und mittlerweile leben knapp 7 Milliarden dieser Gattung auf dem Erdball, zumindest wenn wir uns an die allgegenwärtigen Statistiken halten. Da gibt es natürlich die verschiedensten Ansichten, jetzt wird es übrigens ein bißchen Wienerisch.  Manche dieser Erdenbürger verbringen ihre Zeit am liebsten beim Wirten oder beim Würstelstand, eine typische Freizeitbeschäftigung des österreichischen Hauptstadtbewohners. Und im Sommer dementsprechend im Schanigarten oder im Gastgarten. Ein Gastgarten ist ein Biergarten, also das “Freigehege” einer Gaststätte, während ein Schanigarten auf öffentlichem Grund steht, in vielen Fällen Tische und Sessel vor einem Kaffeehaus. Und wer sich in Wien nicht sicher ist, wann die Uhren von der Winter- auf die Sommerzeit umgestellt werden, ein simples Prinzip, das sogenannte Schanigarten-Prinzip, hilft uns: Wenn der Schanigarten vor dem Kaffeehaus aufgebaut wird, beginnt die Sommerzeit. Und wenn wir sehen, dass Tische und Sessel wieder weggeräumt werden, ist es höchste Zeit, die Uhren wieder um eine Stunde vorzustellen. Oder war es um eine Stunde zurück ? Sei´s drum, auf meinem ganz persönlichen Lieblingsplatz vergeht die Zeit sowieso viel zu schnell. Und in Wien gehen die Uhren überhaupt ganz anders, eigentlich immer viel langsamer als an anderen Orten dieser Welt. Nur wenn es um´s Raunzen geht, da ist der Wiener der Allerschnellste, da heißt es von 0 auf 100 in Sekundenschnelle, so schnell kann sich der Sekunderzeiger gar nicht weiterdrehen.

Ach, Sie wissen gar nicht, was “raunzen” heißt ? Macht nichts, spätestens wenn Sie sich auf die Suche nach den Lieblingsplätzen der Wiener begeben, wenn Sie sich also auf den Wiener Zentralfriedhof begeben, denn das ist einmal auf alle Fälle DER Lieblingsplatz der Wiener, ja spätestens dann werden Sie rauzende Wiener kennenlernen. Und wenn Sie so mutig sind, nach dem Weg dorthin zu fragen, am besten natürlich einen unschuldig dreinblickenden Menschen dieser wunderbaren Stadt, dann wissen Sie wirklich, was Raunzen heißt. Übrigens, auf dem Zentralfriedhof raunzen sogar die Toten, im Sommer, weil es ihnen zu heiß ist, im Winter, weil es zu kalt ist und das restliche Jahr über, weil es sonst nichts zum Raunzen gibt. Und wenn Sie Wien wieder verlassen, werden auch Sie vielleicht ein bißchen raunzen, sei es nur, weil Sie die ewigen Raunzer vermissen werden.

So, wer jetzt wissen möchte, wo mein Lieblingsplatz ist, abgesehen natürlich vom Zentralfriedhof, dem habe ich natürlich noch ein Foto bereitgestellt. Hier wird Kaffee und Tee genossen, hier werden Gedanken ausgetauscht und hier vergesse ich, daß meine biologische Uhr unaufhaltsam tickt.

Mein Lieblingsplatz

Lieber Leser, nicht jeder hat die Möglichkeit, auf der eigenen Terrasse zu sitzen. Aber die Phantasie ist ein guter Freund und wenn Sie glauben, Sie wurden vom Leben nicht so reich beschenkt wie ich oder wenn Sie wieder einmal im Fernsehen die Lieblingsplätze der Reichen und Schönen sehen und sich ebenfalls solch einen wunderschönen Ort wünschen, denken Sie wie ich vielleicht an folgendes: 14 Prozent unserer Mitbürger leben unterhalb der Armutsgrenze, Tendenz steigend. Und deren Lieblingsplatz ist weder beim Würstelstand noch im Gastgarten. Wer sich bei uns eine Käsekrainer, auch Eitrige genannt, beim Würstelstand bestellt, wünscht dazu ein Scherzel, den Brotanschnitt. Millionen von Menschen würden sich nur das sogenannte Scherzel wünschen, ohne Wurst, ohne Senf, ohne Teller. Das nennt sich dann Brot für die Welt. Denken wir also gemeinsam daran, wenn wir wieder einmal auf unserem Lieblingsplatz sitzen, liegen, stehen.

Herzlichst, Ihr Paul Bögle aus Wien.

14.7.2009

Ikarus der Moderne

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 02:04

Ein kurzer Moment der Schwerelosigkeit oder Vom Sieg der Schwerkraft

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Wie in Zeitlupe schwebe ich dahin, träume mit offenen Augen, lasse mich fallen, falle immer schneller, immer tiefer. Die Zeit steht still, Sekunden vergehen, ohne wirklich vergangen zu sein. Die Welt hört auf zu atmen, eisige Stille umfängt mich, umschließt meinen Körper, beginnt, alle Dimensionen einzufrieren. Wie in Trance gleite ich dahin, bin eins mit mir, Gedanken hören auf, noch ehe sie zu Ende gedacht sind.

Ich bin alleine, gefangen in einer Welt aus gefrorener Zeit, in einer Welt vollkommener Schwerelosigkeit. Die menschliche Seele wird schwer in diesem
Kosmos aus Schwerelosigkeit, mein Körper hört auf, gegen die Schwerkraft anzukämpfen. Es ist, als hielte die Natur ihren eisigen Atem an.

Liege ich auf dem Rücken, auf dem Bauch, horizontal, vertikal ? Ich weiß es nicht, will es nicht wissen. Atme ich durch die Nase, durch den Mund, atme ich überhaupt ? Ich weiß es nicht, will es nicht wissen. Bin ich still, schreie ich ? Ich weiß es nicht, will es nicht wissen. So muß sich Ikarus gefühlt haben, als er sich aufmachte, für einen kurzen Moment der Sonne näher zu sein als der Erde. Für einen Wimpernschlag glaube auch ich, auf den Spuren des Ikarus zu wandeln, für einen kurzen Moment bin ich dem Himmel näher als der Erde. Bis mich ein großer weißer Vogel weiter trägt, sanft gleite ich durch seine Federn rasend schnell Richtung Abgrund, wühle mich in Bruchteilen von Sekunden durch sein Federkleid, atme sein reines, klares Dickicht aus weißem Nichts. Dann gibt er mich frei, entschwindet, verschwindet Richtung Sonne, während ich meine Reise fortsetze, real in einer Welt aus Irrealem und Surrealem, träumend und doch wach, denkend und gleichzeitig gedankenlos, schwebend und im Fallen, schreiend und stumm.

Ein Ruck holt mich zurück aus dieser Welt voller Wind, Wolken und Vergessen. Ich spüre, wie sich der Fallschirm öffnet, wie mein Tandemmaster die Reißleine zieht, wie sich der Stoff über uns zu einem Zelt aufbauscht und uns von der Horizontalen in die Vertikale aufrichtet. Die Zeit fängt wieder an, gefrorene Sekunden tauen auf und beginnen, unerbittlich weiter zu ticken. In langsamen Kreisbewegungen nähern wir uns der Erde, schwarze Ameisen werZwei Vögel am Hochzeitstagden zu Menschen, kleine Schachteln formen sich zu Häusern, bunte Punkte heißen jetzt wieder Autos.

Ein letztes Aufbäumen, ein allerletzter Blick nach oben, dann hat mich die Schwerkraft wieder gefangen. Zurück, ein gefallener Engel aus über 4000 Meter Höhe, verstossen von den Wolken, jenen großen weißen Vögeln mit ihrem unendlich dichten Gefieder, die mir zumindest für ein paar Augenblicke gestattet haben, mit ihnen zu fliegen. Ich bin wieder zurück, aber diese Erfahrung, dieser kurze Moment unendlicher Freiheit hat sich für immer in mir verinnerlicht. Der Traum vom Fliegen hat sich für mich erfüllt, der Traum wurde Wirklichkeit, eine phantastische Empfindung, welche nur noch dadurch gesteigert wurde, daß ich diesen Traum zusammen mit meiner Frau leben durfte.

Und wenn ich jetzt als Abschluß sage, unser Hochzeitstag ist wie im Flug vergangen, dann ist das wörtlich zu nehmen. Ein ganz herzliches Dankeschön an den Jump Club Krems für die phantastische Betreuung und gleichzeitig noch etwas Werbung für das Fallschirmspringer-Treffen in Fromberg im Waldviertel (Österreich), wo dieser Traum Wirklichkeit wurde.

13.7.2009

Es ist, was es ist

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 11:46


Liebe Webgemeinde,

wir haben es getan. Wer jetzt sofort wissen möchte, was wir getan haben, der gehe hier weiter. Für alle anderen gibt es unten den Link noch einmal. Wir, damit meine ich die beste Ehefrau der Welt und mich höchstpersönlich. Was war der Anlass für dieses Unterfangen ? Naja, unser in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrender Hochzeitstag. Die beste Ehefrau hat mir förmlich das Messer auf die Brust gesetzt. Eines schönen Tages, viele Wochen vor besagtem immer wiederkehrenden Tage sprach sie zu mir: “Was machen wir zu unserem Hochzeitstag ?” Zwei unscheinbare Worte in einer eigentlich relativ einfachen Fragestellung, nämlich das “wir” und dann dieses ominöse “machen”. Weit gefehlt, lieber mitleidender selbst verheirateter Ehemann, liebe schadenfroh grinsende verheiratete Ehefrau. Kein einfacher Satz, sondern ein mörderisches, zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite das messerscharfe “wir”und als Antipode dazu das “machen”.

Jeder in den Abgründen der Ehe Geübte wird sofort erkennen, dass es sich hierbei nicht um die Fragestellung “Machen wir…?” geht, sondern um den knallharten Ehe-Imperativ “Wir machen !”. Die beinharte Aufforderungsform, der erbarmungslose Befehl der Herrin an ihren Sklaven. Ich glaube langsam, Ludwig XIV hat sein berühmt-berüchtigtes “L´état, c´est moi !”, sein “Der Staat, das bin ich !”  in weiser Voraussicht ausgesprochen, um mich zu warnen. Warum habe ich die Zeichen der Zeit nicht besser verstanden, warum habe ich die französische Geschichte immer falsch interpretiert.

Doch sei´s drum: Es ist, was es ist. Übrigens ein wunderschönes Gedicht von Erich Fried, welches immer mit den Zeilen : “ … Es ist was es ist sagt die Liebe” endet”. Doch zurück zum Thema, weg vom französischen Sonnenkönig und Erich Fried, hin zu meinem eigenen Dilemma namens “Wir machen !”. Hochzeitstag, natürlich, ein wunderschöner Blumenstrauss, mit einem wunderschönen Rote-Rosen-Billet und den phantastischen, noch nie geschriebenen Worten: Ich liebe Dich, mein Schatz, alles Gute zum Hochzeitstag. Das hat es noch nie gegeben, das ist der Hammer, die Überraschung schlechthin. Die Freude über meine gelungene Lösung all meiner Probleme hielt etwa vier Minuten, dann überkamen mich erste Zweifel. Was, wenn ein anderer Ehemann schon einmal auf solch eine sensationelle Idee gekommen ist, was, wenn ich doch nicht der erste bin, dem dieser grandiose Einfall kam.

Zweifel nagten an und besonders in mir. Nein, es musste etwas wirklich noch nie Dagewesenes her, etwas, womit ich mein Ehe-Universum zum Beben bringe, ein Beben, welches die beste Ehefrau der Welt zu Tränen rührt, sie aus ihrer Verankerung förmlich raushaut. Das ist es, ich werde meine Gattin zum Essen einladen, ich werde mich in meinen Hochzeitsanzug zwängen, ich muss natürlich erst nachfragen, wo der überhaupt ist, und dann werde ich zu meiner Liebsten sagen: “So, heute lassen wir es so richtig krachen, heute gehen wir essen, nur wir beide, ohne Kinder, ohne Katze, ohne Sinn und Verstand ! Gleich um die Ecke hat ein neuer Chinese aufgesperrt, der soll ein Super-Selbstbedienungsbuffet haben. Essen, soviel Du willst, um 6,90 Euro. Und das Beste, wir brauchen nicht einmal das Auto, kein Stress, keine Parkplatzsuche, keine Benzinkosten.” Ich wusste doch, auf mich ist einfach Verlass, wenn es drauf ankommt, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu treffen, bin ich der Größte, fast schon auf einer Stufe mit dem Sonnenkönig. Meine Freude hielt sieben Minuten, erste Zweifel nagten an mir und meinem von jahrelangem Eheleben zermürbten Selbstvertrauen. Die Freude schmolz dahin wie die Gletscher an Süd- und Nordpol, wahre Sturzbäche ergossen sich über mich und meine Entscheidungsfreudigkeit, höhlten mich förmlich aus, fraßen sich in mein Innerstes. Zurück blieb die alles entscheidende Frage: Was, wenn diese in meinen von der Ehe getrübten Augen sensationelle Idee doch schon einmal ein krankes Ehemann-Gehirn ausgebrütet hat, was wenn ich wieder nicht derjenige bin, welcher diesen Hochzeitstag auf diese einzigartige Weise begeht ?

Es ist, was es ist. Ich schrieb eingangs, wir haben es getan. Ich habe weder Blumen gekauft, ich habe meine beste Ehefrau der Welt nicht zum Essen eingeladen. Ich habe sie in das Auto gepackt, habe ihr vorgegeben, wie sie zu fahren hat, meine Gattin ist nämlich die eindeutig bessere Autofahrerin von uns beiden und dann, ja dann habe ich meiner Frau einen schon lange gehegten Wunsch erfüllt: Wir waren beide Fallschirmspringen. Warum Fallschirmspringen ? Warum zum Hochzeitstag ? Warum keine Blumen, warum kein Essen ? Weil ich meiner Frau noch zuhöre, zumindest manchmal. Und da meine Frau diesen Wunsch schon lange hatte, habe ich ihn erfüllt. Liebe Ehemänner, wir beide, meine Frau und ich waren nach diesem Sprung, diesem schier endlosen Fallen die glücklichsten Menschen dieser Welt. Es war ein Traum, ein gemeinsamer Traum, es war im wörtlichen Sinne ein Schweben auf Wolke sieben. Es war ein wunderschöner, vielleicht der schönste Hochzeitstag bis jetzt.

Und warum ? Weil ich meiner Frau noch zuhören kann, manchmal zumindest. Und weil ich meine Frau glücklich machen will, nicht mit Blumen, nicht mit Essen, sondern mit solchen Dingen, welche meiner Frau wichtig sind. Und wenn die beste Ehefrau der Welt glücklich ist, bin ich es ebenfalls.

Übrigens, nächste Jahr habe ich wieder Hochzeitstag. Und ich weiß jetzt schon, was wir dann machen werden. Meine Frau weiß es noch nicht, zumindest nicht von mir. Aber es genügt, dass ich es weiß. Und ich hoffe, daß wir dann wieder einen dieser glücklichen Tage verbringen werden, von denen es leider viel zuwenige in unserer heutigen Zeit gibt. Aber es sind diese Erlebnisse, diese Erfahrungen, diese Gemeinsamkeiten, welche uns zusammenschweissen, hoffentlich noch eine lange Zeit.

So sage ich auf diesem Wege: Danke, daß es Dich gibt und danke, daß ausgerechnet ich Dich kennenlernen und heiraten durfte. Ich liebe Dich, Du beste Ehefrau der Welt namens Gabi. So, und nun noch einmal der versprochene Link zum Fallschirmspringen mit dem Titel “Ikarus der Moderne“.

     

8.7.2009

Keine Ahnung, wohin damit !

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 19:23


Wer nicht weiß, in welche Kategorie sein Eintrag paßt, naja der nehme doch ganz einfach die Kategorie “Was nirgends reinpasst”. Oder noch besser, schreibt mir, welche neue Kategorie angelegt werden sollte, ganz nach dem Motto: Man kann über alles reden.

Deshalb bitte ich aber alle, die bereits bestehenden Kategorien wie z.B. Verkehrte Welt, Garten etc. zu beachten, vielleicht ist das gewählte Thema mit etwas Phantasie, nicht zuviel natürlich, dort doch gut aufgehoben. 

7.7.2009

Panem et circenses

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:45

Warum dieses lateinische Sprichwort des römischen Dichters Juvenal, wo doch die ganze Welt nur von Brot und (Zirkus)Spielen spricht? Ganz einfach: Ich bin mit meinem Latein am Ende!
Sie wollen den Grund wissen?
Weil mir einfach jetzt, in Zeiten einer weltumspannenden Wirtschaftskrise, einer globalen Rezession, einer allgegenwärtigen Depression, weil mir im Moment alles spanisch vorkommt. Nicht daß ich des Spanischen mächtig wäre, aber doch ist Spanien, genauer gesagt die wunderschöne Metropole Madrid, der Auslöser für mein lateinisches Ende, symbolisch gesprochen.
Knackpunkt meiner folgenden Überlegungen ist ein junger Mann von gerade einmal 24 Jahren mit Namen Christiano Ronaldo. Diesem jungen Portugiesen wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, im Olymp der Fußballgötter alle bisherigen Anwärter auf die Regentschaft vom Thron zu stossen, um selbst darauf Platz zu nehmen.
Ich bin deshalb mit meinem anfangs erwähnten Latein am Ende, weil mir spanisch vorkommt, daß ein portugiesisch sprechender junger Mann, welcher bisher bei einem englischen Fußballclub unter Vertrag stand, den Olymp, also jenen Himmel der griechischen Antike, um eine Summe von 93 Millionen Euro besteigen musste, bei der selbst mir meine mit österreichischem Akzent gezuckerte deutsche Sprache wegbleibt.
Lieber Leser, sehen Sie, welch babylonisches Sprachgewirr entstehen kann, wenn sich unsere Erdkugel auf eine kleine Fußballkugel minimiert.
Warum ließ sich aber gerade Real Madrid herab, der modernen Sklaverei einen neuen Namen zu geben ? Eigentlich leicht zu erklären ! Die Natur des Menschen, und da unterscheiden wir uns in keiner Weise von den Tieren, ist nun einmal bestrebt, den Besten und Stärksten zu suchen. Und wenn der subjektiv Stärkste und Beste dann auch noch die Massen und in weiterer Folge die Kassen zum rotieren bringt, ja dann handelt es sich um ein von Gott gegebenes Geschenk in Form eines neuen Heilsbringers. Sollten einige unter uns weder an göttliche Wunder glauben, wollen wir den jungen Mann doch der Einfachheit halber als Außerirdischen bezeichnen. Ehre, wem Ehre gebührt ! Doch warum Außerirdischer, weshalb soll jener Ronaldo ein E.T. des runden Leders sein, ein Alien auf grünem Rasen, ein Mr. Spock der Champions League ? Leicht erklärt.
Die in Diensten dieser Mannschaft stehenden Männer werden im Volksmund auch die “Galaktischen” genannt. Also Menschen, welche sowieso schon außerhalb jeder irdischen Vorstellungskraft stehen, abgesehen einmal davon, wenn es um den Terminus Geld verdienen geht. Und diese mit höheren (Fußball)Weihen Gesegneten haben nun mit Christiano Ronaldo ihren wirklichen Mega-Galaktischen gefunden.
Real Madrid wird auch das “Weisse Ballett” genannt. Ein Ballett, eine Tanztruppe junger Männer, permanent von den hungrigen Massen zum Tanz aufgefordert, zum Tanz auf dem sprichwörtlichen Vulkan. Panem et circenses, Brot und Spiele. Moderne Gladiatoren in einem auf Fußballgröße begrenzten unwirklichen Mikrokosmos. Panem et circenses, das Brot ist leider aus, es leben die Spiele.
Was macht es da schon, daß es im Jahre 2009 ca. 930 Millionen hungernde Menschen gibt. Umgerechnet auf die kolportierte Ablösesumme, welche die Spanier an die Engländer für den Portugiesen, Verzeihung Außerirdischen, zahlen mussten, sind dies gerade einmal 10 Cent pro hungerndem Menschen. Eine verschwindend geringe Summe für ein Menschenleben, nicht der Rede wert, unsere heile (Fußball)Welt aus ihren schwarz-weissen Angeln zu heben.
Lassen wir also weiterhin elf gegen elf moderne Gladiatoren ihren martialischen Kampf zu unserer Belustigung austragen und bitten wir die 930 Millionen nicht-galaktischen Menschen, ihren Überlebenskampf in ihren eigenen Welt auszutragen.
Denn spielen können sie auch ohne Brot, mit ihrem Hunger, mit ihrem Leid, mit ihrem Leben. Schließlich ist jeder von ihnen nur lächerliche 10 Cent wert, rein rechnerisch gesehen !

5.7.2009

Die Botschaft hör ich wohl

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 23:48


allein mir fehlt der Glaube. Was schon der große und nicht minder großartige Goethe seinem Doktor Faust in den Mund legte, gilt auch für die Kategorie “Verkehrte Welt”. Hier wird alles gesammelt, was sich sonst keiner Kategorie zuordnen läßt. Deshalb bitte ich gerade diese Kategorie mit allerlei sinnigen, unsinnigen, lustigen, nachdenklichen, skurrilen und philosophischen Dingen zu füllen.

Es ist dabei ganz egal, ob Ihr Euch Gedanken über das tägliche Brot macht oder lieber einen Nachruf über Romulus und Remus verfassen wollt, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, naja fast keine. Ihr wisst schon, eine gewisse Netiquette und natürlich die richtige Themenwahl sollten schon vorhanden sein.

Rasenersatz

Abgelegt unter: Garten — Paul Boegle @ 23:11


Liebe Freunde eines gepflegten englischen Rasens, jetzt reicht es mir !

Ich könnte verzweifeln. Schuld an allem ist unsere in Ehren ergraute Katze namens Minou. Es ist jedes Jahr, nein eigentlich jeden Monat dasselbe. Immer wenn ich versuche, auf unserer sowieso viel zu kleinen Grünfläche so etwas wie Rasen anzubauen und denselben dann ganz nach den großen englischen Vorbildern zu kultivieren, kommt sie, ja genau sie, die 17 Jahre alte Bösartigkeit in Gestalt einer lieblichen Katze.

Minou hat ein geradezu diabolisches Vergnügen daran gefunden, mich und mein zartes Grün zu torpedieren, wo immer es für sie und ihre alles vernichtenden Krallen nur möglich ist. Was soll ich tun ? Die Katze torpedieren. Geht nicht, wir hängen an ihr. Den Garten einfach ignorieren. Geht nicht, ich hänge an ihm. Mich aufhängen. Geht nicht, ich hänge an mir.

Also dachte ich mir. Ein Rasenersatz muß her. Und dann dachte ich gleich weiter. Geeignet wäre vielleicht Fiederpolster, römische und englische Kamille oder doch lieber Garten-Thymian. Wer hat noch ein paar Ideen, um mich und meinen kleinen Garten aus dieser Misere zu retten ?

Natürlich könnte ich auch ein paar Quadratmeter Kunstrasen verlegen, aber die Kunst gehört in ein Museum und die Natur nach draußen.

Ich würde mich über eine lebhafte Diskussion freuen und wünsche ein wunderschönes Wochenende aus dem grünen Wien, ausgenommen mein kleiner, nicht ganz so grüner Garten.

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