Bio Natur - Der Weblog

26.1.2012

Occupy Austria: Ein “Gefällt mir” überhaupt nicht!

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 08:13


Quo vadis: Wiederbetätigung im Umfeld der Occupy Bewegung?

Eigentlich war geplant, mit dem dritten Teil zu den beiden Meldungen “Ein Foto erzählt eine Geschichte” und “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte” weiterzumachen. Doch aus aktuellem Anlass muss dieses Vorhaben aufgeschoben werden. Denn etwas anderes beschäftigt mich, was dringlicher zu besprechen wäre.

Dass auch ich mein Herz für die Occupy-Bewegung entdeckt habe, ist spätestens seit “Der verlogene Weihnachtsmann macht 2012 Station in Quatar” kein Geheimnis mehr. Doch ob ein Teil dieser OccupistInnen sein Herz am rechten Fleck hat, muss zumindest im Moment bezweifelt werden. Nein, muss es eigentlich nicht, denn möglicherweise haben Personen im Umfeld dieser Bewegung ihren 24-Stunden  Rhythmusgeber sogar ganz und gar am rechten Fleck. Dass der österreichische Ableger dieser Bewegung im Vergleich zu anderen Ländern ein kleines Grüppchen ist, mag richtig sein. Doch zumindest haben sich nach aktuellem Stand der Dinge (Ende Jänner 2012) auf Facebook schon über 9000 Personen zu einem “Gefällt mir” bequemt, was für diese für manche doch unbequeme Bewegung bei näherer Betrachtung ein beträchtliches Sümmchen in der kleinen Alpenrepublik darstellt.

Sicherlich hilfreich ist wohl auch die Tatsache, dass sich die Occupy Austria Bewegung einige Zugpferde von zumindest nationaler Popularität vor den Karren gespannt hat, um sich in heimischen Gefilden mehr Gehör und größere Aufmerksamkeit zu verschaffen. Der hierzulande sehr bekannte Kabarettist Roland Düringer und der Tierschützer Martin Balluch,welcher zusammen mit zwölf anderen TierschützerInnen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung aufgrund des sogenannten “Mafia-Paragraphen” §278a des Strafgesetzbuches angeklagt, jedoch von sämtlichen Anklagepunkten freigesprochen wurden (Tierschutzprozess 98. und letzter Tag), leisten selbstverständlich ihren kleinen, aber umso feineren Teil, um die Sache in die richtigen, nicht rechten, Bahnen zu lenken.

Und dann gibt es da noch einen gewissen Franz Hörmann. Wer am 15.01.2012 am Wiener Stephansplatz (siehe z.B. Kurier: Occupy am Stefansplatz) war und als kleiner ORF Club 2: Franz Hörmann zu Gast in der Sendung “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann? und Mitautor des Buches “Das Ende des Geldes”.Teil der protestierenden Bewegung den gewichtigen Worten von Mitorganisator Philipp Janyr und den Gastrednern gelauscht hat, wird sich an den WU-Professor Hörmann erinnern. Doch der Ökonomieprofessor möchte scheinbar auch noch in ganz anderer bleibender Erinnerung bleiben. Was er aber sowieso schon zur Genüge macht, denn wer im “Club 2” des ORF zu Wort kommt, dessen Wort hat Gewicht. (Ganz interessant dazu: “”Das Ende (des Geldes”) der Zusammenarbeit mit Univ. Prof. Dr. Franz Hörmann“). Zumindest im kleinen Österreich. Wer 80 Minuten Zeit investieren möchte, kann sich natürlich gerne den “Club 2″-Beitrag “Wenn der Finanzcrash kommt - was dann?” ansehen. Ganz ehrlich, ich konnte der Sendung nicht viel abgewinnen, aber das will nichts heißen. Sehe ich mich doch nicht als Maßstab für “Das Ende des Geldes“, wie der geschriebene Wegweiser von Otmar Pregetter und eben Franz Hörmann lautet.

Nachhilfe bei der Erklärung von Antisemitismus?

Die Presse” schrieb am 20.01.2012 zu jenem wegweisenden Wegbereiter für Österreichs Occupy Bewegung unter “Die Empörten von Occupy Austria und ihr später Selbstfindungstrip“:

Warum Mitläufer am rechten Rand die Glaubwürdigkeit von Occupy Austria gefährden – und die Bewegung sich deshalb am Wochenende in Linz neu erfinden will.

(…) Doch ein ernsteres Problem bleibt: Ausgerechnet mit dem Auftritt des Wiener Wirtschaftsprofessors Franz Hörmann, eigentlich als Geldsystemkritiker bekannt, ist der Verdacht aufgekommen, im allzu breit angelegten Meinungsspektrum von Occupy hätten auch antisemitische Ideen ihren Platz. Der Hintergrund: Hörmann, der im März eine Partei für ein neues, geldfreies Gesellschaftssystem präsentieren will, pflegt Kontakte zur Human-Weg-Bewegung in der Schweiz. Diese spricht sich ebenfalls gegen das bestehende Geldsystem aus und hat auf ihrer Website Texte veröffentlicht, die „geistig-jüdische Führer“ in der US-Regierung orten und das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten loben. Hörmann selbst ist nach eigenen Angaben noch als „sachlicher Berater“ von Occupy tätig. Zum Thema antisemitische Tendenzen fragt man bei ihm besser zweimal nach: „Erklären Sie mir einmal, was Antisemitismus überhaupt sein soll“, so Hörmanns erste Reaktion (…)

Nicht gerade das, was ich mir persönlich von einem Repräsentanten solch einer Bewegung erwarte. Zu erklären, was Antisemitismus überhaupt sein soll? “Wie“, dachte und denke ich mir dabei schon, “ein Mann von solch Format weiß nicht, was Antisemitismus bedeutet und verlangt nach Aufklärung“. Nun ja, wer jetzt, wie ich es getan habe, Wikipedia zu Rate zieht, wird dort die Informationen finden, dass Herr Hörmann Jahrgang 1960 ist, die Matura (Abitur) mit Auszeichnung abschloss und darüberhinaus seine Dissertation mit dem “Senator Wilhelm Wilfling Forschungspreis der Wirtschaftsuniversität Wien” ausgezeichnet wurde. Und diesem Herrn muss Nachhilfe in Sachen Antisemitismus gegeben werden? Starkes Stück, aber bitte.

Auch ganz stark ist jetzt die Äußerung von Herrn Hörmann, welche im Standard unter “Ermittlungen gegen Occupy-Aktivisten wegen Wiederbetätigung” nachzulesen ist:

(…) Teile der österreichischen Occupy-Bewegung beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft - wegen Verdachts auf Wiederbetätigung und Volksverhetzung. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) hat eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

Der Grund sind Texte wie dieser: “Um die Weltgeschichte zu verstehen, muss man die Geschichte des Geldjudentums als Nomadentum verstehen” (in Hinblick auf die Geschichte des zweiten Weltkriegs, Anm.) oder: “Die US-Regierung weiß ebenso wie ihre geistig-jüdischen Führer, dass nur das neue Europa die Welt zu regieren berufen ist.”

Sie stehen auf der Homepage von Hans-Jürgen Klaussner, Sekretär der 2011 gegründeten Human Way Partei, die etwa für eine Neuregelung des Geldsystems eintritt. Präsident der Partei ist der WU-Professor Franz Hörmann, der als Redner bei der Demo am Aktionstag der Occupy-Bewegung am Wiener Stephansplatz auftrat. Seine Partei hat “95 Prozent Deckungsgleichheit” mit den Zielen von Occupy, sagt er.

(…) Die Texte seien von Klaussner ohne Absprache noch vor der Parteigründung online gestellt worden. “Bestimmte Inhalte müssen wegen des Verbotsgesetzes anders formuliert werden”, sagt Hörmann. In der Partei sei aber grundsätzlich jeder willkommen, “seien es Nazis, Marxisten oder Islamisten”.

Das sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Sollte jetzt in Deutschland doch irgendwann beschlossen werden, die NPD zu verbieten, dürfte zumindest ein Problem gelöst sein. Wer bisher nicht wusste, wohin, ohne im Regen, auf der Straße oder womöglich sogar auf der regnerischen Straße zu stehen, hat jetzt zumindest ein lohnendes Ziel vor den braunen Augen. Franz Hörmann bietet sozusagen politisches Asyl für alle, die das Herz am rechten Fleck tragen. Ein guter Artikel dazu findet sich auch auf Furtlehners Blog unter “Rechte Geisterfahrer unterwegs“.

Unter Hörmanns Vorsitz gründet sich jetzt eine neue Partei namens HPÖ, die ihren Statutenentwurf von der antisemitischen HuMan-Weg Bewegung bezieht. Auf der österreichischen Website der „HuMan-Weg Bewegung“ finden sich haarsträubende antisemitische Texte aus dem rechts-esoterischen Spektrum des Chefideologen der Bewegung, des Schweizers Hans-Jürgen Klaussner.
Der feine WU-Professor Hörmann weiß natürlich, was er seinem Ruf schuldig ist und hütet sich selbst direkt antisemitisch zu äußern. Er betont vielmehr seine „ideologische Neutralität“ und will einen „Schlussstrich“ unter die Geschichte ziehen, eine allzubekannte Argumentation aus dem rechten Eck. Und er predigt eine querpolitische Kooperation zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen, ein Konstrukt, dem schon in der Anti-EU-Bewegung manche irregeleiteten Linken auf den Leim gingen.

Ich habe es bisher versäumt, den ominösen und oftmals so leichtfertig “Gefällt mir“-Button für Occupy Austria zu drücken. Aus welchen Gründen auch immer. Dass ich dieses Versäumnis auch in nächster Zeit nicht aus der Welt schaffen werde, möge frau und man mir nachsehen. Denn vorher gilt es einige andere Dinge aus der Welt zu schaffen. Besonders wünsche ich mir eine klare Stellungnahme der Occupy-Verantwortlichen zu dieser Causa. Nun habe ich noch zum Schluss ein achtminütiges Interview von wienTV mit Franz Hörmann gefunden, welches ich Ihnen aus Gründen mir zum Vorwurf gemachter einseitiger Berichterstattung nicht vorenthalten möchte. Erstaunlich dabei ist allerdings die Tatsache, dass das Interview im Foyer einer “Bank Austria“-Filiale geführt wurde. Bei einem veröffentlichten Buch mit dem Titel “Das Ende des Geldes” dürfte es sich dabei wohl nur um ein Missverständnis handeln. Oder vielleicht um einen perfekten PR-Gag? Wer weiß dies schon so genau. Oder möchte frau und man womöglich gar nicht alles wissen?

 

25.1.2012

Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 16:30


Noch eine kurze Geschichte, noch ein aussagekräftiges Foto

Nachdem ich Ihnen unter “Ein Foto erzählt eine Geschichte” anschaulich erklärt habe, was es bedeutet, in Afghanistan für die gerechte Sache zu kämpfen, wenn denn das Vaterland und Mutter Staat Garanten für Gerechtigkeit sind, und bei diesem Kampf für das Gute gegen das Böse dabei unschuldig in Gefangenschaft zu geraten, erzähle ich Ihnen heute noch eine kleine Geschichte. Eine andere Geschichte mit einem anderen Foto, aber im Kontext ähnlich zu der bereits geschriebenen Kurzgeschichte, welche Sie nun bereits kennen und hoffentlich auch bewertet haben. Sollten Sie jedoch die erste Geschichte mit dem dort gezeigten ersten Foto noch nicht gelesen haben, bitte ich Sie, dieses jetzt unter obigem Link nachzuholen. Es dient dem besseren Verständnis.

Lassen Sie mich deshalb auch heute anmerken, dass Sie hier wiederum bis auf Weiteres vollkommen unreflektiert und neutral das Gelesene bewerten und das veröffentlichte Bild als Teil des Textes betrachten sollen. Wie auch schon im ersten Teil geschrieben: Eine persönliche Meinung über die dort herrschenden Zustände ist trotz der Bitte um neutrales Verhalten und unkritische Aufnahme durchaus erwünscht. Verarbeiten Sie die erhaltenen Informationen, geben Sie den Link auch an andere weiter, wenn Sie der (persönlichen) Meinung sind, dass solche Dinge verbreitet werden müssen. Schließlich bilden Nachrichten nicht nur in Demokratien die Grundlage und einen festen Bestandteil unseres Alltäglichen, um innerhalb und über die Grenzen des eigenen Landes hinaus über Ereignisse, Veranstaltungen, Zustände, Missstände und was auch immer interessant und wissenswert für unser Weltbild ist, bestens informiert und auf dem Laufenden gehalten zu werden. Was gibt es also Neues aus Afghanistan zu berichten?  

Geheime Fotos von Folterungen in Afghanistan

Zustände in Gefangenenlager ähnlich wie in Guantanamo

Laut Nachrichtenagentur dpad sind nun neue Fotos im Internet aufgetaucht, welche amerikanische Soldaten bei der Folterung von How media can manipulate our overview oder die Manipulation durch unkritische Informationsaufnahme. Wie sogenannte unwiderlegbare Bildbeweise gewünschte Informationen verbreiten und glaubhaft untermauern.Kriegsgefangenen in einem Lager nahe der zweitgrößten afghanischen Stadt Kandahar zeigen. Die Aufnahmen, welche wahrscheinlich aus der afghanischen Zivilbevölkerung stammen, jedoch von einer deutschen IP-Adresse aus ins Netz gestellt wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass das amerikanische Militär mit allen Mitteln versucht, Druck auf die gefangenen Terroristen auszuüben. Die südlich der Hauptstadt Kabul gelegene Enklave gilt schon seit längerer Zeit als Hochburg der Al-Qaida. Nachdem in letzter Zeit immer wieder die in Afghanistan stationierten Streitkräfte Ziele von terroristischen Anschlägen wurden, konnte nun ein neuerliches Selbstmordattentat in letzter Minute nach Hinweisen aus der Bevölkerung durch ein Spezialkommando verhindert werden.

Gerüchte über die unmenschlichen Zustände und das Fehlverhalten der Sicherheitskräfte sickerten immer wieder durch, konnten jedoch aufgrund der hermetischen Abriegelung des militärischen Sperrgebiets nicht mit Sicherheit bewiesen werden. Doch angesichts der jetzt kursierenden Fotos, auf einem wird einem völlig erschöpften Kriegsgefangenen eine Waffe von zwei amerikanischen Soldaten an die Schläfe gepresst, muss sich das Verteidigungsministerium mit neuen Unregelmäßigkeiten und Vorwürfen von Menschenrechtsorganisationen und NGOs auseinandersetzen.

In einer ersten Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses, dass eine Sonderkommission bereits auf dem Weg nach Kandahar sei, um vor Ort mit den Verantwortlichen die derzeitigen Zustände zu erörtern und eventuelles Fehlverhalten zu überprüfen. Bei dem Gefangenenlager etwa 80 km südlich von Kabul handelt es sich um ein Militärgefängnis unter dem Oberkommando der US-Streitkräfte, in welchem Al-Qaida Angehörige und mutmaßliche Taliban inhaftiert sind. Verfehlungen wurden jedoch von einem ranghohen General der in Kandahar stationierten Bodenkräfte gegenüber der Presseagentur dementiert.

Allerdings räumten andere Angehörige der Streitkräfte schon vor längerer Zeit ein, dass man sicherlich “nicht sehr zimperlich mit den Gefangenen umgehe“, aber immer innerhalb der Grenzen des Erlaubten. Man müsse schließlich für die Sicherheit des Landes garantieren, deshalb seien gewisse Maßnahmen einfach nicht zu verhindern, soll ein deutscher Soldat geäußert haben, ohne jedoch konkret auf die Bedingungen in Kandahar einzugehen. Dass das jetzt veröffentlichte Bildmaterial jedoch anderes vermuten lässt, wollte bisher niemand kommentieren.

Das soll es nun wieder einmal gewesen sein. Genug für heute über Krieg, Gehorsam gegenüber Vater Land und die damit begründeten Leiden von Mutter Courage. Doch die Serie ist damit nicht zu Ende, sondern das sogenannte dicke Ende folgt erst noch. Bleiben Sie mir also gewogen, denn schließlich möchte ich Ihnen mit diesen beiden Meldungen etwas ins Bewusstsein rufen. Das lesen Sie dann unter “…” (der Link folgt).

24.1.2012

Ein Foto erzählt eine Geschichte

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 18:47


Wer sagt’s denn: Es kommt nur auf die richtige Perspektive an!

Das sage noch einmal jemand, dass wir alle gemeinschaftlich gemeinsam und einerlei einsam völlig perspektivlos durch diese schöne Welt voller Dimensionen, wahrgenommener Inhalte und wiedergegebener Tatsachen stolpern. Ich hatte in meinem letzten Beitrag “Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung” nebenbei vom allzu sorglosen Umgang mit unseren persönlichen Daten geschrieben. Aus diesem Grund nehme ich dieses Thema zum Anlass, um in etwas erweiterter Form daran anzuschließen und in vielleicht ungewohnter Form vor Augen zu führen, welche damit verbundenen Probleme im Zusammenhang mit den Medien wir nicht ausblenden sollten. Als Blogger natürlich ein Bereich, welcher mich aus mehreren Gründen beschäftigen sollte.

Die nächsten drei Artikel beschäftigen sich deshalb mit dem Phänomen Mediengestaltung. Allerdings in etwas anderem, wenngleich genauso gestalterischem Sinne. Aber eben anders. Ich bitte deshalb vorab, sich diesen und den darauf folgenden Beitrag auf meinem Blog einfach durchzulesen, das dazugehörige Bild als Teil dieses Geschriebenen zu betrachten und aufgrund dessen auch gerne eine abschließende und ganz persönliche Wertung abzugeben und sich eine eigene Meinung zu bilden. Schließlich ist dies fast immer Sinn und Zweck, um Gelesenes und Gesehenes zu verarbeiten und im einen oder anderen Fall dann auch an seine Mitmenschen, in welcher Form auch immer, weiterzugeben. Das ganze Procedere bitte dann mit dem zweiten Artikel einfach wiederholen. Was diese Übung bezwecken soll? Die Auflösung folgt dann in einem dritten Teil, dessen Verlinkung in hier natürlich aufgrund der zu nehmenden Reihenfolge auch erst am Schluss des zweiten Beitrags angebe. Es mag jetzt alles noch recht seltsam erscheinen, was ich vorhabe, aber ich glaube, nach Teil 3 werden Sie wissen, auf welche Problematik ich hinweisen möchte.

Nun aber zur Meldung, welche ich heute nachmittag in meiner Tageszeitung (aus Gründen unlauterer Werbung möchte ich den Namen außen vor lassen) nebst dem Foto gefunden habe und auch ohne einen weiteren Kommentar von meiner Seite wiedergeben und dementsprechend an Sie weiterreichen möchte.

Vermisstes Soldaten nach fast zwei Jahren befreit

Amerikanische Militäroffensive in Kandahar

Laut Nachrichtenagentur dpad haben amerikanische Soldaten während einer großangelegten Offensive nahe der südlich von Kabul gelegenen afghanischen Stadt How the media can manipulate our viewpoint. Eine Foto erzählt eine Geschichte. Nachrichtenmeldung von Paul Boegle.Kandahar mehrere amerikanische Kriegsgefangene sowie vier gefangene alliierte Soldaten befreien können. Die insgesamt 18 Gefangenen, darunter 14 GIs, welche bereits seit fast zwei Jahren in den Händen einer bisher unbekannten Terrororganisation waren, konnten laut US-amerikanischem Verteidigungsministerium während der Operation “Sunshine” unverletzt aus einem Keller in einem Randbezirk von Kandahar geborgen werden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, dass die Soldaten zwar geschwächt, aber alle transportfähig seien und bereits in den nächsten Tagen in ihre Heimat zurückgeflogen werden können. Bei den Auseinandersetzungen starben vermutlich mehrere Untergrundkämpfer, welche laut Verteidigungsministerium der Al-Qaida nahestehen. Ob es dabei auch Tote in Reihen der an der Offensive beteiligten Amerikaner gab, wollte der Sprecher nicht mitteilen.

Foto: dpad/pb

Zwei amerikanische Soldaten nach der Befreiung der Geiseln aus den Händen der Terrororganisation

Die Grenzregion im Süden des Landes wird immer wieder durch Unruhen erschüttert und gilt selbst unter den Soldaten als äußerst gefährlich. Geiselnahmen und Entführungen sind dabei an der Tagesordnung und spiegeln die Ambivalenz der Befreier zu der unterdrückten Bevölkerung wider, welche das Militär aber in weiten Teilen des Landes unterstützen. So soll der Tipp für den Aufenthaltsort der Kriegsgefangenen, welche die Rettung der Männer erst ermöglichte, auch aus der Bevölkerung selbst gekommen sein und zeigt laut Behörden das gute Verhältnis der Amerikaner zu den Einheimischen.

Ob unter den vier befreiten allierten Soldaten auch Deutsche sind, wurde bisher weder bestätigt noch dementiert. Laut NATO werde man dazu erst Stellung beziehen, wenn die Soldaten im Militärhospital von Kabul auf ihren derzeitigen Gesundheitszustand untersucht worden seien. Ebenso ließen die Generäle offen, ob und wieviele Soldaten sich noch in den Händen der Terroristen befänden. Ebensowenig äußerten sie sich dabei zu Fragen nach eventuellen Lösegeldforderungen, schlossen aber dabei gleichzeitig aus, dass es hierzu offene Verhandlungen gebe.

So, genug für heute. Ich lasse Sie nun mit dieser Meldung alleine und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend inmitten von Fernseher, Internet und was eben sonst so in Ihrer unmittelbaren Umgebung strahlt und glänzt. Wie es weitergeht? Die Fortsetzung folgt unter “Ein anderes Foto erzählt eine andere Geschichte“.

22.1.2012

Ungelöschte Emails, die virtuelle Klimaerwärmung

Abgelegt unter: Was nirgends reinpasst — Paul Boegle @ 21:08


Unnötige Serverlast durch die Sammelwut der Internetgemeinde

Möglicherweise wir nach dem Lesen dieses Beitrags die eine oder der andere der Meinung sein, dass es der liebe Her Boegle nun aber gehörig übertreibt und päpstlicher als der Papst ist. Mag schon sein, aber die großen Dinge beginnen bekanntermaßen im Kleinen und deshalb schreibe ich, was mir auf dem Herzen liegt. In diesem besonderen Falle jedoch weniger auf dem Herzen, sondern mehr in meinen Email-Postfächern. Es ist ja so, zumindest verhält es sich bei mir so, dass jeden Tag Unmengen an elektronischen Nachrichten eintreffen, welche einmal mehr und viermal weniger und 18-mal überhaupt nicht wichtig sind. Doch immer schwebt die Angst mit: Löschen kann ich später immer noch. Vielleicht brauche ich ja irgendwann den Kontakt, die enthaltenen Informationen, den darin mitgeschickten Link oder das gesendete Foto noch für Zwecke, von denen ich bisher nichts weiß, die sich aber irgendwann noch finden werden. Irgendwann, irgendwann, irgendwann. Deshalb ist es also besser, nicht den elektronischen Mülleimer zu betätigen, sondern diese potentiellen Brauch-ich-noch-Nachrichten lieber auf dem Server zu belassen und dort im virtuellen Bunker zu versenken.

Ob diese ganze Sammelleidenschaft jetzt mit unserem Jahrtausende alten Hang zur Sesshaftigkeit zu tun hat, müssten mir die Anthropologinnen und Verhaltensforscher sagen. Was aber trotzdem nichts an der Tatsache ändert, dass sich in meinen Email-Höhlen ein Sammelsurium an elektronischen Übermittlungen angesammelt hat, welches dem frühzeitlichen Menschen, der wahrscheinlich noch ohne Tablet unterwegs war und ein Mammut auch ohne GPS gefunden hätte, was aber sowieso nur rein hypothetisch gedacht ist, zur Ehre gereicht hätte. Was aber mir selbst überhaupt nicht zur Ehre gereicht, ist folgende Tatsache, welche ich nach einem ersten Stöbern und Schnüffeln, wobei ich hoffe, dass ich bei dieser persönlichen Schnüffelei in eigenen Dingen nicht irgendwelchen fremdschnüffelnden Vorratsdatenspeicherern und Festplattenspähern in Green Action Kampagne “Internet und Stromverbrauch” von Nick Michelson. Das Problem: Das World Wide Web verbraucht viel Energie. Das Ziel ist Menschen über die Technologien zu informieren, die sie tagtäglich einsetzen.meinen Dingen in die Quere gekommen bin, gefunden habe. Was mich selbst insofern weiterhin maßlos über mich selbst ärgern lässt, weil ich erst unlängst in meinem Beitrag “Facebook: Erneuerbare energiegeladene Abhörfalle” das Thema gestreift habe, ohne aber diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.  

Meine Güte, da habe ich am 04. September 2008 (!) die Bestätigung erhalten, dass die nette Dame in England mein neues Foto für meinen Open Water-Tauchschein erhalten hat. Naja, wer weiß, ob ich dies nach drei Jahren und einigen Monaten nicht doch endgültig zu den Akten legen könnte und mich schweren Herzens davon trennen sollte. Schau, schau, am 08.09.2010 habe ich meine neue Handyrechnung elektronisch erhalten. Nun, da diese Informationen im Jahre 2012 nicht mehr ganz so neu ist, könnte ich mich ja endlcih  dazu entschließen, auf eine etwas neuere Rechnung zu warten. Nur zwei (tatsächliche) Beispiele, mit welchen Dingen ich die Server am Laufen halte. Dass ich dabei aber auch dafür, wenngleich nur zu einem verschwindend geringen Teil, Sorge trage, dass ich mit diesem Laufen auch diese Rechenzentren mit meiner unscheinbar gelagerten und wohl nicht mehr benötigten Last am Schwitzen halte. Und weil Schwitzen nicht nur beim Jäger oder Sammler die Reaktion des Kühlens hervorruft, will auch jener Server seine kalte Dosis abbekommen, um, ganz genau, weiterhin dafür zu sorgen, dass meine Emails nicht ohne meine ausdrückliche Einwilligung im Mistkübel landen und dann auf der virtuellen Müllhalde des Vergessens landen. Was sie natürlich in den seltensten Fällen dank schon erwähnter schnüffelnder Freundinnen und spähender Freunde auch tun, aber für mich eben in unerreichte Abgründe gefallen sind.

Ganz nebenbei und wirklich nur weil es mir gerade einfällt: “Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“; Hanser Verlag. Ist irrsinnig polemisch geschrieben, stilistisch manches Mal am federführenden Holzhammer, aber trotzdem nahe am aktuellen Facebook-Zeitgeist. Die Streitschrift glänzt sicherlich nicht mit tiefgreifenden Fakten, sondern verfällt allzu oft in jene nicht nachzvollziehende Methodik des für die “normalsterblichen” BürgerInnen Undefinierbaren und latent Unfassbaren in Sachen Datenwut, dessen Aufklären und Durchleuchten eigentlich Ziel des Buch sein sollte, macht aber gerade durch diese Art des Schreibens auf erschreckende Weise klar, wohin wir mit unserer allzu sorglosen Preisgabe der Daten an Mutterland und Vater Staat steuern. Aber dieses nur eine kurze Exkursion und jetzt zurück zum eigentlichen Thema, zu dessen Schluss ich nun zügig kommen möchte und deshalb das geschriebene Wort Nick Michelson und seiner Kampagne “Internet und Stromverbrauch” überlasse.

Ich bin Ingenieur und arbeite in einem Großraumbüro. Täglich verbringe ich 9 Stunden vor dem Bildschirm. Das ist meine Arbeit. Was sind meine Werkzeuge? Ein Computer, unterschiedliche Programme, Internet, E-Mail, ein Tisch und ein Drehstuhl. Die Frage ist: Ist das wirklich nur EIN Computer? Dass ich nur einen Drehstuhl benutze bin ich mir sicher, aber dass ich nur einen Computer brauche - das stimmt nicht! Und was machen meine Arbeitskollegen in der Mittagspause? Richtig - sie “surfen”!

Und wo? Na klar doch - im Internet. Es ist so groß und kostenlos und steht jedem uneingeschränkt zur Verfügung. Was bedeutet „uneingeschränkt“? Alle Server weltweit laufen ununterbrochen rund um die Uhr nur damit die Informationen auf den jeweiligen Internetseiten uns immer zur Verfügung stehen. Wie kann man sich einen Server vorstellen. Ein Server sieht wie ein großer Kühlschrank aus.

(…) Die Rechnung ist ganz einfach: Je mehr Informationen wir hochladen, desto mehr Serverräume werden entstehen. Mehr Server – mehr Stromverbrauch. Mehr Stromverbrauch – mehr Kohle- oder Atomkraftwerke werden gebaut. Letztendlich zahlen wir sogar dafür obwohl auf den ersten Blick viele Internetdienste kostenlos sind.

Reduziert man die Vermehrung von Privatdaten im Internet – so reduziert man den Stromverbrauch, der dafür benötigt wird. E-Mails sind klein, sie „wiegen“ nicht viel. Sie benötigen aber auch Platz auf einem Server. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken über die nicht gelöschten E-Mails auf dem Postserver. Es ist doch kostenlos!

Aber was bedeutet das für die Umwelt? Am anderen Ende einer ungelöschten E-Mail Nachricht steht ein riesiger Industriebagger und schaufelt Braunkohle für die Stromerzeugung. Das Löschen alter E-Mail Nachrichten befreit den Speicherplatz auf dem Postserver. Dadurch werden keine neuen Festplatten gekauft, die wiederum Energie verbrauchen.

Sicherlich klingt dies alles für die SkeptikerInnen zu schön, zu linear und viel zu aufgeräumt, um wahr zu sein. Aber, wie bereits geschrieben: Alle großen Dinge beginnen mit dem ersten Vers oder so ähnlich eben. Aber manchmal können wir auch getrost den ersten Vers aus unseren elektronischen Postfächern wieder löschen. Spätestens dann, wenn wir uns sowieso keinen Reim mehr darauf machen können, weshalb wir diese oder jene Email überhaupt noch gespeichert haben.

     

20.1.2012

Der Wiener Ball ist UNESCO-Geschichte - zumindest vorläufig

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 16:07


Immaterielles Kulturerbe in der Warteschleife

UNESCO streicht “Wiener Ball” als Kulturerbe. Die Österreichische UNESCO-Kommission hat das immaterielle Kulturerbe “Wiener Ball” undd damit auch den WKR-Ball oder Burschenschafter-Ball aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Sag mir, wo die Bälle sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Was ist geschehn?
Sag mir, wo die Bälle sind.
Die Kommission pflückte sie geschwind.
Wann wird man je verstehn?
Wann wird man je verstehn?

Wer sich dazu entschließen sollte, bei meinem letzten Beitrag “Wien ist anders - die UNESCO noch viel mehr” auf den dortigen Screenshot zu klicken, wird vielleicht überrascht sein. Denn heute, nur zwei Tage später, bietet diese Momentaufnahme über immaterielle Kulturerbschaften, welche die UNESCO-Verantwortlichen als “Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen” (UNESCO Österreich: Immaterielles Kulturerbe), nichts Informatives mehr zum “Wiener Ball”.

Sollten hier über Nacht plötzlich dubiose kulturelle Erbschleicherinnen oder perfide politische Kulturbanausen am Werke gewesen sein, um die lebenden Felix-Austria Generationen daran zu hindern, diese kulturpolitischen Güter von nationaler Trag- und touristisch internationaler Reichweite von einer Generation an die nächste weiterzugeben, welche fortwährend neu gestaltet werden und den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermitteln, wie es weiter unten heißt?

Nein, es geht alles mit rechten Dingen zu. Oder glücklicherweise eben nicht mehr. Denn die UNESCO hat sich, wohl auch aufgrund massenhafter Proteste und lautstarker Empörung, kurz und bündig dazu entschlossen, neben dem von den Burschenschaften veranstalteten WKR-Ball, welcher (hoffentlich) zum letzten Male (nicht nur) in der Wiener Hofburg stattfindet, auch alle anderen Wiener Bälle vom immateriellen Throne zu stoßen. Gut, diese Entscheidung ist natürlich für jene anderen tänzerischen Ringelspiele mit seidenbehandschuhtem Anfassen bedauerlich, welche unter dieser Entscheidung der UNESCO-Kommission zu leiden haben.

Die österreichische UNESCO-Kommission hat das Element „Wiener Ball“ – und damit auch den Burschenschafter-Ball – aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen.

Die Organisation reagiert damit auf die heftige Kritik – unter anderem von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – an der Nennung des umstrittenen Balls des Wiener Korporationsrings in der UNESCO-Liste. „Wir bedauern, dass wir im Rahmen der Einreichung die Listung des WKR-Balls übersehen haben und haben uns nun entschieden, die gesamte Liste der Wiener Traditionsbälle per sofort aus dem Verzeichnis zu entfernen“, erklärte Eva Nowotny, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission am Donnerstag. Es liege nun beim Antragsteller - dem Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle -, die Liste der Bälle abzuklären. „Eine abgeklärte Liste kann selbstverständlich wieder aufgenommen werden“, so Nowotny. (Salzburger Nachrichten: UNESCO streicht „Wiener Ball“ aus Kulturerbe)

Linksextremes Mobbing und unappetitliches Kesseltreiben

Dass von dieser vorläufigen Streichung auch solch traditionsbeladene Ballgesellschaften wie der Philharmonikerball oder der Wiener Opernball betroffen sind, ist, wie bereits geschrieben, mehr als bedauerlich. Schließlich ist gerade der Opernball aufgrund der Tatsache, dass Österreichs wohl größter Baumeister aller Zeiten mit Namen Richard “Mörtel” Lugner immer wieder auf diesem (bisherigen) immateriellen Kulturgut mit materiellen menschgewordenen Kulturgütern von geradezu kulturpolitischer Brisanz und außerordentlichem Renommee zum gelungenen “Alles Walzer”-Abend beigetragen hat, wohl Hauptgrund für viele, überhaupt die Flimmerkiste einzuschalten. Waren doch in der Vergangenheit in der eigens vom Baumeister angemieteten Loge solch elitäre Namen wie Paris Hilton (2007), ein Dieter Bohlen im Jahre 2010 oder die absolut mundgeblasene und handverlesene Sensation des letzten Jahres Ruby Rubacuori, ja genau, das Triple B Bunga Bunga Berlusconi Girl, illustre Gäste neben Mausi, Katzi oder Hasi in Herrn Lugners gehegtem und gepflegtem Streichelzoo und wetterfester Mörtel-Loge. Daneben durfte Herr Baumeister noch 2011 Zachi Noy in seiner materiellen Kulturgüterbehausung begrüßen. Den Herrn kennen Sie nicht? Ich sage nur “Eis am Stiel“, denn mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Dass jetzt aber “Richard Lugner steht wieder ohne Opernball-Gast da” zu lesen ist, stimmt mich doch etwas traurig.

Immateriell hin, Kultur her, Erbe hierhin, Güter dorthin. Alles schön und gut, aber ein gesellschaftliches Großereignis wie der Opernball ohne einen formidablen Ehrengast vom Range einer Hotelerbin, eines DSDS-Granden oer eben einer mit Italiens Staatspolitik auf Du und Du Stehenden oder möglicherweise auch Liegenden, Knienden oder Sitzenden wird es der UNESCO sicherlich nicht leichter machen, den Ball der Bälle und andere Bälle eben neben dem Ball der Bälle für den Fall der Fälle, dass der Fall eintritt, dass der Wiener Ball wieder nach den UNESCO-Statuten salon- und hoffähig wird, in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufzunehmen.  

Ich bin überzeugt davon, dass dieses alleinige Stehen von Herrn Lugner ohne adäquates Ehrengeleit einzig und allein mit der Rückgängigmachung der Entscheidung durch die UNESCO zu tun hat. Verdammt nochmal, warum muss die UNESCO einem wie mir jedes Mal die Freude am Feiern und dem gepflegten Sich-im-Kreise-drehen auf spiegelblankem Parkett verderben. Nein, natürlich nicht nur mir alleine. Hat sich doch der Heinz-Christian, also Herr FPÖ-Vorsitzender HC Strache, ebenfalls nicht sehr erfreut zu dieser Entscheidung geäußert. Dies sei eine “Anlassentscheidung aufgrund von gezieltem linksextremem Mobbing” (Der Standard: Rechter WKR-Ball - UNESCO streicht “Wiener Ball” als Kulturerbe) mutmaßt der um das eine oder andere Tänzchen rund um die Hofburg nicht Verlegene und Kollege und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl vermutete mit Blick auf die unzähligen KritikerInnen des Burschenschafterballs hinter dem Ganzen sogar ein “Kesseltreiben der selbsternannten Zivilgesellschaft“, welches ein “völlig unerträgliches Ausmaß an Unappetitlichkeit” angenommen habe.

Hat also dieses immaterielle Weltkulturerbe vorläufig sein unrühmliches Ende gefunden. Was aber leider nicht bedeuten wird, dass der Rechtsextremismus ebenfalls dasselbe finden wird. Aber wir können zumindest Zeichen setzen. Zum Beispiel in der Woche vom 20. - 27. Jänner 2012. Erinnern und Zeichen setzen! Schon der erste Klick auf den Link wäre ein erstes Zeichen gegen Rechts.       

18.1.2012

Wien ist anders - die UNESCO noch viel mehr

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 17:32


Wenn immaterielles Weltkulturerbe zur schützenswerten Erbsünde erklärt wird

Heute noch einmal Anschauungsunterricht in Sachen Ethik. In Wien steht Anderssein im Vordergrund. Zumindest wirbt die heimische Touristenwerbung seit Jahren mit dem eingängigen Slogan “Wien ist anders” dafür, dass sich BesucherInnen ais aller Welt schon einmal darauf einstellen können, sollen, müssen, dass hier bei unsUNESCO Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe erklärt den Burschenschafter-Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg zum immateriellen Weltkulturerbe, im österreichischen Revier, die Uhren anders ticken und die der Tod auch nach dem letzten Tick noch einen ganz speziellen Touch erhält. Wer in Wien nicht den Zentralfriedhof zum lohnenswerten Ziel und überirdischen Muss für den wöchentlichen Sonntagsausflug erhebt und auf die Frage, was in Wien denn zuerst und unter allen Umständen als erstes touristisches Highlight zu besichtigen sei, nicht mit der unterschwellig nekrophilen Antwort “Der Zentralfriedhof natürlich!” dienen kann, ist hier fehl am Platz. Hat auch schon Marius Müller-Westernhagen gesungen, ob im Hinblick auf Wien oder auch nicht, mag dahingestellt sein. Aber zuhause ist der echte Wiener, der einfach nicht untergehen will und pünktlich zu Silvester im öffentlich-recht politischen ORF-Programm seinen festen Platz hat, nur dort, wo die Lebendigen den Toten den gebührenden Respekt zollen und andererseits die Toten den Lebendigen jene Reminiszenz schon zu Lebzeiten entgegenbringen, welche allgemeingültig und in Stein gemauert als “es lebe der Zentralfriedhof” eines Wolfgang Ambros in die Geschichte eingegangen ist.

Ich bin wieder hier,
in meinem Revier.
War nie wirklich weg,
hab mich nur versteckt.
Ich rieche Dreck,
ich atme tief ein.
Und dann bin ich mir sicher,
wieder zuhause zu sein.

Hat Marius Müller-Westernhagen also gesungen, damals in der guten alten Zeit, als das Singen noch in der guten alten deutschen Muttersprache geschah und Töne auf guten alten schwarzen Scheiben gepresst wurden.

Es lebe der Zentralfriedhof
und alle seine Tot’n,
da Eintritt is für Lebende
heut ausnahmslos verbot’n.
Weu da Tod a Fest heut gibt
Die ganze lange Nacht,
und von die Gäst ka anziger
a Eintrittskarten braucht.

Hat der Wolferl, also der Wolfgang Ambros gesungen, damals in der guten alten Zeit, als das Sterben noch für’s gute alte Vaterland zur freudigen Pflichterfüllung und zum guten Ton gehörte und Töne nicht nur auf schwarze Scheiben gepresst wurden, sondern auch unter der braunen Erde leise in tiefen braunen Rillen vor sich hin sickerten, bis sie wieder auferstanden aus Ruinen und auf längst schon vergessenen tiefbraunen Altlasten wieder zum kontaminierten Leben erweckt wurden. Oder, um Ihnen meine ganzen Ausführungen zu dieser bisher leicht unverständlichen touristischen Werbekampagne, welche im folgenden und aus ganz anderen Gründen noch leicht unverständlicher wird, etwas näherzubringen: Die UNESCO hatte bereits 2010 beschlossen, dass der Wiener Ball in den Stand des immateriellen Kulturerbes Österreichs erhoben wird, was jetzt auch auf der Webseite der Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe schwarz und grün auf weiss zu lesen ist, wie oben bei Klick auf den Screenshot zu sehen.

Und damit verbunden wird auch der sogenannte Ball der Wiener Kooperationsrings WKR, der wiederum Bestandteil der Wiener Ballsaison ist, in Zukunft immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Dazu vielleicht ganz interessant und aufschlussreich, dass dieser frackbewehrte Treffpunkt und ballbekleidete Sammelplatz deutschnationaler Burschenschaften im imperialen Gefilde am Wiener Heldenplatz selbst von Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos unter “Die Presse: WKR-Ball unter Beobachtung des Verfassungsschutzes?” bzw unter folgendermaßen beschrieben wurde: “Ein Ball, auf dem sich Jahr für Jahr international bekannte Rechtsextreme die Klinke in die Hand geben, hat aus meiner Sicht nichts mit österreichischem Kulturerbe zu tun. Die Wiener Ballsaison käme auch gut ohne dieses rechtsextreme Stelldichein aus.” Darüberhinaus empfiehlt er dem für diese Entscheidung zuständigen UNESCO-Fachbeirat, doch einmal einen Blick auf die Gästeliste zu werfen:

Neben mehreren Vertretern der unbestritten rechtsextremen deutschen NPD war auch der Fraktionsvorsitzende des Vlaams Belang, Filip Dewinter, Gast der Veranstaltung. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) beurteilt die Studentenverbindungen, die im WKR zusammengeschlossen sind, als dem deutschnationalen bis rechtsextremen Milieu entstammend. Die Mitglieder rechtsextremer Burschenschafter seien dabei tonangebend. (Meine Abgeordneten: WKR-Ball - Darabos kritisiert UNESCO)

Und die UNESCO? Die stellt recht eindeutig zweideutig im Interview mit dem Standard (UNESCO führt WKR-Ball auf Liste für “immaterielles Kulturerbe”) fest.

Alle formellen Kriterien eines traditionellen Wiener Balls erfüllt

Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe der Österreichischen UNESCO-Kommission, erklärt im Gespräch mit derStandard.at, dass der WKR-Ball dezidiert von der Kommission als eines von 17 Beispielen für das immaterielle Kulturerbe “Wiener Ball” akzeptiert wurde. Der WKR-Ball erfülle alle Kriterien eines “Wiener Balls”, der sich zum Beispiel durch die Eröffnung, eine Mitternachtseinlage und eine Ballspende auszeichne.

Na also, die deutsche Sprache ist doch eine recht verständliche und zeichnet sich durch präzise Fakten und leicht nachzuvollziehende Details aus. Eröffnung, Mittelteil und Schluss, Satz, Spiel und Endsieg inbegriffen. Semantisch und syntaktisch auf den Punkt gebracht und für alle zufriedenstellend formuliert. Es darf getanzt werden. Sozusagen “Alles Walzer” im schönen anderen und schön abartigen Wien. Natürlich ein Zufall, dass der WKR-Ball ausgerechnet am 27. Jänner 2012 seine burschikosen Pforten öffnet und zum Tanz auf brauner Asche und verbrannter Erde bittet. Es ist der Tag der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz. Dass das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau übrigens unter dem Namen “Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945)” zum Teil des Weltkulturerbes erklärt wurde, macht die Sache doch so richtig rund und schließt den Kreis zu neuen alten weltkulturellen gutgütigen Tänzen auf deutschnationalen Vulkanen, welche inmitten unescollabierender Landschaften fröhlich vor sich hin brodeln. Wer möchte dabei noch von einem Kulturschock sprechen? So ist sie also, die österreichische Seele, welche ihren ganz persönlichen Zentralfriedhof Tag für Tag vergöttert und verklärt. Oder um mit Wolfgang Ambors zu schließen:

Auf amoi is die Musi still
Und alle Aug’n glänzen,
weu dort drüb’n steht der Knochenmann
und winkt mit seiner Sens’n.

16.1.2012

Ethical Fashion Show Berlin mit Mercedes-Benz?

Abgelegt unter: Plattformen und Projekte — Paul Boegle @ 22:04


Auch hierzu muss ich meinen Senf dazugeben

Ethical Fashion Show Berlin 2012: Die Ethical Fashion Show Berlin verfolgt ein visionäres Konzept, zugeschnitten auf innovative Brands, die Ökologie und Ethik als Selbstverständlichkeit ansehen und sich mit moderner Streetfashion und Casualwear in der Mitte des Modemarktes positionieren. Designer, die bei uns ausstellen, sind der Mode verpflichet, aber sie berücksichtigen nicht nur Schnitt, Farbe und Form, sondern auch den Einfluss von Mode auf die Umwelt und auf die sozialen Verhältnisse.Eigentlich, ja eigentlich hätte dies nur eine kurze Ankündigung für das sein sollen, was bereits in der Überschrift zu lesen ist. Und weil ich heute ein sehr bequemer Blogger bin, übernehme ich gleich Wort für Wort, was die Webseite “Ethical Fashion Show Berlin” so an Informationen zu dieser “Grüner geht’s nicht”-Veranstaltung hergibt:

Die Ethical Fashion Show Berlin feiert vom 18. bis 20. Januar 2012 im ewerk Premiere und positioniert sich als zentrale Messe für innovative, nachhaltig und ethisch produzierte Streetfashion und Casualwear in der Hauptstadt. Als Teil der Berlin Fashion Week bündelt die Messe die Aktivitäten der Branche und präsentiert grüne Fashion-Labels mit hohem modischen Anspruch.

Und weil dieser Artikel doch gar so kurz ausgefallen ist, lasse ich noch Magdalena Schaffrin zum geschrieben Wort kommen, welcher im Auftrag der Messe Frankfurt den Ableger in Berlin zur Reife gebracht hat:

Mit der Ethical Fashion Show Berlin sprechen wir gezielt Besucher und Aussteller an, die Ökologie und Ethik als Selbstverständlichkeit ansehen und sich mit moderner Streetfashion und Casualwear in der Mitte des Modemarktes positionieren.

So, das hätte es eigentlich schon sein sollen. Kurz, knackig und bündig. Doch dann las ich eben noch folgendes: “Der Mercedes-Benz Shuttle verkehrt zwischen ewerk, Hotel Adlon, Premium am Geisdreieck, der Fashion Week am Pariser Platz und weiteren Veranstaltungsorten in Berlin.” Der Wer-bitte-Shuttle? Mercedes-Benz, tatsächlich, steht auch nach mehrmaligem Lesen immer noch da, ohne per Shuttle von dannen zu fahren. Dieses Unternehmen, welches in Sachen Greenwashing weder ein unbeschriebenes Blatt und schon gar nicht so saftig grün ist, wie gerne selbst in der Öffentlichkeit dargestellt. Gute Güte, gütiger Himmel, da verwenden die MacherInnen der Ethical Fashion einen Slogan “If you do it right, it will last forever” oder eben gleich richtig machen und das hält dann für die Ewigkeit. Wunderbar!

Da fällt mir übrigens nebenbei noch ein, dass Mercedes-Benz im Jahr 2010 mit einer wunderhübschen Werbekampagne im Sinne von “Wir machen Hamburg sauberer” lanciert hatte. Ich will jetzt gar nicht viel Aufhebens darüber machen, das hat der Klima-Lügendetektor schon wesentlich besser unter “Mercedes: Wir machen Hamburg nicht sauberer” gemacht als ich es jemals tun könnte. Und was dort nicht getan wurde, aber trotzdem erwähnt werden sollte. Nein, ich habe jetzt meine Senf dazugegeben und werde nichts mehr erwähnen. Außer vielleicht noch ein kurzes Video namens “”Grüne Werbung” für Autos - Pressekonferenz auf der AMI 2010“. So, das soll es aber genug für heute gewesen sein. Vielleicht nur noch der abschließende Hinweis, dass der Umweltbrief “Greenwashing - Grünfärberei” noch viel Wissenswertes und vor allem einiges an Praxisbeispielen und Verlinkungen von Greenwashing-Kampagnen auch abseits jener vier Räder, die die große, weite Welt bedeuten, bietet.

Liebe Veranstalterinnen und Organisatoren der Ethical Fashion Show Berlin. Jetzt macht ihr so eine Supersache hinsichtlich grüner Mode, verbunden mit nachhaltigem Denken und ökologischem Handeln sowie sozialer Verantwortung. Und ihr schreibt, dass die Konsumenten neugierig und kritisch werden. Und dann sollen sich diese kritischen und vor Neugierde geplagten BesucherInnen mit einem Mercedes-Benz Shuttle Dienst spazieren fahren lassen? Also, in meinen Augen geht das gar nicht.   

14.1.2012

Warum gegen CO2 kämpfen, wenn es viel einfacher geht?

Abgelegt unter: Verkehrte Welt — Paul Boegle @ 19:00


Wenn Medien falsche Hoffnungen wecken …

… und die Menschheit dann aufs falsche Pferd setzt. Es ist manchmal schon erstaunlich, mit welchen Überschriften und darunter befindlichen Inhalten sich die sogenannten Leitmedien im realen und virtuellen Pressewald in besonders lichte Höhen aufschwingen, wenn es um den Klimawandel geht. So titelt jetzt der Spiegel online unter der für viele sicherlich helle Freude und schönstes Entzücken weckenden Headline “Kampf gegen Erderwärmung - Forscher finden einfachste Wege zur Klimakühlung“, dass sich die Erde erwärmt, doch der Durban-gemeuchelte Klimaschutz nicht voran kommt. Nun, diese Erkenntnis wäre auch ohne den Spiegel nicht neu gewesen. Doch schon im nächsten Satz folgt dann die Sensation für alle, welche schon immer wussten, dass das mit dem Klimawandel eigentlich erstens gar nicht so schlimm und zweitens viel leichter in den Griff zu bekommen ist, als manche Pessimistinnen und Warner immer so lauthals tönen.

Anstatt sich wie bisher auf Kohlendioxid (CO2) zu konzentrieren, würde es sich lohnen, andere Gase zu bekämpfen, berichtet ein Team von 24 Experten um Drew Shindell von der Nasa jetzt im Wissenschaftsmagazin “Science”. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten der Studie zufolge gleichzeitig die Luftverschmutzung verringern und so mehreren Millionen Menschen pro Jahr das Leben retten.

Die heilsbringende Quelle, welche hier der Spiegel zum Ziel seiner euphorischen Berichterstattung zum Anlass nimmt, anstatt wie bisher und seit Durban nicht mehr die Treibhausgase zum vorrangigen Ziel zu machen und mit einem “Plan B” deren methodische Bekämpfung “besonders effektiv und schnell umsetzbar seien. Würde sich die Weltgemeinschaft allein auf diese Methoden konzentrieren, könnte die Erwärmung bis 2050 um ein halbes Grad und damit um gut ein Drittel geringer ausfallen als prognostiziert“, wurde im renommierten Wissenschaftsmagazin Science unter “Simultaneously Mitigating Near-Term Climate Change and Improving Human Health and Food Security” veröffentlicht.

Tropospheric ozone and black carbon (BC) contribute to both degraded air quality and global warming. We considered ~400 emission control measures to reduce these pollutants by using current technology and experience. We identified 14 measures targeting methane and BC emissions that reduce projected global mean warming ~0.5°C by 2050. This strategy avoids 0.7 to 4.7 million annual premature deaths from outdoor air pollution and increases annual crop yields by 30 to 135 million metric tons due to ozone reductions in 2030 and beyond.

Oder kurz, gut und auf deutsch: Aus etwa 400 möglichen Alternativen, welche die Klimaerwärmung (siehe vielleicht dazu auch die mehrteilige Artikelserie, beginnend mit “Geo-Engineering: Moderne Ruinenbaumeister“) eindämmen könnten, haben die Wissenschaftler einen Maßnahmenkatalog von 14 Möglichkeiten zusammengestellt, welcher ihrer Meinung nach zu einer sinnvollen (?) Reduktion der Temperaturen von immerhin einem halben Grad führen könnte. Bis zum Jahre 2050. Besondere Erwähnung finden dabei die neben Kohlendioxid für die Erderwärmung verantwortlichen Klimakiller, allen voran Ruß, welcher als giftige Schweb- und Schadstoffe gesundheitsschädliche Auswirkungen hat und Methangas. Oder wie dann der Spiegel in seinem Artikel weiter ausführt:

Der Klimawandel ließe sich auf diese Weise um Jahrzehnte hinauszögern, sagt Veerabhadran Ramanathan von der Scripps Institution of Oceanography in San Diego, USA, ein Mitautor der Studie. Damit würden die Chancen steigen, dass die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad bliebe.

Die Taktik führt über einen Nebenweg zum Ziel: CO2 gilt zwar als Hauptverursacher der Klimaerwärmung, das Treibhausgas hält sich Jahrhunderte in der Luft. Methan und Ruß hingegen bleiben allenfalls ein paar Jahre in der Atmosphäre. Dabei wärmen die Substanzen aber stärker als CO2. Es mache sich also deutlich bemerkbar, würden Methan und Ruß reduziert, schreibt die Forschergruppe in “Science”.

Schon länger erwägen Experten deshalb einen Plan B beim Klimaschutz; die Verringerung des Abgasausstoßes von Methan und Ruß schien ihnen verlockend. Doch mit der “Science”-Studie legen Forscher nun erstmals einen genauen Plan vor. “Wir haben die praktikabelsten Schritte identifiziert, wie mit bestehender Technologie die Erwärmung erheblich gebremst und gleichzeitig die Luft gesünder gemacht werden kann”, sagt Shindell.

Zwischen den Zeilen lesen oder einfach nur übers Kuckucksnest hinweg?

Wer sich nun nach Lesen dieses Artikels der trügerischen Hoffnung hingibt, mit einem Schlage und dank eines sagenhaften Plans B seien sämtliche Probleme unseres rauchenden, schlotenden, hustenden und kollabierenden Planeten für immer und alle Zeiten gelöst und Plan A, also die immer so vehement geforderte CO2-Reduktion, sowieso nur ein Phantom, welchem nachzujagen eigentlich viel zu mühsam und aufgrund von Plan B auch gar nicht notwendig ist, sollte jedoch unter der Oberfläche kratzen.

Tatsache ist, dass die Gruppe in ihrer Studie auf die vielen Vorteile hinweist, welche ein verminderter Ausstoß von Rußpartikeln und Methan mit sich bringt. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass diese Schadstoffe nur für einen kurzen Zeitraum (anders als das mit enormer Verspätung wirkende Kohlendioxid) unser Klima belasten und eine effektive Bekämpfung dadurch zu spürbaren und besonders schnellen Erfolgen führt. Eine entsprechende Pressemitteilung der beteiligten Forschungsgruppe findet sich auch auf der Seite des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) unter “Study shows health, food security benefits from climate change actions“, in der sich diese Ergebnisse wiederfinden:

The scientists used computer models developed at GISS and the Max Planck Institute for Meteorology in Hamburg, Germany, to model the impact of emissions reductions. The modeling showed widespread benefits from the methane reduction because methane is evenly distributed throughout the atmosphere.

In contrast, benefits from reducing black carbon, which falls out of the atmosphere after a few days, were stronger in certain regions than others. The effect of reducing black carbon, for example, would be particularly strong in areas with large amounts of snow and ice. In the Himalayas and the Arctic, such reductions would reduce projected warming over the next three decades by up to two-thirds.

“Protecting public health and food supplies may take precedence over avoiding climate change in most countries, but knowing that these measures also mitigate climate change may help motivate policies to put them into practice,” Shindell said.

While carbon dioxide is the primary driver of global warming over the long-term, limiting black carbon and methane are complementary actions that would have a more immediate impact because these two pollutants circulate out of the atmosphere more quickly.

Was die Wissenschaftler aber in ihren Ergebnissen niemals empfehlen, so wie es der Spiegel-Bericht suggegriert, dass durch diese kurzfristig zu bewerkstelligenden Maßnahmen und umzusetzenden Möglichkeiten die Suche nach dem Heiligen Gral eingestellt werden kann. Hier von einem Plan B und sogar von einer von den Forschern vorgeschlagenen Abkürzung in Sachen Klimawandel zu sprechen, ist mehr als unverantwortlich. Denn dies weckt eindeutig die Hoffnung, dass sich durch solcherlei Lösungen die anthropologisch verursachten Klimaprobleme mit einem Schlag aus der Welt schaffen lassen.

Dass die Science-Studie machbare Vorschläge unterbreitet, ist gut und schön, impliziert aber keineswegs, dass es sich hier um Substitute hinsichtlich der Verringerung von CO2-Emissionen handelt und als Allheilmittel dienen kann. Und ich glaube, so wollen sich die Wissenschaftler auch verstanden wissen. Begleitmaßnahmen zu präsentieren, welche die notwendige CO2-Reduktion und den damit verbundenen Stopp der Klimaerwärmung sinnvoll unterstützen, aber nicht aus dem Kontext losgelöst und als Wunderwaffe im Treibhausgas geschwängerten Raum schwebend die Hoffnungen der Menschen in allzu hohe Sphären treiben. “Frust, Frust, Frust - so lässt sich die Stimmung von Klimaschützern beschreiben.” schreibt Spiegel online eingangs seines Artikels. Das stimmt allerdings aufgrund solcher Plan B Berichterstattung.      

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